Strategie

Kapitalanlage in Zeiten erhöhter Inflation

Produkte von Procter & Gamble - beinahe unverzichtbar

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06. Juni 2008 Nach Jahrzehnten taucht die Inflation wieder aus der Versenkung auf. Verbraucher ächzen bereits unter den Preissteigerungen, Unternehmensgewinne geraten unter Druck, und wenn Anleger nicht aufpassen, stehen ihnen schrumpfende Erträge ins Haus.

Es ist zwar noch nicht ausgemacht, dass die höhere Teuerungsrate zum dauerhaften Trend wird, nicht zu übersehen ist jedoch, dass die Preise vieler Basisgüter - insbesondere Benzin und Lebensmittel - in die Höhe schießen. Hat sich die Inflation erst einmal verfestigt, dann lässt sie sich nur schwer wieder austreiben, was Volkswirten, Anlegern und Notenbankern weltweit Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Es gibt zwar Anlagestrategien, mit denen man Portfolios vor der Inflation schützen kann (einige hiervon sind nachfolgend genannt), doch nur wenige Investoren können sich den negativen Auswirkungen der Inflation auf Wirtschaft und Finanzmärkte vollständig entziehen.

„Inflation ist ein tückisches Biest“

Richard W. Fisher, Präsident der Fed von Dallas, gab in einer Rede am 28. Mai einen Eindruck vom Ausmaß der Inflationssorgen der Fed: „Inflation ist ein tückisches Biest, das nach Ausbruch aus seinem Käfig an den Ersparnissen zehrt, die Kaufkraft der Verbraucher reduziert, die Kapitalrendite schmälert, die Zuverlässigkeit der Rechnungslegung unterminiert, das Beschäftigungswachstum und die Reallöhne unterhöhlt, die Aufmerksamkeit der Unternehmensführung ablenkt und am Wert der Währung nagt.“

Und das sind noch nicht alle mit der Inflation einhergehenden Probleme. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation - Zinsanhebungen - können indes noch problematischer sein. Höhere Kosten der Kreditaufnahme könnten den stotternden Konjunkturmotor nicht nur abwürgen, sondern auch die amerikanische Häusermarktkrise verschlimmern.

Anleger können zwar Maßnahmen ergreifen, um sich auf eine Inflation vorzubereiten, doch nur wenige davon sind geeignet, um den Auswirkungen der Inflation sicher entgegenzuwirken. Das gibt Anlass zur Besorgnis, denn die Anzeichen der Inflation sind mittlerweile allgegenwärtig.

Am 1. Juni erhöhte Dow Chemical die Preise seiner Produkte um bis zu 20 Prozent, nachdem die Kosten für Energie und Ausgangsrohstoffe nach Angaben von Führungskräften des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent gestiegen waren.

Der amerikanische Verbraucherpreisindex, ein Maßstab für die Preisentwicklung der Lebenshaltungskosten privater Haushalte, stieg im April gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent, wobei Energiekosten um 15,9 Prozent und Lebensmittel um 5,1 Prozent anstiegen. Die Fed revidierte ihre Inflationserwartungen für 2008 unlängst nach oben. Die Notenbank geht nun von einer Teuerung zwischen 3,1 und 3,4 Prozent aus, was einer Anhebung um einen vollen Prozentpunkt gegenüber dem Stand zu Jahresbeginn entspricht. In den von Reuters und der Universität von Michigan durchgeführten Umfragen zum Verbrauchervertrauen gaben die befragten Amerikaner im Mai an, dass sie mit dem höchsten Preisauftrieb seit mehr als zwei Jahrzehnten rechneten.

Und nicht nur in den Vereinigten Staaten macht sich Sorge breit. Die Währungshüter der EZB sahen aufgrund von Inflationsbefürchtungen zuletzt keinerlei Spielraum für Zinssenkungen, und auch in vielen Schwellenländern sind Kostensteigerungen auszumachen.

Zu Beginn dieses Jahres schien sich die amerikanische Wirtschaft abzuschwächen, eine Entwicklung, von der viele annahmen, dass sie dämpfend auf dieInflation einwirken würde, sagt John Merrill, leitender Aktienstratege bei Tanglewood Capital Management. „Doch stattdessen scheint die Inflation sogar anzusteigen“, so Merrill.

Preisauftrieb als Folge starker Nachfrage

„Die Weltwirtschaft ist weiterhin sehr robust“, was eine starke Nachfrage nach Rohstoffen mit sich bringt, so Susan Perkins, Geschäftsführerin von Provident Investment Counsel. Hierdurch wurden die Preise für Energie und andere Rohstoffe auf Rekordniveaus getrieben. Der Benzinpreis für eine Gallone (3,79 Liter) beträgt im amerikaweiten Durchschnitt vier Dollar, während der Ölpreis pro Fass gegen Ende Mai auf rekordhohe 135 Dollar vorstieß, ehe er den Rückzug antrat.

Trotz der Sorgen scheinen nicht alle von einer zukünftig hohen Inflation auszugehen. Die Rendite zweijähriger amerikanischer Staatsanleihen befindet sich nach wie vor auf niedrigen 2,5 Prozent, was nahe legt, dass Anleihehändler keinen kräftigen Inflationsanstieg erwarten.

Was könnte die Inflation bremsen? Zum einen eine schwache Wirtschaft mit geringerer Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen. Brian Gendreau von ING Investment Management weist außerdem darauf hin, dass die Gesamtkosten der Unternehmen bis zu 75 Prozent aus Arbeitskosten bestehen, und dass Löhne nach einigen Kennzahlen de facto rückläufig sind.

