Interview

„Konzentration eines Portfolios lohnt sich“

28. Dezember 2005 Die Diversifikation ist eine an sich anerkannte Regel bei der Aktienanlage. Nicht jedoch für William Harnisch, der den 600 Millionen Dollar schweren Hedge Fonds Peconic Partners leitet. Er beherzigt lieber eine andere Strategie, die da „Konzentration“ heißt.

Harnisch, der die Strategie der Diversifizierung bei der Kapitalanlage als „nullachtfünfzehn“ bezeichnet, äußert sich dazu wie folgt: „Wenn Sie nur mittelmäßige Ergebnisse erzielen wollen, dann entscheiden Sie sich meinetwegen für ein diversifiziertes Portfolio. Wenn Sie dagegen von den kräftigen Kurssteigerungen profitieren und dabei ansehnliche Gewinne einstecken möchten, dann konzentrieren Sie ihr Kapital auf die Gewinner.“

Harnisch kann seit 1990 eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorweisen: Mit einem Marktengagement von lediglich 30 Prozent hat er es geschafft, im Durchschnitt pro Jahr eine Rendite von 20 Prozent zu verbuchen.

Können Sie uns sagen, warum Sie im Gegensatz zur Diversifikation eine Strategie der „Konzentration“ bevorzugen?

Ein Marktengagement läßt sich am einfachsten über eine breitestmögliche Streuung des Kapitals in viele unterschiedliche Sektoren aufbauen. Man glaubt, daß man auf diese Weise das Risiko des Kapitalverlusts reduzieren oder sogar vollständig ausschalten kann.

Das ist natürlich Blödsinn! Sie könnten genauso leicht Ihren gesamten Kapitaleinsatz oder den Großteil davon verlieren, wenn Sie pro Branche jeweils 100 Titel abdecken oder darin investieren würden. Ziel sollte vielmehr sein, den jeweils besten Titel auszuwählen - ganz gleich, zu welchem Sektor er gehört. Wenn wir unsere Favoriten erst einmal identifiziert und ausgewählt haben, decken wir uns im größtmöglichen Umfang mit ihnen ein. Unsere konzentrierten Wetten basieren auf unserer analytischen Überlegenheit.

Welche Vermögensstrukturierung weisen Ihre Fonds zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf?

Im Hedge-Fonds-Geschäft müssen Sie sehr engagiert und aktiv sein, denn man ist hier ständigen Veränderungen ausgesetzt. Entsprechend könnte ein Portfolio mit sofortiger Wirkung zu aktualisieren bzw. restrukturieren sein. Noch vor zwei Monaten waren wir sehr bearish eingestellt; mittlerweile sind wir jedoch mit unserer Strategie in das Lager der Bullen übergewechselt.
Von den lediglich 76 Einzeltiteln, auf die wir uns konzentrieren, sind wir in 42 long und in 34 short. Der Marktdurchschnitt hat in den vergangenen beiden Monaten derart geschwankt, daß wir ständig Portfolioumschichtungen vornehmen müssen. Die Entscheidung über eine anteilsmäßige Erhöhung unserer Long- bzw. Short-Positionen hängt von einer drei- bis fünfprozentigen Änderung der Marktrichtung ab und wird dabei für gewöhnlich von Fundamentaldaten getragen.

Wie vermeiden Sie - angesichts Ihrer konzentrierten Positionierung in eine begrenzte Anzahl von Werten - größere Risiken?

Beim Aufbau unserer Long- und Short-Positionen stellen wir sicher, daß wir die Risiken unter Kontrolle haben. Dies ist von elementarer Bedeutung für uns. Unsere Portfolios werden zur Reduzierung der Volatilität kontinuierlich abgesichert. Auf diese Weise ist es uns möglich, konzentrierte Positionen in unseren Portfolios zu halten, bei gleichzeitiger Begrenzung des Risikos auf ein mit dem Gesamtmarkt vergleichbares Niveau.

40 bis 50 Prozent unserer Positionen entfallen in der Regel auf unsere zehn besten Anlageideen. Unsere größte Konzentration schlägt dabei jeweils mit fünf bis zehn Prozent zu Buche. Aktuell weisen unsere Positionen ein starkes Engagement im Bereich der Mid- bis Large-Caps auf. Unser Erfolg beruht auf der kontinuierlichen „Echtzeit“-Überwachung des Marktes und unserer Positionen, was uns erlaubt, auf Veränderungen der Marktbedingungen schnell und effizient zu reagieren.

Wie unterscheidet sich Peconic Partners von anderen Hedge Fonds?

Im Gegensatz zu den meisten anderen Hedge Fonds ist Peconic ein bei der SEC (amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde) registrierter Anlageberater, der vier Fondsgesellschaften plus eine Offshore-Investmentgesellschaft verwaltet. Wir verwalten außerdem getrennt Vermögen anderer Hedge Fonds. Unser Hedge Fonds hat sich aus Forstmann-Leff Associates heraus entwickelt, die ich von Ende der 70er Jahre bis zur Gründung von Peconic im Jahr 2005 verwaltet habe.

