14. Januar 2008 Christian Schick, der Leiter Portfolio Management von Fortis in Deutschland, hält eine Blase in den Schwellenländern für denkbar. Der Grund könnten weitere Kapitalzuflüsse in diese Aktienmärkte sein. Denn immer mehr Investoren merken, wie gut es in den Emerging Markets läuft.
Seit Fazit: Das Risiko für Investitionen in den Schwellenmärkten ist gestiegen. Und es wird 2008 noch weiter deutlich steigen. Denn Kapitalzuflüsse und Aktivitäten der Staatsfonds könnten in engen Märkten zu Übertreibungen führen. Der ideale Zeitpunkt zum Kauf ist also schon vorbei.
Das Interview
Herr Schick, wie stark investieren Sie in den Schwellenmärkten dieser Welt?
Wir empfehlen standardmäßig, in den Schwellenmärkten 20 Prozent des Aktiendepots zu investieren. Das ist verglichen mit anderen schon viel. Schon seit längerem haben wir in unseren Fonds diese Quote sogar über das Standardmaß hinaus erhöht.
Dennoch warnen Sie vor einer Blase in den Schwellenmärkten. Passt das zusammen?
Zugegeben, das klingt im ersten Moment merkwürdig. Wir sehen diese Gefahr noch nicht in diesem Jahr, möglicherweise aber 2009 oder in den Jahren darauf. Das Thema Blase steht nicht vor der Tür, ist aber etwas, mit dem wir rechnen.
Wie kommen Sie denn darauf? Wollen Sie die Emerging Markets mit Japan oder dem Neuen Markt vergleichen?
Nein, nein, dazu ist es noch zu früh. Im Moment stellen wir erst fest, dass die Aktienmärkte in den Schwellenländern nicht mehr günstig sind - vor allem gegenüber den Märkten in den Industrieländern aber auch im eigenen historischen Vergleich. Die Schwellenländer haben gegenüber den Industriestaaten inzwischen wieder das hohe Niveau erreicht, das sie 1998 im Zuge der Russlandkrise hatten. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im MSCI Emering Market Index liegt bei 17,0 - im Vergleich dazu beträgt das durchschnittliche KGV des MSCI World 15,6. Das war der der Jahresendstand 2007. In den Jahren zuvor lag das KGV in der Regel deutlich unter dem der Industrieländer.
Aber das allein deutet doch noch nicht auf eine Blase hin. Der Neue Markt war wesentlich höher bewertet. Da bezahlten Anleger mehr als doppelt so viel.
Das stimmt. Deshalb sagen wir ja auch nur: Wir halten eine Blase in den Schwellenländern für denkbar. Klar aber ist: Die goldenen Zeiten, in denen Schwellenländer-Titel stark unterbewertet waren, sind definitiv vorbei. Schwellenländer-Aktien müssen neu eingestuft werden. Sie werden in Zukunft zu einem höheren Preis gehandelt.
Das klingt nach einer Rechtfertigung des eigenen Jobs. So nach dem Motto: Kein Sorge vor hohen Preisen, kauft ruhig, auch wenn es teuer ist?
Nein, es hat sich ja etwas geändert. Wir beobachten, dass die Märkte anders als früher auf Krisen reagieren. Seit Ende 1996 hat der MSCI Emerging Markets um rund 165 (Dollarbasis) Prozent zugelegt. Nun gehen diese Staaten von einer stark volatilen Phase in den 90er Jahren in ruhigere Bahnen über.
Woran machen Sie das denn fest?
Ein Beispiel: Während der Marktkorrektur zwischen 1997 und 1998 sind die Schwellenländer um 58 Prozent gefallen und es hat 62 Wochen gedauert bis sie sich wieder erholt hatten. Als die Märkte im zweiten Quartal 2006 einbrachen, sind die Schwellenländer nur noch um 24 Prozent gefallen und haben nur noch fünf Wochen für die Aufholjagd benötigt. Und in diesem Sommer waren die Schwellenländer-Aktien eine der letzten Asset-Klassen, die von den Folgen der amerikanischen Hypothekenkrise betroffen waren und stehen heute deutlich über den Höchstständen vor der Kreditkrise - im Gegensatz zu den Industrieländern. Wir folgern daraus: Die Schwellenländer haben sich strukturell verändert. Dadurch werden sie nicht mehr so schnell zum Spielball für Finanz- und Wirtschafts-Krisen.
Was hat sich denn so grundlegend geändert?
Nehmen Sie zum Beispiel die Wechselkurse. Vielen Schwellenländern ist der Übergang von einer festen Bindung an die Leitwährung Dollar zu einem flexiblen Wechselkurs gelungen. Sie erzielen Leistungsbilanzüberschüsse und agieren jetzt in der Fiskal- und Geldpolitik viel disziplinierter. Das führt dazu, dass manche inzwischen gewaltige Devisenreserven anhäufen.
Jetzt widerlegen Sie Ihre eigene Theorie?
Nein, wir warnen zwar vor einer Blase. Doch trotz der punktuellen Überhitzung der Schwellenländer-Märkte gehen wir für die nächsten ein bis zwei Jahre nicht von einem Ende des langfristigen Bullenmarktes aus. Denn wir sind davon überzeugt, dass die Schwellenländer die Feuerprobe überstanden haben und sich von den Industrieländern abkoppeln können.