Für Anleger wäre eine zunehmende Inflation ein Dilemma. Die Renditen von Staatsanleihen dürften gemeinsam mit der Inflationsrate ansteigen, während der Wert von Anleihen im Portfolio sinken könnte. Darüber hinaus verlieren Bargeldbestände an Kaufkraft.

Wie können sich Anleger also auf eine möglicherweise länger andauernde erhöhte Inflation vorbereiten? Eine einfache Option ist die Anlage in Anleihen mit Inflationsschutz, deren Rendite an den Verbraucherpreisindex gekoppelt ist. Die Renditen dieser Anleihen sind bislang allerdings gering. Finanzberater Kipley Lytel von Montecito Capital Management warnt allerdings davor, dass diese inflationsindexierten Wertpapiere für einige Anleger mit steuerliche Nachteilen verbunden sind und dass sie auf einer Inflationsanpassung beruhen, die nach seiner Ansicht zu gering ausfällt.

Auf der Suche nach sicheren Häfen

„Güter kaufen und sich verschulden“ sei laut William Rutherford von Rutherford Investment Management das „klassische Rezept“ für inflationäre Zeiten. Da die Inflation die Preise dieser Güter - etwa Immobilien und Rohstoffe - nach oben treibt, fällt die Rückzahlung der ursprünglichen Schuldsumme erheblich leichter. Diese Strategie kann jedoch ins Auge gehen. Rohstoffpreise sind volatil und können sich zu einer „Blase“ entwickeln, so Rutherford. Außerdem sind Immobilien in den Vereinigten Staaten mittlerweile die einzigen Güter mit sinkendem Preisniveau. Nicht zu vergessen ist ferner, dass die wahrscheinlichen Inflationsbekämpfungsmaßnahmen der Währungshüter - Zinserhöhungen - die Refinanzierung hoher Schulden erschweren würde.

Experten haben mehrere Ratschläge für Anleger parat, die ihre Portfolios vor Inflation schützen möchten.

Susan Perkins rät zur „Suche nach Unternehmen mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen.“ Die Nachfrage nach ihren Produkten sollte so stark sein, dass höhere Rohstoffkosten problemlos an die Verbraucher übergewälzt werden können. Sie empfiehlt Unternehmen mit innovativen Produkten wie Apple und den Chirurgieroboter-Hersteller Intuitive Surgical.

Rutherford wendet ähnliche Kriterien an; er sucht nach Unternehmen mit „Preissetzungsmacht“ in inflationären Zeiten, etwa das bereits im Zusammenhang mit seinen kräftigen Preissteigerungen erwähnte Chemieunternehmen Dow Chemical. Weitere Beispiele sind Lebensmittelhersteller wie Procter & Gamble, Kellogg und General Mills. „Essen müssen wir schließlich alle“, konstatiert Rutherford.

Kleine Nebenwerte profitieren

Aktien kleiner Kapitalgesellschaften würden von höherer Inflation profitieren, sagt Doug Roberts von Channel Capital Research. In Zeiten negativer Realzinsen, in denen die Zinssätze - wie im Moment - unter der Preissteigerungsrate liegen, schneiden kleinere Unternehmen besser ab.

Lytel investiert einen kleinen Teil der Portfolios seiner Kunden direkt in eine der Hauptursachen der Inflation: Rohstoffe. Hierbei greift er auf börsengehandelte Fonds (ETFs) wie den PowerShares DB Commodity Index Tracking Fund oder den Vanguard Energy Fund zurück. Rurtherford warnt jedoch vor ETFs, die sich zu stark auf volatile Rohstoffe wie Öl und Gold konzentrieren. Bei der Investition in Rohstoffe rät er stattdessen zur Anlage in große und breit aufgestellte Bergbaugesellschaften wie BHP Billiton oder Rio Tinto.

Je nach Art der Anlage können Investoren die negativen Auswirkungen der Inflation auf ihre Portfolios mehr oder weniger stark begrenzen. Die Verbraucher, die für Benzin und Lebensmittel tiefer in die Tasche greifen müssen, haben dagegen weniger Alternativen. Amerikaner „in der unteren Hälfte des Wirtschaftsspektrums“ trifft es am härtesten, so Merrill. „Es scheint, als kämen diese Menschen nie zur Ruhe.“ Aus diesem Grund empfiehlt Merrill, einen Bogen um Einzelhandelsaktien zu machen. „Der Einzelhandel hat in den Vereinigten Staaten wirklich hart zu kämpfen“, so Merrill.

Für alle Menschen - aber auch für Unternehmen - in schlechter finanzieller Verfassung dürfte sich die Inflation als Geißel erweisen. „Für Menschen und Unternehmen an den Rändern werden härtere Zeiten anbrechen“, so Rutherford.

Das Problem der Ungewissheit

Eines der größten mit Inflation einhergehenden Probleme ist die Ungewissheit. Roberts zufolge haben die Rohstoffmärkte eine „Hyperinflation“ eingepreist, während an den Rentenmärkten nicht oder nur mit geringer Inflation gerechnet wird. „Einer von beiden muss nachgeben“, so Roberts. Aber welcher? „Das wissen wir erst im Nachhinein“ sagt Perkins.

Anleger sind erfolgreich, indem sie zukünftige Entwicklungen korrekt antizipieren. Die Inflation macht es jedoch deutlich schwerer, die künftige Richtung der Wirtschaft und der Märkte richtig einzuschätzen. Im besten Fall verhält sich die Inflation wie ein ungeladener - aber weitgehend harmloser - Partygast, der die anderen Gäste belästigt, aber nicht außer Kontrolle gerät und zum „Party Crasher“ wird.

Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.



Text: BusinessWeek
Bildmaterial: AFP, FAZ.NET

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