Die Geschäftsführung von Peconic hat mehr als 100 Millionen Dollar in den Fonds investiert. Wir sind Wachstumsanleger und identifizieren diejenigen, von denen wir meinen, daß sie zur Erwirtschaftung einer langfristigen jährlichen Rendite von mehr als 15 Prozent einen guten Beitrag leisten werden.

Welche anderen Maßstäbe wenden Sie bei der Titelauswahl an?

Zu den notwendigen Eigenschaften, die unsere Favoriten aufweisen müssen, gehören unter anderem ein überragendes Managementteam, eine dominante Marktposition, ein starkes und transparentes Zahlenwerk sowie ein nachhaltiges und attraktives Risiko-/Ertragsprofil. Unsere Entscheidungen beruhen grundsätzlich auf Fundamentaldaten. Bei einem technischen „Zusammenbruch“ setzen wir jedoch den betroffenen Titel auf unsere Alarm-Watchliste, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können.

Was veranlaßt Sie dazu, Ihre Positionen zu reduzieren oder einen Titel abzustoßen?

Zwei Dinge: Mit Blick auf die Fundamentaldaten erfolgt der Ausstieg, wenn wir nicht länger an unsere ursprüngliche Investmentthese für den betroffenen Titel glauben bzw. unser Kursziel erreicht wurde. Von der technischen Seite her muß der Titel seinen Kurstrend auf Basis des gleitenden 200-Tage-Durchschnitts brechen oder über längere Zeit eine übernormale Aufwertung erfahren, um uns zum Ausstieg zu veranlassen.

Welche Titel stehen auf Ihrer Hausseliste ganz oben?

Vor zwei Monaten waren wir in Ölaktien short, doch haben wir hier mittlerweile eine Long-Position aufgebaut. Wir sind optimistisch in bezug auf TransOcean - ein Unternehmen, das im Bereich der Offshore-Bohrung eine dominante Marktposition hat. Als wir den Titel kauften, notierte er im 20er Bereich; zwischenzeitlich liegt er im 60-Dollar-Bereich. Wir rechnen mit einem anhaltenden Aufwärtstrend der Aktie - nicht zuletzt deshalb, weil das Unternehmen auf dem Gebiet der Tiefseebohrung die größte Erfahrung hat. Viele Ölgesellschaften fördern mittlerweile Rohöl im Meer.

Daneben stehen wir Google sehr optimistisch gegenüber, trotz des kometenhaften Kursanstiegs der Aktie. Wir haben uns zeitig in dem Titel engagiert, als er noch bei 98 Dollar notierte. Unserer Meinung nach wird der Kurs der Google-Aktie binnen zwölf Monaten bis auf 500 Dollar ansteigen. Eine Long-Position haben wir auch in SBA Communications - ein Titel, mit dem wir uns einzudecken begannen, als er vor zwei Jahren noch bei vier Dollar das Stück notierte. Hier rechnen wir mit einem Anstieg auf 25 Dollar binnen Jahresfrist.

Welche sind Ihre Favoriten unter den Short-Kandidaten?

Ganz oben auf unserer Short-Liste steht Ford. Im Juni markierte die Aktie bei 11,37 Dollar einen Höchststand; am 16. November 2005 gab sie dann auf 7,65 Dollar nach. Wir verkauften Ford zunächst bei elf Dollar leer und deckten uns ein, nachdem die Aktie auf acht Dollar gefallen war. Momentan sind wir in dem Autobauer wieder short und glauben, daß der Titel bis weit unter die Marke von sechs Dollar fallen wird.

Sears Holdings haben wir ebenfalls mit einer Short-Position bedacht. Der Aufbau dieser Position erfolgte im September, als die Aktie bei 123 Dollar notierte. Unserer Ansicht nach besteht hier noch erhebliches Kurspotential - allerdings nach unten. Zu unseren früheren Short-Kandidaten gehörte Krispy Kreme, dessen Aktien wir bei 39 Dollar das Stück leerverkauften. Eingedeckt haben wir uns, nachdem die Aktie auf sieben Dollar gefallen war.

Wie ziehen Sie Kunden an?

Wir machen keine Werbung, denn um Kunden anziehen zu können, muß man unseres Erachtens eine gute Performance vorweisen. Meist ist es so, daß unsere institutionellen Kunden ihre Kollegen an uns verweisen. Wenn wir weiterhin mit jährlichen Renditen von 20 Prozent oder mehr aufwarten, glauben wir, daß sich die Anleger für uns entscheiden werden.

William Harnisch sprach mit dem BusinessWeek-Autor Gene Marcial



Text: @cri

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