Trennung der Eltern

Ein Ende mit Schrecken für die Kinder

Von Stefanie von Stechow

Viele Kinder kämpfen mit dem Sich-verlassen-Fühlen, wenn die Eltern sich trennen

Viele Kinder kämpfen mit dem Sich-verlassen-Fühlen, wenn die Eltern sich trennen

09. Juli 2008 So fängt es wohl meistens an: „Meine Eltern haben sich immer öfter gestritten“, erzählt Friederike. Und auch Paul sagt: „Das hat man genau gemerkt, dass sie sich einfach nicht mehr verstanden haben.“ Und irgendwann führte das dauernde Streiten zu getrennten Räumen, getrennten Wohnungen, getrennten Leben. Für die Erwachsenen ist das nicht leicht: Sie müssen eine Liebe begraben und sind mit ihren Träumen gescheitert. Aber wenigstens sind sie es meist selbst, die diese traurigen Veränderungen herbeiführen. Kinder, deren Eltern sich trennen, haben es viel schwerer: Ihr Zuhause zerbricht, und sie können es nicht ändern. Die Familie, in die sie hineingeboren wurden, löst sich auf. Aber sie können nichts dafür. Und auch nichts dagegen tun.

Paul ist schon 15, und er weiß: „Die Kinder haben daran keine Schuld. Das ist doch Quatsch.“ Er hat gelernt, sich rauszuhalten und abzuwarten. „Das ist eine Sache, die die unter sich ausmachen müssen.“ Aber Paul ist eben auch schon etwas älter. Und seine Eltern haben nie versucht, ihn oder seine Geschwister in die Auseinandersetzungen mit hineinzuziehen. „Keiner hat uns gegen den anderen ausgespielt oder so“, erzählt er. Aber sie haben auch nie versucht, ihm zu erklären, was los war. „War auch nicht nötig“, sagt er ganz gelassen. „Das konnte man ja jeden Tag sehen, dass sie sich nicht mehr verstanden haben.“

Kampf gegen Einsamkeit und das Sich-verlassen-Fühlen

Paul hat's etwas leichter. Er ist schon ein Jugendlicher, und mit der Pubertät hat er schon ein bisschen Abstand zu seinen Eltern gewonnen. Friederike aber ist erst elf Jahre alt. Und sie hat die Trennung ihrer Eltern völlig durcheinandergebracht. „Entweder sie haben sich gestritten, oder sie haben gar nicht mehr miteinander geredet“, erzählt sie. Die Mutter sprach schlecht über den Vater, wenn er fort war; der Vater brachte plötzlich immer größere Geschenke mit, wenn er mal zu Hause war. „Das hat er früher doch auch nicht gemacht“, sagt sie heute. „Damit wollte er doch nur gute Stimmung machen.“

Nicht nur, dass die Eltern miteinander streiten. Oft ziehen sie die Kinder mit in den Streit hinein. Und die Kinder, die doch beide Elternteile lieben und brauchen, sitzen zwischen allen Stühlen. Erst zu Hause und dann irgendwann in den verschiedenen Wohnungen. „Ich fand das total blöd, dass ich den Papa dann nur noch so selten sehen konnte“, erzählt Mike. „Dann habe ich ihm irgendwann eine SMS geschickt und ihm gesagt, dass ich ihn öfter sehen will. Und jetzt klappt das auch.“ Doch es bleibt meist erst einmal ein Kampf. Ein Kampf gegen die vorgeschriebenen Besuchszeiten - die die Eltern oder Richter festlegen.

Ein Kampf gegen Einsamkeit und das Sich-verlassen-Fühlen. Und immer auch ein Kampf gegen die Trauer, Wut und viele offene Fragen. In Chats und Foren wie „scheidungungskinder.de“, auf der Internetseite von KiKa oder ZDF.tivi haben Kinder die Gelegenheit, sich ihren Kummer von der Seele zu schreiben. Denn eine der wichtigsten Hilfen ist: darüber reden! „Viele Kinder haben zu wenig Gesprächspartner in so einer Situation“, weiß Cornelius Trendelenburg von der Jugendrechtsberatung des Frankfurter Kinderschutzbundes. Eigentlich bietet diese Beratungsstelle den Kindern und Jugendlichen Hilfe bei rechtlichen Problemen an. „Aber viele kommen auch erst einmal, um überhaupt ein offenes Ohr zu finden.“

Mit den Eltern über die Trennungsgründe reden, verstehen, was passiert, auch als Kind gehört werden, wenn die Familie sich verändert - all das wünschen sich die Kinder, deren Eltern sich trennen. Gesetzlich geregelt ist das nicht. Aber es hilft gegen das Gefühl der Hilflosigkeit und des Verlassen-Seins. Auch so kann es gehen: „Ich habe mit meiner Betreuerin im Hort darüber geredet“, erzählt Denise. „Und dann hab' ich meinen Eltern einen Brief geschrieben. Das hat geholfen.“

Kinder dürfen Sorgerechtsantrag nicht selber stellen

Schwierig wird es meistens, wenn es um das sogenannte Umgangsrecht der getrennt lebenden Eltern mit ihren Kindern geht. „In der Regel werden die Kinder vor Gericht angehört“, erklärt Cornelius Trendelenburg. Wenn sie 14 Jahre oder älter sind, müssen sie vom Richter befragt werden. Dass beide Eltern gemeinsam das Sorgerecht haben, also zum Beispiel wichtige Fragen wie die nach der richtigen Schule zusammen entscheiden, ist heute die Regel. Geändert wird das nur, „wenn die Eltern sich nicht einigen können und einer der beiden einen Antrag auf das alleinige Sorgerecht stellt“, sagt Trendelenburg.

Die Kinder dürfen einen solchen Antrag zum Sorgerecht nicht selber stellen. Sie können fällige Unterhaltszahlungen auch nicht alleine einklagen, brauchen dazu einen erwachsenen Vertreter. Bei all solchen Fragen bietet die Beratungsstelle vom Kinderschutzbund Hilfestellung. „Wir versuchen, mit den Eltern Kontakt aufzunehmen und zu vermitteln“, berichtet der Berater. Und wer sehr stark unter der Trennung leidet, der findet auch Hilfe bei den Psychologen vom Kinderschutzbund, beim Kinderbüro der Stadt oder zum Beispiel den Familienhilfe-Stellen der Kirchen. Denn für viele Kinder bricht mit der Trennung der Eltern eine Welt zusammen. Und das tut weh. Noch mehr als alle Streitereien zuvor.

Infos, Foren oder vielleicht auch Hilfe unter: www.kika.de/fernsehen/a_z/k/kummerkasten/archiv/familie.shtml, www.scheidungskinder.de, www.tivi.de, Stichwort: Scheidung, oder www.jugendrechtsberatung.de.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ ZB

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