25. Februar 2008 Investmentfonds, die das Geld ihrer Anleger in Zertifikate investieren, werden in diesen Wochen einer ernsthaften Prüfung unterzogen. Dabei dürfte in der betroffenen Anlegerschaft die Enttäuschung überwiegen. Seit Jahresbeginn weisen die größeren Produkte in dieser noch jungen Anlageklasse ausnahmslos Verluste aus.
In Fonds mit einem Schwerpunkt in Discountzertifikaten fielen diese eher geringer, in Fonds mit einem Schwerpunkt in Bonuszertifikaten eher größer aus. Auf jeden Fall konnten sie den in der Werbung verbreiteten Eindruck, bei ihnen handele es sich um eine Anlage mit einem im Vergleich zu Aktien begrenzten Marktrisiko, nur ansatzweise gerecht werden.
Der Nachteil von Barriere-Produkten wird rasch klar
Die Folgen des Kurseinbruchs an den Aktienmärkten sind unter anderem in der Produktpalette des größten Anbieters von Zertifikatefonds, Allianz Global Investors, ablesbar. Geschäftsführer Horst Eich sagte noch vor einem Vierteljahr: "Mit der Möglichkeit, auch bei fallenden Kursen Erträge zu erzielen, stellen Zertifikatefonds gerade bei wechselhaftem Börsenwetter eine ideale Ergänzung zu den klassischen Fondsprodukten dar." Doch selbst die Anleger im Allianz-Dit Deep Discount mussten seit Jahresbeginn einen Verlust von knapp 2 Prozent hinnehmen. Dieser Fonds wird als "derivategestützte Aktienanlage mit rentenähnlichem Risiko-Ertragsprofil" verkauft und ist mit einem Volumen von rund zwei Milliarden Euro der größte Zertifikatefonds auf dem Markt. Mit seiner Ausrichtung auf Discountzertifikate soll er von deren defensivem Mechanismus profitieren. Danach erhält der Anleger einen Preisnachlass auf den Basiswert, der eine Einzelaktie oder ein Index sein kann. Im Gegenzug ist aber der Gewinn nach oben begrenzt. Der Nachlass kann allerdings bei stark fallenden Kursen rasch aufgezehrt sein und in einen Verlust umschlagen - wie dies seit Jahresbeginn häufiger passiert ist.
Hart erwischte es die Anleger im Allianz-Dit Bonus Barriere, der vor allem in Bonuszertifikate investieren soll. Bei dieser Form erhält der Inhaber einen Zusatzbetrag (Bonus), wenn der Kurs des Basiswerts während einer festgelegten Laufzeit eine zuvor definierte Kursschwelle nicht nach unten durchbricht. Ansonsten geht der Bonus verloren, und der Anleger vollzieht nur noch die Wertentwicklung der zugrundeliegenden Aktie beziehungsweise des Index nach. Hier wurde das Fondsmanagement offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt. Es wählte Zertifikate aus, bei denen der Abstand zu den Schwellen vielfach zu gering war, so dass allein im Januar bei einem Fünftel der Papiere im Portfolio die Schwelle gerissen wurde. Die Verluste für die betroffenen Fondssparer summieren sich seit Jahresbeginn auf 14 Prozent.
Sind manche Fondsmanager nicht intelligent genug?
Noch schlimmer erwischte es die Anleger im Cominvest-Fonds Zertifikate-Stars aus dem Commerzbank-Konzern. Dieser war im Januar zu drei Vierteln in Bonuszertifikaten investiert und rutschte um fast 17 Prozent ab. Bei der Auflage vor anderthalb Jahren hatte Thomas Timmermann, Leiter Aktienderivate bei der Commerzbank, noch gesagt: "Zertifikate haben in den vergangenen Jahren klar bewiesen, dass sie bei intelligentem Einsatz in jeder Marktlage eine attraktive Rendite erzielen können." (siehe auch: Kauf von Zertifikaten setzt seherische Qualitäten voraus)
Der Bonuszertifikatefonds der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS musste zwar ebenfalls Einbußen hinnehmen. Mit 7 Prozent seit Jahresbeginn fielen sie jedoch vergleichsweise gering aus. Das Fondsmanagement hatte rechtzeitig den Abstand zu den Schwellen erhöht und gleichzeitig verstärkt auf Bonuszertifikate gesetzt, bei denen die Schwelle nur in den letzten Monaten der Laufzeit gilt.
Zertifikatefonds kamen vor drei Jahren erstmals in nennenswerter Größenordnung auf. Eine Abgrenzung gestaltet sich immer noch schwierig, weil es auch Aktienfonds gibt, die Zertifikate beimischen. Je nach Zuordnung werden in Zertifikatefonds zwischen 5 und 8 Milliarden Euro verwaltet. Mit einem Neugeschäft von etwa zwei bis drei Milliarden Euro waren sie 2007 eine der absatzstärksten Fondskategorien.
Text: F.A.Z., 26.02.2008, Nr. 48 / Seite 21
Bildmaterial: F.A.Z.
| Anlage- schwerpunkt | Fond- anzahl | Mon. Performance | |
|---|---|---|---|
| Top % | Flop % | ||
| Aktien | 3.121 | +0,00 | -17,52 |
| Andere | 8.111 | +0,00 | -6,87 |
| Derivative | 48 | +0,69 | -0,26 |
| Geldmarkt-/nahe | 244 | +1,18 | -2,76 |
| Gemischte | 243 | +0,00 | -7,20 |
| Renten | 1.437 | +5,20 | -3,29 |
| Quelle: Morningstar | |||
| Tops & Flops | Prozent |
|---|---|
| Renten CZK | +5,20 |
| Geldmarkt/-nahe Fonds CHF | +1,18 |
| Hedge Aktien | +0,69 |
| Aktien Indien | -17,52 |
| Aktien Portugal | -15,32 |
| Aktien Griechenland | -15,26 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.376,66 | +1,15 |
| TecDax | 738,70 | +0,52 |
| DowJones | 11.384,21 | +1,36 |
| Nasdaq | 2.294,44 | +2,28 |
| STOXX 50 | 3.335,36 | +1,45 |
| Nikkei 225 | 13.052,13 | +0,15 |
| S&P 500 Zert. | 12,69 | +2,26 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,29 |
| Bund Future | 111,74 | -0,37 |
| Gold | 918,70 | +0,19 |
| Öl | 142,31 | -0,93 |
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