10. April 2008 Aus den Ergebnissen der Vergangenheit Rückschlüsse auf die zukünftige Wertentwicklung zu ziehen ist für Anlageentscheidungen in Investmentfonds schon in normalen Börsenzeiten ein schwieriges Unterfangen.
Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im vergangenen Sommer hat sich diese Problematik noch einmal verschärft. Die großen Gewinner der Vorjahre wechseln plötzlich auf die Verliererseite. Die Verluste der zurückliegenden Wochen schlagen sich jedoch nur mit Verzögerung in der langfristigen Betrachtung nieder.
Deutschlandfonds zehren von einer großen Vergangenheit
Sichtbar wird dieser Effekt an Fonds mit einer Fokussierung auf den deutschen Aktienmarkt. Seit Beginn dieses Jahres mussten deutsche Aktien - verglichen mit den Börsen anderer Industrieländer - die höchsten Kursabschläge hinnehmen. Noch im vergangenen Jahr stand der Dax mit einem Zuwachs um mehr als 20 Prozent einsam an der Spitze der großen Standardwerteindizes.
Unsere aktuelle Rangliste mit Aktienfonds, die unterdurchschnittliche Preisschwankungen bei einem überdurchschnittlichen Wertzuwachs vorweisen können, basiert auf den Anlageergebnissen der vergangenen drei Jahre. In ihr sind Deutschland-Aktienfonds gut vertreten. Der Grund: Ihre kontinuierlichen Gewinne vom Frühjahr 2005 bis zum Jahresende 2007 kommen immer noch mehr zur Geltung als die jüngsten Verluste.
Lateinamerika: Glimpflich davon gekommen
Als Orientierungshilfe für Anlageentscheidungen sind Fondsranglisten in Zeiten eines Favoritenwechsels deshalb mit Vorsicht zu genießen. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. So sind an der Spitze zwei Lateinamerika-Aktienfonds zu finden, die ihre Positionen so rasch nicht verlieren dürften. In den vergangenen drei Jahren verzeichneten die lateinamerikanischen Börsen, angetrieben vor allem vom brasilianischen Aktienmarkt, einen nie zuvor verzeichneten Aufschwung.
Dieser ging jedoch in diesem Jahr nicht in eine ebenso ausgeprägte Korrekturbewegung über, wie sie in Deutschland zu beobachten war. Vielmehr fiel in dem schwierigen ersten Quartal der Abschlag von Lateinamerika-Aktienfonds mit einem Minus von durchschnittlich 11,4 Prozent vergleichsweise glimpflich aus. Deutschland-Aktienfonds verloren nach einer Untersuchung des Fondsanalysehauses Lipper gleichzeitig 18,5 Prozent an Wert.
Optimismus für Brasilien
Die niederländische Fondsgesellschaft ING Investment Management verbreitet derzeit nicht den Eindruck, als ob die Gewinne der Vergangenheit in Lateinamerika rasch dahinschmelzen könnten. Allgemein besteht der Eindruck, dass eine Rezession in den Vereinigten Staaten dem bedeutenden Rohstoff-Exporteur Brasilien nicht viel anhaben kann, da nur 15 Prozent der Exporte des Landes in die Vereinigten Staaten gehen, lautet die Einschätzung von Michel Wetser, ING-Portfoliospezialist für die Aktienmärkte der Schwellenländer.
Jüngste politische und wirtschaftliche Reformen haben das mit Anlagen in der Region verbundene Gesamtrisiko reduziert, sagt die amerikanische Fondsgesellschaft Blackrock und verbreitet ebenfalls Optimismus. Die starke Marktentwicklung locke zudem neue Unternehmen an die Börse, wodurch sich die Liquidität und die Markttiefe verbesserten.
Anleger im ING-Lateinamerika-Fonds hatten in den Jahren des Kursaufschwungs überproportional von einer starken Übergewichtung in brasilianischen Aktien profitiert. Inzwischen hat das Fondsmanagement jedoch auf Gewinnmitnahmen umgeschwenkt und hält Titel aus Brasilien nunmehr leicht untergewichtet. Gewinnpotential wird in Südamerika stattdessen dem Aktienmarkt in Peru zugemessen. Brasilianische Rohstoffwerte wie Vale oder Petrobras gehören aber weiterhin zu den größten Aktienpositionen im Portfolio des ING-Lateinamerika-Fonds.
Text: sfu/F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.