15. Mai 2008 Fast 80 Prozent der Beschäftigten im Mittelstand verlassen sich nicht allein auf die gesetzliche Rente, sondern zahlen zudem in eine private oder betriebliche Altersvorsorge ein. Das am häufigsten gewählte Finanzprodukt ist dabei mit knapp 30 Prozent die durch staatliche Zuschüsse geförderte private Riester-Rente, dicht gefolgt von der Betriebsrente in Form der Entgeltumwandlung. Etwa jeder Fünfte verfügt dagegen über keine zusätzliche Vorsorge für das Alter. Dies hat eine repräsentative Umfrage des F.A.Z.-Instituts im Auftrag des Finanzdienstleisters Delta Lloyd ergeben, für die 1000 Beschäftigte in Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern befragt wurden.
Die Befragung ergab, dass die Beiträge für die Betriebsrenten in der Mehrzahl von den Mitarbeitern selbst getragen werden müssen. Im Rahmen der Entgeltumwandlung etwa können Arbeitnehmer einen Teil ihres Bruttogehalts direkt anlegen. Steuern und Sozialabgaben auf diese Beträge sowie die erwirtschafteten Zinsen werden erst mit der Auszahlung fällig. Dieser nachgelagerten Besteuerung liegt die Annahme zugrunde, dass die meisten Leute im Ruhestand ein geringeres Einkommen haben als während ihrer aktiven beruflichen Phase und sie somit im Alter auch weniger Abgaben zahlen müssen.
Die Betriebsrente steht und fällt mit dem Chef
Knapp 17 Prozent der Befragten kommen dagegen in den Genuss einer ausschließlich vom Arbeitgeber finanzierten Betriebsrente. Insgesamt gaben gut 47 Prozent an, über eine betriebliche Altersvorsorge zu verfügen. Dies ist nur ein Prozentpunkt mehr als bei einer Vergleichsumfrage im Jahr 2003.
Die betroffenen Arbeitnehmer wurden auch gefragt, warum sie bislang keine Betriebsrente abgeschlossen haben. Die meisten Leute antworteten, dass ihnen dazu das Geld fehle. Dieser Grund tauchte in der vorangegangenen Befragung noch auf Platz vier auf. Eine weitere große Gruppe war der Meinung, dass ihre bisherige Altersvorsorge ausreichend sei. Erst an Position vier kommt die Frage nach der Rendite. Vor fünf Jahren war die Leistungshöhe während der Auszahlungsphase noch der zweitwichtigste Grund. Dieses Ergebnis hat uns selbst überrascht, sagte Christof Göldi, der Vorstandsvorsitzende von Delta Lloyd, während der Vorstellung der Studie am Mittwoch in Frankfurt.
Für den Abschluss einer betrieblichen Altersvorsorge sei entscheidend, dass der Arbeitgeber ein attraktives Angebot unterbreite und dies den Beschäftigten aktiv anbiete. Die Betriebsrente steht und fällt mit dem Chef, sagte Göldi. Angesichts zahlreicher staatlich geförderter Produkte - künftig soll nach den Plänen der Regierung auch die Mitarbeiterbeteiligung dazugehören - bestehe allerdings die Gefahr der Kannibalisierung. Allein für die betriebliche Altersvorsorge gibt es fünf Durchführungswege. Für Beschäftigte ist es schwer, den Überblick zu behalten, gab Göldi zu.
Text: svs. / F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
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