Strategie

„Roboter“ schlägt seit sieben Jahren den Markt

Von John Dorfman/Bloomberg

04. Januar 2006 Der Roboter hat es wieder mal geschafft. Er hat sie im siebten Jahr in Folge alle geschlagen - den Standard & Poor's Index, Dorfman Investments und die meisten anderen Vermögensverwalter. Für 2005 kommt der Roboter mit amerikanischen Aktien auf einen Ertrag von 29,2 Prozent. Dagegen ist der S&P 500 nur 4,9 Prozent gestiegen.

Was ist das für ein Roboter-Portfolio? Es handelt sich um ein einfaches computergestütztes Modellportfolio, das amerikanische Aktien selektiert, die ganz am Ende der Beliebtheitsskala stehen. Zunächst nimmt sich der Roboter die Aktien aller amerikanischen Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung über 500 Millionen Dollar vor. Das sind rund 2.100. Davon pickt er die Unprofitablen heraus, sowie die Unternehmen, deren Fremdkapital das Eigenkapital übersteigt. Bleibt ein Universum von 1.400 Werten.

Aktien mit niedrigem KGV - optisch unbeliebt, aber günstig

Von diesen wählt er die zehn Aktien mit dem niedrigsten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aus. Per Definition sind Aktien mit geringem KGV unbeliebt. Doch oftmals sind aber gerade sie gute Investments. Aktienkurse steigen, weil die Erwartungen der Anleger übertroffen werden und geringe Erwartungen sind leichter zu übertreffen.

Über die vergangenen sieben Jahre hat der Roboter insgesamt sogar 727 Prozent Ertrag geliefert, berechnet auf der Grundlage, daß alle Aktien zu Beginn eines neuen Jahres ausgetauscht wurden. Im selben Zeitraum kam der S&P 500 auf ein Plus von 13 Prozent.

Kursgewinner des Jahres 2005 war Tesoro - die Aktie des Raffinerieunternehmens mit Sitz im texanischen San Antonio ist 2005 um 94 Prozent nach . Auf dem zweiten Platz folgte Intergraph, ein Anbieter von Karten- und technischer Software aus Huntsville in Alabama. Der Kurs kletterte 85 Prozent. Nummer drei war USG, ein Baustoffproduzent mit Sitz in Chicago, mit einem Kursgewinn von 61 Prozent.

Sieben der zehn Aktien im Roboter-Portfolio stiegen. Der größte Verlierer an den amerikanischen Börsen waren 2005 American Axle & Manufacturing Holdings. Die Aktie des in Detroit ansässigen Autozulieferers, der hauptsächlich Achsen und andere Zulieferteile für General Motors produziert, sackte 39 Prozent ab. Die zweitschlechteste Kursentwicklung - Minus 12 Prozent - verzeichneten Metal Management mit Sitz in Chicago. Das Unternehmen handelt und recycled Altmetall. An dritter Stelle rangiert die Aktie der New Yorker Tankerreederei General Maritime Corp., deren Kurs 0,4 Prozent bröckelte.

Overseas Shipholding, Ashland, Fremont General und U.S. Steel Corp neu im Portfolio

Für die weiteren vier Portfoliopositionen - Louisiana- Pacific, LandAmerica Financial Group, Maverick Tube und Commercial Metals- ging es zwischen vier und 50 Prozent nach oben. Schauen wir uns einige der Titel an, die der Roboter für 2006 nach ihrem KGV ausgespuckt hat. An erster Stelle steht die Aktie von Overseas Shipholding Group. Sie wurde Ende 2005 zum 4,1-fachen ihres erwarteten Gewinns für 2006 gehandelt. Die in New York ansässige Reederei betreibt weltweit 90 Frachtschiffe für Öl, Getreide, Kohle und andere Ladung. Analysten schätzen, daß die Unternehmensgewinne künftig belastet werden, weil mehr Tanker auf den Markt kommen. Ein KGV von unter 6 sieht aber noch attraktiv aus.

Nummer zwei ist Ashland mit Sitz in Covington, Kentucky mit einem KGV von 4,2. Der Chemiehersteller konnte durch den Verkauf seiner Raffineriesparte seine in der Vergangenheit erhebliche langfristige Verschuldung auf einen Anteil von weniger als drei Prozent des Eigenkapitalanteils reduzieren. An dritter Stelle rangiert Fremont General mit Sitz in Santa Monica. Fremont bietet riskante Hypothekendarlehen, mit so genanntem „sub-prime“-Status, über Vermittler in 46 amerikanischen Staaten und darüber hinaus gewerbliche Immobilienfinanzierung an. Das Hypothekengeschäft könnte Sorgen bereiten, weil steigende Zinsen und höhere Benzinpreisen vielen amerikanischen Hauskäufern mit niedrigerem Einkommen zu schaffen machen dürften. Trotzdem ist das KGV von 4,8 interessant.

Auf Platz vier kommt mit einem KGV von 5,2 die U.S. Steel Corp. Einst das größte Unternehmen der Vereinigten Staaten, kommt der Stahlhersteller aus Pittsburgh heute auf einen Marktwert von noch 5,5 Milliarden Dollar. Billig-Konkurrenz aus dem Ausland, hohe Gesundheitsausgaben für Mitarbeiter und Pensionäre und hohe Pensionsverpflichtungen sind einige Schwachpunkte, die auch den Kurs drücken. General Maritime ist 2006 wieder dabei, die Reederei folgt auf dem 5. Rang mit einem KGV von 5,7.

Text: Bloomberg
Bildmaterial: FAZ.NET

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