Monsieur Thannberger, Sie haben mit Europe Finance et Industrie 400 Mittelstandsunternehmen an die Börse geführt. Bricht Ihr Geschäft jetzt unter dem Druck der Finanzkrise ein?
Im Gegenteil, wir planen für dieses Jahr 25 Börsengänge, nachdem wir im vergangenen Jahr trotz der Subprime-Krise 18 Unternehmen an den Aktienmarkt begleitet haben. Zehn Börsengänge haben wir in diesem Jahr schon abgeschlossen.
Wo finden Sie die Unternehmen, die sich noch an diesen Markt wagen?
Der große Gewinner dieser Finanzkrise ist China. Ich habe in meiner Laufbahn schon vier große Börsenkräche hinter mir. Das Neue an diesem ist, dass zum ersten Mal Länder wie China, Indien Russland, Brasilien als große Akteure auftreten. Allein in China warten 3000 bis 4000 Unternehmen, die an die Börse Schanghai wollen. Und einige von ihnen begleiten wir an die Pariser Börse. Deshalb werden wir in diesem Jahr mit Sicherheit noch drei bis vier chinesische Unternehmen an die Börse bringen, aber auch ein bis zwei afrikanische und ein marokkanisches.
Es ist schwer, sich vorzustellen, wie Unternehmen in diesem Umfeld - in dem die Finanzmärkte bis zum Reißen angespannt sind - Kapital aufnehmen können.
Genau das ist das Problem: Heute ist die Börse in den Händen der Spekulation, und sie steht nicht mehr im Dienste der Unternehmen. Ich habe immer gesagt: Geld macht die Leute verrückt und dumm! Und das bewahrheitet sich jetzt wieder. Die Investmentbanker haben den Unternehmern und den Anlegern vorgegaukelt, an der Börse ließe sich das schnelle Geld verdienen. Hält man den Menschen einen großen Batzen Geld hin, verlieren sie den Verstand. Deshalb bin ich auch immer den Unternehmern gegenüber misstrauisch, die leicht überschnappen, wenn sie einen zu hohen Emissionserlös erzielen. Ich stehe für die Börse der Unternehmer und nicht für die Börse der Spekulanten.
Und was sagen Sie den Unternehmern jetzt?
Ich sage ihnen, was ich ihnen seit 30 Jahren sage: Vertrauen verschwindet im Galopp und kommt nur im Schritt zurück. Gehen Sie dann an die Börse, wenn die Stimmung am Boden ist und nicht mitten im Boom. Versuchen Sie nicht, ein möglichst hohes Emissionsvolumen zu plazieren, sondern bringen Sie Ihre Aktien zu einem niedrigen Kurs und bauen Sie von dieser Basis aus Schritt für Schritt Vertrauen auf. Deshalb sind Krisenzeiten für mein Metier die besten Zeiten. Im Grunde mag ich die Lage, die wir jetzt an den Märkten haben.
Sie finden die Finanzkrise gut?
Für uns gibt es nichts Besseres als den Tiefpunkt eines Zyklus. Wenn die Hotelpförtner wie zuletzt in China nur noch über schnelle Aktiengeschäfte nachdenken, dann läuft etwas falsch.
Und wie überzeugen Sie die Anleger davon, in der Baisse Aktien zu kaufen?
Ich kann jedem Anleger nur folgenden Rat geben: Kaufen Sie ausschließlich Aktien von Unternehmern, die mit dem Emissionserlös vorrangig in das Unternehmen investieren, nachhaltiges Wachstum damit finanzieren und Arbeitsplätze schaffen. Ich mag keine Börsengänge, die dazu dienen, Privatjets oder Yachten zu bezahlen, selbst wenn damit die Kunden amüsiert werden sollen.
Kann die Börse jetzt noch ihre Funktion zur Finanzierung der Unternehmen erfüllen?
Nein. Wenn an der Börse mehr Dividenden ausgeschüttet werden als Kapital aufgenommen wird, erfüllt sie ihre Funktion nicht mehr. Solange die Börse ein Ort bleibt, an dem die Reichen die Reichen übers Ohr hauen, ist alles in Ordnung. Aber wenn die Unternehmen und die Kleinanleger in dieses Spiel gezogen werden, dann läuft etwas falsch.
Wer ist schuld daran?
Das Spiel lief falsch, als die Banken angefangen haben, Kreditportefeuilles am Markt zu plazieren. Dadurch haben sie de facto falsche Gewinne generiert, falsche Dividenden ausgezahlt und falsches Geld in eine riesige Fabrik gepumpt, die schließlich die große Weltbörse geworden ist. Aus Geld noch mehr Geld zu machen, ohne entsprechende Werte zu schaffen - das hat mit Börse nichts zu tun. Dafür gibt es Spielcasinos.
Und dennoch gelingt es Ihnen, chinesische Unternehmen zum Gang an die Börse zu bewegen?
Die chinesischen Unternehmen haben eigentlich alles, was sie brauchen, um international erfolgreich zu sein. Es fehlt ihnen nur eins: Sie sind weitgehend unbekannt. Sie brauchen die Börse, um sich auf der Welt einen Namen zu machen.
