Aktienmarkt-Analyse

„Asiatische Aktien weltweit am stärksten untergewichtet“

26. Juni 2009 Die asiatischen Börsen haben in diesem Jahr deutlich bisher besser abgeschnitten als der MSCI Weltindex. Und das ist kein Einzelfall, wie Henry Chan, Head of Asian Equities bei Baring Asset Management betont. Bis auf eine einzige negative Ausnahme im Jahr 2008 hatten die asiatischen Börsen seit 2001 im Jahresvergleich stets die Nase vorne.

„Das ist der Lohn für das größere Wachstum der asiatischen Volkswirtschaften sowie die relativ gesunden Bilanzstrukturen der asiatischen Unternehmen“, erklärt Chan. So könnten viele Ländern anders als noch in den Zeiten der Asienkrise mit Überschüssen in der Leistungsbilanz statt mit Defiziten sowie mit hohen Devisenreserven aufwarten.

Auch in der aktuellen Krise präsentierten sich die lokalen Volkswirtschaften relativ robust. Dazu trage viel das im vergangenen Jahrzehnt viel solider gewordene und weniger schwankungsanfällige Wachstum in China bei. Das habe sich ebenfalls stabilisierend auf die ganze Region ausgewirkt. Die erfreuliche konjunkturelle Entwicklung basiere zudem unter anderem auf dem im vergangenen Jahrzehnt betriebenen Schuldenabbau auf Unternehmensebene und bei den Verbrauchern und den deutlich verbesserten Bilanzstrukturen.

Bewertungen nach der Rally nicht mehr günstig

Positiv hervorzuheben sei dabei, dass es den asiatischen Unternehmen zuletzt gelungen sei, ihre Eigenkapitalrenditen zu steigern. „Das ist eine sehr beachtliche Leistung, zumal das nicht über die Aufnahme höherer Schulden erkauft wurde, sondern vielmehr in einem Umfeld steigender Energiekosten“, lobt Chan.

Allerdings gibt er auch zu bedenken, dass die Bewertungen nach der in diesem Jahr erzielten Rally nicht mehr ausgebombt seien. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf Basis der erwarteten Unternehmensgewinne sei im Schnitt auf 13 bis 14 zu taxieren. „Das ist nicht mehr wirklich günstig, aber auch noch nicht übertrieben“, lautet Chans Fazit.

Mit getragen worden sei der Kursaufschwung von einer abnehmenden Dynamik bei den Gewinnrevisionen nach unten. Vielmehr machten sich die Marktteilnehmer jetzt schon wieder Hoffnung auf mittelfristig wieder steigende Ergebnisse. In den nächsten Quartalen kommt es deshalb jetzt nach Einschätzung von Chan auf die Gewinnentwicklung an. Denn nur über steigende Gewinne könnten die verteilten Vorschußlorbeeren gerechtfertigt werden.

Asien dürfte weiter schneller wachsen als der Rest der Welt

Zuletzt hätten außerdem vor allem die Liquidität und die Risikobereitschaft das Kursgeschehen bestimmt. Doch jetzt komme es vermutlich wieder mehr auf die Wachstumsaussichten und die tatsächliche Gewinnentwicklung an. Die Experten bei Barings rechnen dabei allerdings zunächst nicht mit einer breit gefächerten konjunkturellen Erholung der Weltwirtschaft. Aber einzelne Länder und Sektoren dürften ganz gut laufen. Zuversichtlich sei man insbesondere für Asien. Speziell China stehe ganz gut da, weil es über viel Spielraum verfüge, um die Konjunktur anzukurbeln.

Für die asiatischen Aktienmärkte spreche zudem die Einschätzung, dass sie noch immer nicht ausreichend in den internationalen Portfolios vertreten seien. Während Asien 50,1 Prozent der Weltbevölkerung stelle und für 26,5 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts verantwortlich zeige, fließe Asien derzeit nur mit einem Anteil von 20,2 Prozent in die Marktkapitalisierung des MSCI Weltindex ein. „Damit sind Asiatische Aktien weltweit am stärksten untergewichtet“, konstatiert Chan.

Für die beiden auf die Region ausgerichteten hauseigenen Aktienfonds Asia Pacific Fund und Greater China Fund ist man deshalb grundsätzlich zuversichtlich gestimmt. Auf Länderebene besteht dabei laut Chan derzeit eine Übergewichtung in China (Konzentration auf inländische Konsumaktien) und Taiwan (Rückkehr der Liquidität) sowie in Singapur und Indonesien. Auf Sektorbasis werden Finanzwerte und Energietitel favorisiert sowie schnell wachsende Technologieunternehmen. Außerdem setzt man auf Gesellschaften wie jene aus dem Immobiliensektor, die von den Infrastrukturmaßnahmen und staatlichen Ausgabeprogrammen profitieren.

Text: @JüB
Bildmaterial: Barings

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