Fondsmarkt

Zielfonds gegen das Risiko „der letzten Meter“

Von Hanno Beck

29. August 2005 Es sind die Ziele, die einen Menschen erst streben lassen: Ein eigenes Heim, ein neues Auto, ein früherer Ruhestand - Anreize zum Sparen gibt es mehr als genug, und der ganz zielstrebige Anleger hat zu seinem Ziel auch den Zeitpunkt vor Augen, an dem er aus seinen Wünschen Tatsachen machen will.

Wer beispielsweise in zehn Jahren endlich den ersehnten Porsche fahren will, muß natürlich wissen, wieviel Geld er für die kommenden zehn Jahre monatlich auf die Seite legen muß, damit aus dem Wunsch auch Realität werden kann. Wer auf der Internetseite der Deka, der Fondsgesellschaft der Sparkassenorganisation, nachschaut, weiß dann auch, daß er exakt 418 Euro monatlich sparen muß, wenn man unterstellt, daß der Porsche heute 50.000 Euro und inflationsbereinigt in zehn Jahren 60.950 Euro kostet. So ganz vollständig ist diese Aussage so natürlich noch nicht - man muß nun noch wissen, wie man diese 418 Euro anlegen soll. Aber auch hier weiß die Deka Abhilfe: Ein Zielfonds soll es sein, der den Weg zum Porsche ebnet.

Das Risiko „der letzten Meter“ oder vom Porsche zum Panda

In den Vereinigten Staaten sind sogenannte Zielfonds - von den Amerikanern "target funds" oder noch etwas glamouröser "freedom funds" genannt - ein mittlerweile weitbeachtetes Investment; rund 30 Milliarden Dollar sind es schon, die Amerikaner mit Blick auf ihre Wünsche und zeitmäßig konkretisierte Ziele in diese Produkte gepackt haben - das macht auch deutsche Gesellschaften sinnlich. Die Grundidee eines Zielfonds ist einfach: Wer zu einem heute schon fixierten Zeitpunkt eine bestimmte Geldsumme haben will - für Konsumwünsche, Ausbildung der Kinder oder den vorzeitigen Ruhestand -, weiß, welchen Betrag er wann erhalten möchte. Nun spricht mit Blick auf ein längeres Sparziel die Renditeperspektive für Aktienfonds - wäre da nicht das Risiko, auf den letzten Metern des Sparprozesses zu straucheln. Beispielhaft dafür wäre ein Aktiensparplan auf zehn Jahre, den man im Jahr 1992 begonnen hätte. Noch zwei Jahre vor dem Auslaufen des Sparplanes hätte man sich zu dem Porsche auch noch das GPS-System, Alu-Felgen, Mahagoniholz-Armaturen und einige andere Nettigkeiten gönnen können, doch zum Ende des Sparplanes wäre aus dem Porsche vermutlich eher ein Fiat Panda geworden, einzig deswegen, weil die Kurse sich innerhalb der letzten zwei Jahre des Sparprozesses mehr als halbiert haben.

Der kluge Investor weiß um dieses Risiko und schichtet deswegen gegen Ende der Sparzeit sein Vermögen zunehmend in sichere Investments um - das kostet zwar Rendite, erhöht aber dafür die Wahrscheinlichkeit, daß aus dem Porsche kein Panda wird, auch wenn es dann vielleicht wegen der geringeren Rendite in den letzten Jahren des Sparprozesses nicht mehr für das GPS reicht.

Exakt diesen Prozeß der schrittweisen Umschichtung des angesparten Vermögens nehmen Zielfonds dem Anleger ab: Er muß lediglich entscheiden, welchen Betrag er sparen will und wann er auf die Früchte seines Sparprozesses zugreifen will - den Rest erledigt der Fonds. Am Anfang des Sparprozesses werden hundert Prozent der Sparsumme in Aktien investiert, am Ende der Sparzeit steckt das ganze Vermögen im Geldmarkt. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten besteht die Aufgabe des Zielfondsmanagers darin, im Zeitablauf die Aktienquote zu senken und die Rentenquote zu erhöhen. Dazu hat man bei den Deka-Zielfondsprodukten in zahlenverschlingenden Simulationen ausgerechnet, welche Kombination von Aktien- und Renteninvestment über verschiedene Zeitabläufe die beste Rendite gebracht hätte, und schichtet das Geld dann entsprechend dieser Simulationsergebnisse um.

Zielfonds sind keine Garantieprodukte

Der Vorteil dieser Strategie gegenüber konservativeren Sparplänen liegt auf der Hand: Wer von Anfang an auf weniger riskante Investments setzt, weil er am Ende seiner Sparbemühungen mit einem Mindestbetrag nach Hause gehen will, verzichtet auf viel Rendite. Wenn es gut läuft, dann muß man bei einem Zielfonds darauf nicht verzichten: Am Anfang nimmt der Zielfonds die volle Rendite der Aktien mit, ohne daß die Gefahr allzugroß ist, daß der Anleger dadurch Kapital verliert - die lange Laufzeit der Fonds erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß die Aktieninvestments am Ende der Sparperiode auch ein Plus abwerfen. "Wir haben die Allokation in unseren Zielfonds so gewählt, daß die statistische Wahrscheinlichkeit für einen Kapitalverlust des Anlegers gerade einmal 1,5 Prozent beträgt", sagt Steffen Selbach von der Dekabank.

Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich bei den Zielfonds nicht um Garantieprodukte handelt. So vergleicht die Fondsgesellschaft Fidelity ihre Target Funds mit einem Garantieprodukt der Konkurrenz - ein nicht ganz sauberer Vergleich: Garantieprodukte haben eine niedrigere Rendite, weil sie dem Anleger mindestens den Kapitaleinsatz versprechen, und diese Garantie mindert die Rendite des Fonds. Zielfonds hingegen versprechen nur ein möglichst geringes Risiko eines Verlustes, können es aber nicht ausschließen - und Versprechen sind eben billiger als eine Garantie.

Ein Nachteil der Zielfonds liegt in der je nach Produkt recht unterschiedlichen Flexibilität des Fondsmanagements, auf aktuelle Marktschwankungen zu reagieren. Bei den Deka-Fonds beispielsweise bleibt dem Fondsmanagement nur ein ganz schmaler Korridor, um innerhalb des ansonsten sehr disziplinierten Umschichtungsprozesses aktuelle Trends mitzunehmen. Angesichts der letztlich doch geringen Bedeutung dieser Komponente kann man sogar darüber streiten, ob man einen Zielfonds nicht sogar besser mit passiven Investments bestücken sollte. Zielfonds sind insofern nur etwas für disziplinierte Sparer, die keinen Wert darauf legen, jede Marktzuckung auszureizen. Hier geht es also nicht um Renditeoptimierung, sondern um Ablaufoptimierung.

"Unter dem Strich sind Zielfonds standardisierte Massenprodukte, die auch keinen hohen Beratungsbedarf erfordern", sagt Björn Drescher von Drescher & Cie. Branchenkenner spotten, daß dann wenigstens die Gefahr einer Fehlberatung sinkt. Wer also ein festes Sparziel vor Augen hat, wenig Wert darauf legt, jede Marktschwankung mitzunehmen, und trotz Risikoabneigung keinen Garantiefonds haben will, kann versuchen, mit Hilfe von Zielfonds aus Träumen Wünsche und aus Wünschen Realität zu machen.

Text: F.A.Z., 30.08.2005, Nr. 201 / Seite 21

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