Anlage-Strategie

Die Baisse lässt den Anleger kaum Zufluchtsorte

07. November 2008 Eine ausreichende Diversifikation im Portfolio gilt unter Börsenprofis als eine der wichtigsten Anlageregeln. Das Einhalten dieser Regel ist laut dem Lehrbuch unabdingbar für einen langfristigen Anlageerfolg, reduziert die Risiken und hilft dabei, Krisen besser zu überstehen.

Soweit die Theorie. Aber dieses Mal war in der Praxis alles anders. Die Kreditkrise und die damit verbundenen Rezessions- oder besser gesagt Depressionsängste sowie die Kreditklemme haben letztlich nichts und niemanden verschont. Vielmehr sind in diesem Jahr fast weltweit die Aktienmärkte drastisch gefallen (siehe Grafik).

Korrelationen haben sich generell erhöht

Inmitten der Baisse sind die bereits relativ hohen Korrelationen zwischen den Börsen noch weiter gestiegen und auf dem Weg nach unten haben sich die Kursausschläge der Kurse mehr und mehr aneinander angeglichen (siehe Grafik). So bewegt sich der MSCI EAFE Index, ein Kursbarometer für Aktienindizes auf entwickelten Ländern mittlerweile fast im Gleichschritt mit dem S&P 500 Index. Inzwischen gehen die Kursausschläge in 89 Prozent der Fälle in die gleiche Richtung, während es am 31. August noch 80 Prozent waren. Gleichzeitig ist die Korrelation des S&P 500 Index mit dem MSCI Emerging Markets Index in zwei Monaten von 68 auf 81 Prozent gestiegen (siehe Grafik).

Noch stärker ist das Tempo der Anpassung beim MSCI Frontier Market Index abgelaufen. Hier ist die Korrelation seit Ende August von neun auf 63 Prozent nach oben geschossen. Dabei war der MSCI Frontier Market Index zuvor oft in der Lage, sich unbeirrt vom Geschehen an den großen Weltbörsen zu entwickeln. Doch das ist jetzt meistens nicht mehr der Fall. Auch gering kapitalisierte Aktien sind keine Zufluchtsstätte mehr. Beim MSCI Global ex U.S. Small & MidCap Index hat sich die Korrelation jedenfalls von 74 auf 87 Prozent erhöht.

Gestiegene Korrelation wäre bei einem Kursaufschwung positiv

Entwicklungen wie diese machen es den Anlegern natürlich schwer, sich erfolgreich gegen die Kreditkrise zu stemmen. In dieser herausfordernden Konstellation hat Alec Young, Internationaler Aktienstratege beim Finanzdienstleister Standard & Poor´s immerhin einen kleinen Hoffnungsschimmer parat. Intern geht man nämlich davon aus, dass die unterdurchschnittlichen Bewertungsrelationen im Zusammenspiel mit attraktiven Dividendenrenditen und Anzeichen für eine Entspannung an den Kreditmärkten jüngst dabei geholfen haben, die Aktienmärkte etwas zu stabilisieren.

Zwar bleibe noch abzuwarten, wie tief und wie lange die durch die Kreditkrise ausgelöste konjunkturelle Schwäche ausfallen wird, aber durch die bereits eingetretenen Kursverluste seien bereits erhebliche Gewinnrevisionen eskomptiert. Und dies könne dabei helfen, die Volatilität im Zaum zu halten. Als Silberstreif am Horizont werten es Young auch, dass die gestiegene Korrelation in Zeiten fallender Kurse zwar weh tut, im Falle einer Kurswende zum Besseren aber auch die Change auf einen regional breitgefächerten Kursaufschwung birgt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: S&P

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