Strategie

Oft steht die Panik am Ende des Ausverkaufs

08. Oktober 2008 „Mit fallenden Kursen an den Börsen geht die Stimmung unter den Anlegern in den Keller. Was bisher allerdings noch fehlt, das ist richtige Panik,“ erklärte ein Aktienmarktstratege von S&P noch vor wenigen Tagen.

Nun scheint auch diese Kriterium erfüllt zu sein. Denn nach den Bankenpleiten der vergangenen Monate, der scheinbar hilflosen Stützungs- und Rettungsversuche der verschiedenen Regierungen weltweit und vor allem auch nach den massiven Kursverlusten an der Wall Street, in Asien, den Schwellenländern und in Europa scheinen die Anleger völlig verwirrt zu sein und nicht mehr zu wissen, was sie tun sollen.

Starke Nachfrage nach Goldmünzen und -barren

Das zeigt sich in Form von Meldungen, die Nachfrage nach Goldmünzen und -barren sei zu groß, als dass sie in angemessener Zeit erfüllt werden könne. Dem stehen allerdings fundierte Einschätzungen gegenüber, die solche Behauptungen relativieren: Die Nachfrage nach Goldbarren durch die Privatkunden halte weiter an, die zuletzt angespannte Situation bezüglich der Lieferzeiten habe sich aber deutlich verbessert. Bei vielen Barren betrage die Wartezeit inzwischen nur noch maximal eine Woche, heißt es beispielsweise von Seiten der Edelmetallschmelze Heraeus.

Gold mag zwar in Krisenzeiten eine alternative Währung sein, da sie praktisch „unzerstörbar“ ist. Wirklich attraktiv wäre sie allerdings nur im Extremfall. Und genau dann stellte sich die Frage, ob sich damit überhaupt noch etwas kaufen ließe. Ansonsten bietet das edle Metall wenig Reize: Es wirft keine Erträge ab, verursacht hohe Lagerkosten und die Preisentwicklung ist äußerst volatil. Gerade der Erwerb von Münzen ist sehr teuer, da die Verkäufer ähnlich hohen Margen auf den Materialwert aufschlagen, wie das im inzwischen verrufenen Zertifikatemarkt der Fall war und ist.

Zum Börsenkurs

Die Panik lässt sich in den Finanzmärkten deutlich an der Nervosität der Anleger ablesen. Klassische Indikatoren dafür sind der Vix-Index, wie er vom Chicago Board Options Exchange berechnet wird, oder auch der VDax New der Deutschen Börse. Der Vix-Index erreichte noch am Montag mit einem Spitzenwert von 58,24 Prozent im Tagesverlauf den höchsten Wert seit dessen Einführung im Jahr 1993. Auch der VDax ist in den vergangenen Monaten im Trend deutlich nach oben gelaufen, hat allerdings noch keine Rekordwerte erreicht.

Volatilitätsindizes und Branchenbewegungen sind extrem

An der Wall Street entwickelten sich in den vergangenen Monaten eine extreme Anzahl von Branchenindizes negativ. Diese Konstellation wies zumindest in der Vergangenheit traditionellerweise auf eine nahe bevorstehende Erholung der Aktienkurse hin. Der Vergleich des Vix mit dem S&P 500 zeigt, dass es nach den Extremwerten in der Volatilität noch einige Wochen dauerte, bis die Börsen ihren Boden ausbilden konnten. Aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist da.

In diesem Sinne dürften sich mutige Anleger in den kommenden Monaten zumindest bei einer Beruhigung der Situation überlegen, nach und nach an die Börsen zurückzukehren. Clevere kaufen solide Werte, wenn die Welt unterzugehen scheint. Dagegen verkaufen sie, wenn die Kurse in der Wahrnehmung der Allgemeinheit nur noch nach oben laufen können.

Im Gegensatz zu früheren Erholungsphasen ist diesmal die volkswirtschaftliche Lage allerdings verworrener. Das zeigt sich alleine schon daran, dass die vorlaufenden Indikatoren beinahe weltweit schwach ausfallen. Konkret geht die Nachfrage nach Produkten zurück. Das lässt sich überdeutlich daran ablesen, dass immer mehr Automobilfirmen Werke stilllegen, um nicht auf Halde produzieren zu müssen.

Solche Schritte haben Folgewirkungen bei den Angestellten, die gleichzeitig auch geschwächte Verbraucher sind, und bei den Zulieferern. Am Ende ihrer Kette stehen die Energie- und Rohstoffproduzenten. Aus diesem Grund deutet vieles auf eine wirtschaftliche Kontraktion beinahe weltweit hin. In diesem Umfeld dürften die Unternehmensgewinne stärker fallen können, als vielfach erwartet.

Aus diesem Grund scheint beim selektiven Kauf von Aktien auch keine Eile geboten zu sein, selbst wenn kurzfristig jederzeit eine technische Erholung möglich sein dürfte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET

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