22. Juni 2008 Ob im SchülerVZ, auf Myspace oder auf Wer-kennt-wen: Ohne Fotos wären Internet-Gemeinschaften lahm. 200 Bilder und noch mehr haben viele von sich in SchülerVZ gestellt. Fünf bis sechs Internet-Alben hat fast jeder. Zwei Alben von lustigen Partys, eins von einem tollen Tag mit Freunden, eins vom Partner, mit dem man zusammen ist, und vielleicht noch eins von der Familie, dem Hund und so weiter. Die aktiven VZ-Mitglieder laden jeden Tag Fotos hoch. Deshalb gibt es immer etwas zu sehen.
Aber ein Problem gibt es: Fast jeder kann die Fotos sehen. Denn im SchülerVZ kann jeder herumschnüffeln: der Idiot aus der Parallelklasse. Die Klassenlehrerin, die eine Einladung von ihrem Sohn bekommen hat. Und auch völlig fremde Leute. Was im SchülerVZ steht, ist öffentlicher als das, was in der Schule am Schwarzen Brett hängt.
Was auf MySpace steht, kann sowieso alle Welt lesen. Und wenn ein Bild erst mal im Internet steht, kann es jeder kopieren und weitergeben - das lässt sich nie wieder kontrollieren. Viele wissen: Auf den meisten Websites lässt sich einstellen, dass nur die eigenen Freunde die Fotos sehen dürfen. Aber das hilft auch nicht.
Denn jeder hat in seiner Freundesliste einige Leute, die gar keine echten Freunde sind und die er eigentlich nicht ausstehen kann. Und denen er seine Urlaubsfotos nie persönlich zeigen würde. Darum kann viel schiefgehen, wenn man seine Fotos ins Internet hochlädt.
Auf Sex-Seiten
Hier sind ein paar Beispiele: Ein Foto, das tief in den Ausschnitt blicken lässt, oder ein Bild vom nackten Rücken - das finden viele Menschen sexy. Einige finden das so sexy, dass sie sich so fotografieren lassen und das Bild ins Internet stellen. Und andere finden es so sexy, dass sie die Bilder herunterladen und an ihre Freunde schicken. Einzelne Bilder sind auch schon auf Sex-Seiten wiederaufgetaucht. In München hat ein Mann solche Fotos genommen und den Mädchen gedroht: Wenn sie sich nicht mit ihm treffen, stellt er die Fotos mit Name und E-Mail-Adresse der Mädchen auf Partnervermittlungs-Websites.
Es muss nicht immer so schlimm kommen, aber auch kleinere Gehässigkeiten sind unangenehm. Im StudiVZ hat eine Gruppe von Jungen solche Bilder gesammelt, einige Mädchen ausgewählt und die in Massen gegruschelt. Sogar die Klassenkameraden können unangenehm werden, erzählt Markus Gerstmann vom Service-Bureau Jugendinformation. Wie unangenehm, das hat ein Mädchen gemerkt, nachdem sie sich in Unterwäsche fotografiert und die Fotos hochgeladen hatte. Sie fand, sie hatte einen tollen Körper, und wollte den allen zeigen. Aber als sie die Jungen in ihrer Schule mit den Fotos aufgezogen haben, hätte sie die Bilder gerne aus der Welt geschafft.
In der Bild-Zeitung
Damit hätten die beiden Mädchen nicht gerechnet: Sie hatten sich um ein Praktikum für die Ferien beworben, das sah gut aus, jetzt fuhren sie fröhlich nach Hause. Doch auf dem Heimweg fuhren sie in eine Leitplanke. Sie stiegen aus und wurden überfahren. Beide waren tot. Wenig später standen die beiden in der Bild-Zeitung - mit einem Foto, das die Zeitung aus dem StudiVZ geholt hatte.
Auch im SchülerVZ hat sich Bild schon bedient: als eine Schülerin beim Skifahren einen Zusammenstoß hatte und daran starb. Kein Wunder, dass die Bild-Zeitung dort sucht. Denn sie berichtet über solche Unfälle am liebsten, wenn sie ein Foto hat - auch ein Foto im SchülerVZ erhöht die Gefahr, nach einem Unfall mit Bild in der Bild zu stehen. Das muss nicht sein.
Beim neuen Chef
Chefs schauen in SchülerVZ, bevor sie sich für eine Bewerberin auf eine Lehrstelle über eine Bewerbung entscheiden. Wer da mit Fotos auffällt, auf denen er bekifft oder betrunken in der Ecke liegt, hat keine Chance. Schon vor zwei Jahren hat eine Umfrage gezeigt: Jeder vierte Personalchef lehnt Bewerber ab, wenn er im Internet etwas Schlechtes über sie findet. Wer seine Praktikums- oder Lehrstelle sichern will, muss nicht nur das eigene SchülerVZ-Profil sauber halten. Sondern auch darauf achten, was die Profile der Freunde zeigen.
Was tun?
Ein SchülerVZ-Profil ist ohne Foto nicht komplett. Wer ganz sicher gehen will, muss aber nicht unbedingt sein Gesicht in Großaufnahme zeigen. Katja Knierim bei Chatten ohne Risiko empfiehlt: Lieber solltest du nur einen Schatten von dir abbilden, das Gesicht unscharf machen oder dich im Gegenlicht fotografieren lassen.
Party- oder Urlaubsfotos solltest du am besten auf CD brennen und deinen Freunden mitbringen - und nicht im SchülerVZ oder auf MySpace austauschen.
Wenn Freunde blöde Fotos von dir hochgeladen haben, musst du dich beeilen, damit die Fotos nicht unkontrolliert durchs Netz schwirren. Erstens: Entferne die Links zu deinem Namen. Zweitens: Bitte die anderen, das Bild wieder zu löschen. Wenn das nichts hilft, kannst du dich an die Leute wenden, die die Website verwalten. Die findest du im SchülerVZ unter support@studivz.net, bei MySpace unter dem Link Wende dich an MySpace am Ende der Seite, auf Wer-kennt-wen gibt es einen Link neben dem Foto. Du hast ein Recht darauf, nicht im Internet zu stehen.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa, picture-alliance/ dpa
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