Doping

Kreatin-Video mit Cannavaro als "Star"

29. April 2005 Eine Videoaufnahme, in dem ein Arzt dem italienischen Fußball-Nationalspieler Fabio Cannavaro ein Kreatinmittel spritzt, schockt Italien. Die vier Minuten lange Sequenz war von Cannavaro selbst am 11. Mai 1999 im Hotel Marriott in Moskau vor dem Uefa-Pokal-Finale AC Parma gegen Olympique Marseille (3:0) gedreht worden. Darin sieht man den Parma-Arzt, wie er dem damals 25 Jahre alten Spieler das herzstimulierende Kreatinmittel Neoton in die Vene spritzt. Das Mittel, das jetzt nicht mehr im Handel ist, steht nicht auf der Liste der verbotenen Dopingmittel.

Das Video wurde vom Staatssender Rai im Rahmen des News-Programms "Punto a capo" gezeigt. Das Band soll ein Rai-Mitarbeiter auf ungeklärte Weise anonym erhalten haben. Cannavaro betonte, die Aufnahme sei ihm entwendet worden. Das Staatsfernsehen entschloß sich, das Band trotz der Warnung Cannavaros, er werde eine Klage gegen die Rai anstrengen, zu senden.

Hitzige Diskussionen

Cannavaros Rechtsanwalt Alfonso Trofia trat als Gast der TV-Show auf und verteidigte seinen Mandanten. "Das Neoton ist kein verbotenes Mittel", betonte der Jurist. Dasselbe Mittel hatte der Juve-Teamarzt Riccardo Agricola seinen Spielern verschrieben. Agricola war im November wegen Dopings zu 22 Monaten Haft verurteilt worden.

Sechs Monate vor der Aufnahme des Videos waren bei fünf Parma-Spielern überhöhte Hämatokritwerte bei den Tests vor dem Sommertraining entdeckt worden. Das Labor hatte jedoch nach wenigen Tagen behauptet, daß wegen technischer Probleme die Tests ungültig waren.

Die Videoaufnahme Cannavaros löste in Italien hitzige Diskussionen aus, mehrere Spieler zeigten sich mit dem Juve-Star solidarisch. "Man kann nicht so tun, als wären legale Medikamente Dopingsubstanzen", sagte Lillian Thuram, Cannavaros Teamkollege bei Parma und bei Juventus. Cannavaro sei Opfer einer Verleumdungskampagne, warnte der Franzose nach Angaben der Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport". Der AC Parma wollte die Videoaufnahme nicht kommentieren.

Der ehemalige Anti-Doping-Staatsanwalt beim italienischen Olympiaverband (Coni), Giacomo Aiello, zeigte sich über die Aufnahme nicht überrascht: "Die Situation im italienischen Fußball ist besorgniserregend. Es gibt nur einen Ausweg aus dieser Lage: die Regeln strikt anwenden." Sein Nachfolger Giovanni Verde, so Aiello weiter, werde voraussichtlich eine Untersuchung über die Cannavaro-Affäre einleiten.



Text: sid, F.A.Z., 30.04.2005, Nr. 100 / Seite 36
Bildmaterial: AP

 
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