Von Steffen Uttich
23. April 2008 Mit den klassischen Anlageformen Aktien und Anleihen ist derzeit kaum etwas zu gewinnen. Seit Jahresbeginn hat die Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten ein Ausmaß angenommen, das durch die Kursgewinne von sicheren Staatsanleihen nicht einmal ansatzweise ausgeglichen werden kann.
In der Wertentwicklung von Mischfonds hinterlässt das Geschehen deshalb immer tiefere Spuren. So gibt es inzwischen in unserer Rangliste mit Mischfonds, die in den vergangenen drei Jahren eine überdurchschnittliche Wertentwicklung bei gleichzeitig unterdurchschnittlicher Schwankungsanfälligkeit des Anteilspreises vorweisen konnten, keinen einzigen mehr, der über den kurzfristigen Zeitraum von sechs Monaten einen Wertzuwachs vorweist.
Mischfonds leiden unter Restriktionen
Diese Negativbilanz ist nicht etwa auf das etwaige Unvermögen der Fondsmanager zurückzuführen. Viele der in der Rangliste enthaltenen Fonds wie der Unirak oder der Merrill Lynch Global Allocation haben gestandene Portfoliokonstrukteure an der Spitze, die in der Vergangenheit ein ausgezeichnetes Gespür für die Kapitalmärkte bewiesen haben.
Worunter Mischfonds derzeit vor allem leiden, ist ihre weitgehende Begrenzung auf Aktien und Anleihen (Verlustvermeidung ist für Mischfonds fast unmöglich). Zwar haben die Fondsmanager in schwierigen Börsenzeiten auch die Möglichkeit, durch hohe Bargeldpositionen die Verluste zu dämpfen. Allerdings ist ein Tagesgeldkonto immer noch der bessere Bargeldparkplatz für Anleger als ein Mischfonds, der Gebühren für seine Arbeit verlangt.
Seit vier Jahren gibt es Super-Fonds
Möglicherweise schlägt nun die Stunde der sogenannten Super-Fonds. Seit vier Jahren gibt es mittlerweile diese Fondsklasse in Deutschland. Allerdings führte sie bislang nur ein Schattendasein. Super-Fonds, die in der Branche auch unter der sperrigeren Bezeichnung Super-Ogaw bekannt sind, genießen im Vergleich zu den etablierten Mischfonds einen wesentlich größeren Aktionsradius.
Neben Aktien und Anleihen steht ihnen noch das ganze Spektrum an Derivaten und Rohstoffen offen. Sie dürfen auch wie ein Dachfonds Fondsanteile kaufen, was beispielsweise die Aufnahme von Immobilienfonds und Hedge-Fonds in das Portfolio möglich macht.
Neues Niveau in der Vermögensverwaltung
Die standardisierte Vermögensverwaltung innerhalb eines Fonds wird damit auf ein neues Niveau gehoben. Doch soviel Freiheit muss wohl ein Fondsmanagement erst einmal verkraften. In den vergangenen drei Jahren hielt sich jedenfalls die Auflegung solcher Anlageprodukte in engen Grenzen.
Nicht zuletzt die Vorbereitung auf die vor der Tür stehende Abgeltungsteuer sorgt inzwischen jedoch dafür, dass sich immer mehr Fondsanbieter dem Thema Super-Fonds widmen. Fondssparer genießen beim Anteilskauf vor 2009 Bestandsschutz - das heißt, der mögliche Gewinn des Fonds kann nach einem Jahr Mindesthaltedauer auch nach 2009 steuerfrei vereinnahmt werden, während beim Kauf vom nächsten Jahr an 25 Prozent des Gewinnes als Steuer abzuführen sind. Gewinne nach Umschichtungen auf Fondsebene bleiben weiterhin steuerfrei.
DWS ist mit vier Super-Fonds dabei
Der größte deutsche Publikumsfondsanbieter DWS Investments ist seit Jahresbeginn mit vier Super-Fonds unter dem Sammelbegriff DWS Vermögensmandate am Start. Diese unterscheiden sich durch ihr Risikoprofil (Defensiv, Balance, Dynamik) beziehungsweise eine Garantiekomponente (Protekt 80), sind mit jährlichen Kosten zwischen 1,45 und 1,85 Prozent bei einem Ausgabeaufschlag von 3 bis 5 Prozent aber relativ teuer.
Im Portfolio stellen derzeit Anteile an anderen Fonds jeweils die größte Position dar. Allerdings konnten sich auch die Super-Fonds dem jüngsten Kursrutsch von Aktien nicht vollständig entziehen. Der DWS Vermögensmandat-Defensiv weist für die ersten drei Monate dieses Jahres ein Minus von 1,7 Prozent, die Balance-Variante ein Minus von 4,3 Prozent und die Dynamik-Variante ein Minus von 5,6 Prozent aus.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.