Ende der Steuersparmodelle

Geschlossene Fonds verkaufen sich über Renditen

Anleger in Schiffsfonds können von der Tonnagesteuer profitieren

Anleger in Schiffsfonds können von der Tonnagesteuer profitieren

19. Januar 2007 Der Abschied von den steuerlich attraktiven Verlustzuweisungen bedeutet nicht das Ende der geschlossenen Fonds. Obwohl diese Anlageform in den Steuersparmodellen ihre Wurzeln hat, besteht weiterhin eine Nachfrage nach Investitionen in so unterschiedliche Objekte wie Immobilien, Schiffe oder gebrauchte Lebensversicherungen. Nach ersten vorsichtigen Schätzungen von Marktanalysten dürfte die Summe des in der Anlegerschaft für geschlossene Fonds eingesammelten Geldes im vergangenen Jahr insgesamt noch einmal zurückgegangen sein. Doch vor allem die großen Anbieter haben sich offenbar rechtzeitig mit ihrem Angebot auf das veränderte Umfeld eingestellt und scheinen trotz des schrumpfenden Marktvolumens weiter wachsen zu können.

Der Marktführer MPC Capital aus Hamburg berichtete in dieser Woche von einer Steigerung des eingeworbenen Eigenkapitals für seine Beteiligungsfonds um 4 Prozent auf 1 Milliarde Euro. „Wir haben ziemlich früh erkannt, dass wir Produkte anbieten müssen, die sich über die Rendite und nicht nur über den Steuervorteil rechnen“, erklärt MPC-Vertriebsvorstand Boris Boldyreff die gegenläufige Entwicklung zum Gesamtmarkt. Nimmt man die breit diversifizierte Produktpalette des Hamburger Fondsinitiators als Maßstab für die Branche, fragen die Anleger Schiffsbeteiligungen immer noch stark nach. Bei MPC trugen sie im vergangenen Jahr gut 40 Prozent zum Geschäft bei und verdrängten Immobilienfonds von der Spitzenposition.

„Es wird derzeit viel ausprobiert“

Weltweit sind die Renditen an den Immobilienmärkten unter Druck geraten, was es schwieriger macht, seriös ein attraktives Fondspaket zu schnüren. Vielmehr haben sich viele Anbieter von Immobilienbeteiligungen 2006 auf die Liquidierung bestehender Fonds verlegt, was den Investoren im Normalfall attraktive Realisierungserlöse einbrachte.

In die Lücke sind vor allem Private-Equity-Fonds gestoßen. Es gibt inzwischen kaum einen bekannten Initiator, der nicht ein entsprechendes Produkt für außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen im Angebot hat. Im Vergleich zu den etablierten Produktgattungen Immobilien- oder Schiffsfonds fällt das Volumen zwar immer noch gering aus, ist aber eindeutig auf den Vormarsch. Hannover Leasing, einer der großen Fondsinitiatoren im Lande, nennt Private-Equity-Fonds im Jahresausblick inzwischen schon an zweiter Stelle. Die Gesellschaft hat dabei die Idee entwickelt, ihren Fonds zusätzlich in einen Zertifikatemantel zu stecken, auf den künftig nur die Abgeltungssteuer fällig wird. „Es wird derzeit viel ausprobiert“, sagt Torsten Teichert, Vorstandsvorsitzender von Lloyd Fonds. „Wir müssen uns wandeln, und wir müssen den Leuten etwas bieten.“ So versucht sich der Spezialist für Schiffsfonds demnächst an einer Flugzeugfinanzierung.

Nahezu steuerfreie Ausschüttung

Die Möglichkeit von Verlustzuweisungen - also die Verrechnung von Verlusten zu Beginn einer Investition mit anderen Einkünften - hatte der Gesetzgeber im Herbst 2005 abgeschafft. Unmittelbare Folgen hatte das vor allem für Medienfonds zur Finanzierung von Filmen, die komplett vom Markt verschwunden sind. Dabei sind bei zahlreichen Fondsmodellen sogar weiterhin Steuervorteile gegeben. Sie wandern nur vom Beginn der Investition an deren Ende.

Ein Beispiel sind Immobilienfonds, die in ausländische Objekte investieren. Hier können sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen eine steuermindernde Wirkung entfalten. Anleger in Schiffsfonds können wiederum von der Tonnagesteuer profitieren, die eine nahezu steuerfreie Ausschüttung ermöglicht. Allerdings muss der Betrieb des Schiffes auch Ausschüttungen zulassen. Kommt es zu Verlusten, fällt die Steuerzahlung genauso an, weil die Tonnagesteuer pauschal erhoben wird.

Verfassungsrechtliche Bedenken

Die letzten Rückzugsgefechte in Sachen Steuersparmodelle über Verlustzuweisungen werden allerdings noch geführt. So war Ende 2005 noch eine Lücke in der Gesetzgebung offen geblieben, in die unter anderem die Deutsche Bank und die australische Macquarie-Bank vorstießen. Ihr Beteiligungsmodell basierte dabei auf dem Effekt von Kreditabschlägen. Als das Schlupfloch dem Bundesfinanzministerium im vergangenen August auffiel, wurde es kurzerhand rückwirkend per 1. Januar 2006 geschlossen - trotz verfassungsrechtlicher Bedenken. „Entscheidungen, die auf einer bestehenden Rechtslage beruhen, sind geschützt“, sagt Hanno Berger von der Anwaltskanzlei Dewey Ballantine. Es seien bereits Klagen anhängig. Von dem Vorgang seien etwa 10.000 Anleger betroffen, deren Fondszeichnungen rückabgewickelt werden müssten.

Geschlossene Fonds sind immer unternehmerische Beteiligungen mit den entsprechenden Chancen, aber auch Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Geldes. Vielen Anlegern wird dies jedoch häufig erst bewusst, wenn es zu spät ist.

Text: sfu. / F.A.Z., 20.01.2007, Nr. 17 / Seite 19
Bildmaterial: ddp, F.A.Z.

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