Wenn es derzeit noch keine richtige Blase gibt, was könnte denn zu einer richtigen führen?
Weitere Kapitalzuflüsse in die Aktienmärkte der Emerging Markets. Davon gehen wir aus, weil immer mehr Investoren merken werden, wie gut es in diesen Märkten läuft. Sie werden dies als Bestätigung empfinden, dass die Risiken gesunken sind. Schließlich sind viele Investoren ohnehin in den aufstrebenden Märkten unterrepräsentiert. Das Problem dabei: Die Zuflüsse könnten so hoch sein, dass diese relativ kleinen Märkte das Geld nicht mehr aufnehmen können. Eine Liquiditätshausse mit schnellen Kurssteigerungen wäre die Folge.
China ist der Treiber in Asien. Raten Sie von Investitionen dort ab?
Sicher bewegt sich China auf hohem Niveau. Doch andererseits ist China der Treiber in Asien. An China kommen Investoren nicht vorbei. Wir verlassen China nicht, weil wir befürchten, dass dann die Aufwärtsentwicklung ohne uns weitergehen könnte. Dieser Markt ist zu breit und zu wichtig, um ganz die Finger davon zu lassen. Dazu sind wir noch nicht bereit.
Aber sie werden vorsichtiger?
Auch das ist bisher noch nicht passiert.
Wo könnte es denn noch kritisch werden?
Lateinamerika könnte über Mexiko Probleme bekommen. Denn dieses Land hängt sehr stark an der Entwicklung in Amerika. Wenn es dort zu einer Wachstumsverlangsamung kommt, wirkt dies auf den gesamten Kontinent.
Aber es gibt doch noch Brasilien?
Genau das ist unser Problem: Wir machen derzeit keine klaren Nieten, aber auch keine klaren Favoriten aus. Brasilien ist der Treiber in Lateinamerika, weil das Land so breit aufgestellt ist, etwa auch durch alternative Energien wie Ethanol und Zucker.
Wie sehen sie Osteuropa?
Diese Region hängt an Russland. Durch Rohstoffe hat sich das Land aus der Krise gebracht. Nun entwickelt sich eine Mittelschicht, die konsumieren möchte. Das ist auch eine Entwicklung, die wir in China beobachten. Die Gewichte verlagern sich vom Export auf den inländischen Konsum.
Das ist aber eine böse Falle. Ohne Russland, Brasilien und China läuft nichts in den Schwellenmärkten?
Genau. Anleger müssen dies im Auge behalten. Das Risiko für Investitionen in den Schwellenmärkten ist gestiegen. Und es wird 2008 noch weiter deutlich steigen. Denn Kapitalzuflüsse und Aktivitäten der Staatsfonds könnten in engen Märkten zu Übertreibungen führen. Der ideale Zeitpunkt zum Kauf ist also schon vorbei.
Was macht Christian Schick?
Christian Schick ist Head of Portfolio Management für Deutschland mit dem Fokus auf Asset Allocation und europäische Aktien und Renten. Er kam im Rahmen der Übernahme der Asset Management Aktivitäten der Westfalenbank Anfang 2006 zu Fortis Investments. Innerhalb des Asset Allocation Teams, das global ca. 30 Milliarden Euro verwaltet, koordiniert er seit 2007 auch die weltweiten Portfolio Management Aktivitäten.
Zusätzlich ist er Mitglied des Executive Committees für Deutschland. Zuvor war er ab 1996 in unterschiedlichen Funktionen für Salomon Brothers / Citigroup Asset Management in Frankfurt und New York tätig, zuletzt als Head of Equity Portfolio Management für die deutsche KAG. Er wurde 1966 geboren und hat neben einem Abschluß von der Universität Dortmund auch die CFA Charter erworben.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.
Text: Das Interview führte Thomas Schmitt, @stt
Bildmaterial: Archiv
| Anlage- schwerpunkt | Fond- anzahl | Mon. Performance | |
|---|---|---|---|
| Top % | Flop % | ||
| Aktien | 2.962 | +2,53 | -15,25 |
| Andere | 5.364 | +0,00 | -7,22 |
| Derivative | 46 | +0,00 | -1,19 |
| Geldmarkt-/nahe | 225 | +0,99 | -1,28 |
| Gemischte | 229 | +3,24 | -6,41 |
| Renten | 1.321 | +6,05 | -4,26 |
| Quelle: Morningstar | |||
| Tops & Flops | Prozent |
|---|---|
| Renten CZK | +6,05 |
| Renten Europa Emerging Market | +3,49 |
| Gemischte Fonds Türkei (neut) | +3,24 |
| Aktien Norwegen | -15,25 |
| Aktien Thailand | -15,19 |
| Aktien Indonesien | -14,50 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.440,70 | -1,46 |
| TecDax | 721,58 | -3,36 |
| DowJones | 11.349,28 | -2,43 |
| Nasdaq | 2.280,11 | -1,97 |
| STOXX 50 | 3.354,58 | -0,97 |
| Nikkei 225 | 13.603,31 | +2,18 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,06 |
| Bund Future | 110,94 | +0,75 |
| Gold | 927,85 | +0,67 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