Was ist aus Ihrer Sicht schief gelaufen?
Es war die Kommunikation, die an der Börse in den vergangenen Jahren aus dem Ruder geriet. Sie müssen heute nur eine Mitteilung lancieren, und über das Internet und die Online-Broker verbreitet sie sich augenblicklich um die ganze Welt. Sie können sich gar nicht vorstellen, welchen Schaden das anrichtet. Früher hat die Börse wie ein Parlament funktioniert, in der alle - die Analysten, die Unternehmen, die großen Investoren und die kleinen Anleger - wie die unterschiedlichen Parteien vertreten waren. Heute haben wir an der Börse nur noch eine große Einheitspartei - und wenn die falsch liegt, gibt es überhaupt kein Korrektiv mehr.
Wie kommen wir aus diesem System wieder heraus?
Der Krach wird die verschiedenen Marktakteure auf den Boden der Tatsachen zurückholen, bis die Aktienkurse wieder einer realistischen und gesunden Bewertung entsprechen. Aber lassen Sie mich dazu noch eines sagen: Wer sagt eigentlich, dass Banken an der Börse notiert sein müssen? Viele sind es nicht und haben trotzdem Erfolg. Nehmen Sie nur die Sparkassen und Volksbanken in Deutschland.
Was ist daran schlimm?
Die Banker haben angefangen, sich kurzfristig und spekulativ wie Aktienhändler zu verhalten. Das ist das Schlimme daran. Sie haben darüber ihre Wurzeln - das Kreditgeschäft - vergessen und sind jetzt drauf und dran, ihre Wetteinsätze zu verspielen. Der Marktdruck, hohe Renditen zu erwirtschaften - der hat den Banken nicht gut getan. Eine alte Börsenweisheit lautet: Man spekuliert nicht mit dem Geld der anderen. Und diese Regel haben die Bankvorstände vergessen. Auf den französischen Autobahnen stehen überall deutsche Schilder, auf denen steht: Langsam fahren! Die Banker sind allesamt mit überhöhter Geschwindigkeit gerast und haben sich jetzt erwischen lassen. Kredit und Börse - das passt einfach nicht zusammen.
Und wie gehen Sie mit der Krise um?
Ich blühe auf. In solchen Krisenzeiten zeigt sich wieder einmal, dass meine Strategie richtig ist, die Unternehmen unten im Börsenzyklus an den Markt zu bringen. Europe Finance et Industrie hat schwere Zeiten hinter sich. Doch jetzt starten wir wieder durch. Und ich werde weiter daran arbeiten, dass die deutschen Börse und die französische an einem Strang ziehen. Es war ein historischer Fehler, dass sich die Pariser Börse, Euronext, in die Arme der New Yorker Börse geworfen hat.
Freigeist der Pariser Börse
Louis Thannberger ist am französischen Kapitalmarkt genauso bekannt wie als Querdenker umstritten. In mehr als 30 Jahren hat der Elsässer rund 400 Unternehmen an die Börse begleitet.
1983 trug er maßgeblich zur Gründung des Second Marché bei - das Marktsegment wurde damals speziell für Mittelstandsunternehmen gegründet.
1988 gründete er die Gesellschaft Lyon Finance et Industrie, die er vier Jahre später in Europe Finance et Industrie umfirmierte. Er ist zudem Berater des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy.
Text: Das Gespräch führte Christian von Hiller.
Bildmaterial: Europe Finance et Industrie
| Tops & Flop Fonds | Kurs | in % |
| NESTOR Australien Fonds | 251,15 € | +221,85% |
| Earth Exploration Fund UI | 43,33 € | +165,14% |
| Earth Gold Fund UI | 80,46 € | +154,43% |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-P Cap-EUR | 42,96 € | +151,67% |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-R-EUR | 42,40 € | +150,09% |
| Hornet Renewable Energy Fund II | 48,13 € | −8,62% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner global | 6,92 € | −11,79% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner earth | 9,63 € | −13,61% |
| Entrepreneur Opportunities Fund | 52,14 € | −17,14% |
| Robeco All Weather Global Equities (EUR) D | 83,07 € | −17,26% |
US-Anleihen im späten Handel mit Gewinnmitnahmen schwächer
22:55Wall Street schließt gut behauptet - Technologiewerte gesucht
22:17EUREX/Renten-Futures schließen kaum verändert
22:12EUREX/DAX-Futures schließen etwas fester
22:06XETRA-NACHBÖRSE/XDAX (22 Uhr): 5.862 (XETRA-Schluss: 5.831) Pkt
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index18.12.2009 13:00 |
1384,62 | 1346,64 | 1292,33 |
Performance-Index18.12.2009 17:35 |
304,19 | 297,54 | 282,83 |
Euro-Aktien-Index18.12.2009 17:35 |
141,85 | 140,95 | 129,84 |
Einige Aktien sind noch günstig zu haben
Schwierige Bedingungen für die Staatsfinanzierung
Aktien 2010: Berg- und Talfahrten
Aktive oder passive Fonds?