Fondsbericht

Die Trennungslinie zwischen den Schwellenmärkten

03. Juli 2008 Im Vertrag von Tordesillas aus dem Jahr 1494 wurde die damals bekannte Welt zwischen den beiden führenden Seemächten Spanien und Portugal aufgeteilt: Die Spanier bekamen die gerade entdeckte westliche Hemisphäre als Einflussgebiet zugesprochen, die Lusitanen sicherten sich ihre Macht über Asien und Afrika.

Die Trennung der Welt verlief westlich der Kapverdischen Inseln in Nord-Süd-Richtung von Pol zu Pol. Die historischen Gewinner waren die Spanier. Die Ausbeutung der lateinamerikanischen Rohstoffe machte sie für mehr als ein Jahrhundert zur wichtigsten Handelsmacht.

Brasilien boomt und China leidet

Auch durch unsere Rangliste verläuft eine Demarkationslinie, die der im Vertrag von Tordesillas vereinbarten ähnelt. Auf der Gewinnerseite stehen die Aktienfonds, die - wie einige Jahrhunderte zuvor die Spanier - auf Lateinamerika und hier vor allem auf die Rohstoffe gesetzt haben.

Das Schlusslicht bilden die Aktienfonds, die vor allem in den Schwellenmärkten Asiens und Europas investiert sind. Das hat einen einfachen Grund: Während die Kurse an den chinesischen oder vietnamesischen Börsen in den vergangenen Monaten stark ins Rutschen kamen, konnte vor allem der brasilianische Index Bovespa dem Abwärtssog lange standhalten. Das größte und rohstoffreichste Land Lateinamerikas profitiert vom Rohstoffhunger in aller Welt, während viele asiatische Schwellenmärkte als Nettorohstoffimporteure unter den hohen Preisen zu leiden haben.

Finanztitel und Telcos ergänzen Rohstoffwerte

„Trotz der Volatilität der Rohstoffpreise gehen wir davon aus, dass Lateinamerika mittelfristig weiterhin von den hohen Durchschnittspreisen profitieren wird“, sagt Patrice Lemonnier, der in der Investmentabteilung der französischen Bank Crédit Agricole für Aktienfonds in Schwellenländern zuständig ist.

Der wirtschaftliche Aufschwung in der Region werde zudem von der stark steigenden Binnennachfrage gestützt. Der CAAM Funds Latin America Equities schneidet in unserem Ranking mit einer Rendite über drei Jahre von 157,26 Prozent am zweitbesten ab. Der Fonds hat zu mehr als 90 Prozent Aktien von brasilianischen und mexikanischen Unternehmen im Portfolio.

In der Aufteilung nach Branchen stellen die Grundstoffe mit knapp 30 Prozent den größten Anteil, gefolgt von Finanztiteln und Telekommunikationsunternehmen. Die hohe Gewichtung von Finanzaktien mit mehr als 20 Prozent mag in einer Situation, in der fast überall auf der Welt Banktitel unter Druck geraten sind, überraschen.

Doch stehen die lateinamerikanischen Banken im Moment auch weitaus besser da als ihre Wettbewerber in anderen Weltregionen: „Die Banken in Lateinamerika sind von der Subprime-Krise überhaupt nicht betroffen“, sagt Lemonnier. „Sie sind gut kapitalisiert, und ihre Verschuldungsquoten sind im Vergleich zu denjenigen europäischer oder amerikanischer Banken äußerst gering“, sagt der Fondsmanager. Auch in Zukunft werde die Finanzindustrie von der starken Kreditnachfrage der privaten Haushalte profitieren.

In der Mitte: BRIC

Direkt auf der Demarkationslinie unserer Rangliste liegen die „BRIC“-Fonds, deren Länderauswahl Brasilien, Russland, Indien und China umfasst. Während die beiden zuerst genannten Aktienmärkte eher auf der Gewinnerseite stehen, fallen die beiden asiatischen Schwellenmärkte hingegen ab.

Kein Wunder also, dass von den BRIC-Aktienfonds diejenigen am erfolgreichsten sind, die besonders viele russische und brasilianische Titel im Portfolio haben. „Wir haben schon seit einigen Monaten ein Übergewicht in Brasilien, und dort vor allem in Rohstoffwerten“, sagt Thomas Gerhardt, der für den globalen Schwellenländerfonds DWS Ínvest Plus LC verantwortlich ist. Mit weiteren Investitionen in chinesische und indische Titel wolle er zunächst einmal warten.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

 
Überblick Wertentwicklung
Anlage-
schwerpunkt
Fond-
anzahl
Mon. Performance
Top %Flop %
Aktien 3.015 +12,70 -10,44
Andere 5.444 +6,46 -2,91
Derivative 50 +0,06 -1,66
Geldmarkt-/nahe 227 +5,69 -3,24
Gemischte 244 +13,19 -0,51
Renten 1.333 +7,81 -1,72
Quelle: Morningstar
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