Energie

Ölpreis - alles ist möglich

15. Januar 2007 Nach dem raschen und massiven Anstieg um 225 Prozent in den Jahren 2003 bis 2006 auf bis zu 78 Dollar je Barrel Brent macht nun der Ölpreis seit ein paar Wochen mit deutlichen Rückschlägen Schlagzeilen.

Denn nach einer Konsolidierung auf einem Niveau zwischen 56 und 64 Dollar ging es vor allem in den vergangenen Tagen deutlich nach unten. Inzwischen hat der Preis rund 50 Prozent seines im August des vergangenen Jahres erreichten Hochs wieder verloren. Die Dynamik zeigt derzeit eher nach unten als nach oben.

Drückt alleine nur warmes Wetter den Ölpreis...

Diese Entwicklung mag etwas verwundern, wurden doch noch vor wenigen Monaten Preisprognosen von mehr als 100 Dollar herumgereicht. Nichts schien damals den Ölpreis vor einem weiteren Anstieg abhalten zu können. Bis auf das außergewöhnlich warme Wetter, wie es nun plötzlich heißt. Die bisher zu hohen Temperaturen verringern die Nachfrage und lassen die Lager überquellen, obwohl die Opec, also die Organisation ölexportierender Staaten, ihre Produktionsquote zumindest auf dem Papier schon gekürzt hat.

Die Lager werden bei relativ stetig zunehmender Produktion regelmäßig in Zeiten einer zyklisch recht geringen Nachfrage gefüllt, um in Zeiten hoher Nachfrage - vor allem im Winter - als Puffer dienen zu können. Wird dieser Puffer nur zögerlich gelehrt, so muss sofort rasch und deutlich die Produktion gesenkt werden, um den Markt nicht aus dem fragilen Gleichgewicht zu bringen.

Fragt sich nur, ob die Opec dazu in ausreichendem Maße bereit sein wird. Daran gibt es gewisse Zweifel. Denn erstens steht rein fundamental betrachtet möglicherweise mehr im Hintergrund als das warme Wetter. Zum Beispiel - darauf könnte unter anderem auch die Schwäche bei anderen Rohstoffen hindeuten - eine konjunkturelle Abkühlung. In diesem Falle müssten die Ölförderlänger ordentlich auf die „Produktionsbremse“ drücken.

Dagegen sprechen die damit verbundenen Einnahmeausfälle und nicht zuletzt auch der Kampf um Marktanteile. Alleine aufgrund der absoluten Größe müsste Saudi-Arabien einen großen Teil seiner Produktion zurückfahren. Das dürfte jedoch schwer fallen, da viele Ölstaaten als Trittbrettfahrer agieren, um davon profitieren zu können. Es fällt doppelt schwer, weil das Land in den vergangenen Jahren unter Inkaufnahme hoher Kosten kräftig in neue Produktionskapazitäten investiert hat.

... oder spielen nicht doch andere Aspekte eine Rolle?

So kommen derzeit verschiedene Aspekte zusammen. Erstens sind die Lager voll. Zweitens ist die Nachfrage unterdurchschnittlich. Drittens nehmen die Produktionskapazitäten zu. Viertens verzichten die Anbieter ungern auf Einnahmen und fahren aus diesem Grund ihre Produktion nicht genügend zurück. Fünftens spielen möglicherweise auch politische Überlegungen eine Rolle. So könnte Saudi-Arabien einen deutlichen Preisrückgang einerseits tolerieren, um die Opec-Mitglieder zu disziplinieren. Andererseits stellt der Preisverfall auch so etwas wie eine „wirtschaftliche Waffe“ dar, die die Position des Iran über die Öleinnahmeseite schwächen kann.

In diesem Sinne scheint der Ölpreis kurz- und mittelfristig viel Spielraum zu haben, vor allem auch unter Berücksichtigung geopolitischer Risiken. Sollte es zu militärischen Aktionen in Iran kommen - es kursieren sogar Gerüchte über den Einsatz von Atomwaffen -, dürfte eine Unterbrechung der Öllieferungen aus der Golfregion nicht ausgeschlossen werden können. In diesem Falle wird der Ölpreis mit einiger Sicherheit zumindest kurzfristig kräftig nach oben schießen.

Längerfristig werde er ohnehin alleine aufgrund der deutlich zunehmenden Nachfrage aus Asien deutlich nach oben tendieren, erwartet der Konsens. Aber selbst dieser Aspekt ist nicht völlig sicher. Denn sollten sich die Verbraucher zu intelligenteren und vor allem sparsameren Anwendungen - zum Beispiel im Transportwesen - entschließen, könnte die Nachfrage weniger stark zunehmen, als bisher vielfach prognostiziert wurde. Gleichzeitig werden bei hohen Durchschnittspreisen Ausweichmöglichkeiten attraktiv. Seien es alternative Energiequellen oder auch die Kohleverflüssigung. Es gibt Studien, nach denen sich solche Anlagen ab einem Ölpreis von etwa 45 Dollar rentieren. Und die Kohlevorräte reichen mehrere Generationen. Vor allem dann, sobald sich die demographischen Probleme verschärfen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: BNP Paribas/Reuters EcoWin, FAZ.NET

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