Finanzmärkte

Exotenmärkte ziehen weiter nach oben

29. März 2007 Nach den überraschenden Rückschlägen und der zwischenzeitlich zugenommenen Volatilität an den bekannteren Börsen scheinen einige Anleger etwas vorsichtiger geworden zu sein. Der Blick richtet sich dabei vor allem auf die Schwäche am amerikanischen Immobilienmarkt und die möglichen Auswirkungen.

Skeptiker rechnen damit, dass sie sich im Rahmen eines negativen Multiplikatoreffektes zu einer ausgeprägten konjunkturellen Schwäche wenn nicht sogar zu einer Rezession auswachsen könnte. In diesem Falle wären die Folgen sehr wahrscheinlich weltweit zu spüren, sind doch die Gütermärkte global doch immer stärker verflochten.

Grundstimmung unter professionellen Anlegern bleibt positiv

Allerdings teilen nicht alle diese Skepsis. Das Subprime-Segment des amerikanischen Immobilienmarktes sei zu klein, um ernsthaften Schaden anrichten zu können. Und im Fall der Fälle könne habe die amerikanische Zentralbank wieder genügend „Zinsmunition“, um stabilisierend wirken zu können, erklärte zum Beispiel Mattia Nocera, Chief Investment Officer und Managing Director des Hedge-Fonds-Unternehmens Belgrave Capital Management in London im Gespräche mit FAZ.NET.

Er ist gut vernetzt und arbeitet mit erfolgreichen Hedge-Fondsmanagern zusammen. Sie scheinen im Moment vor allem auf Europa und auch auf Japan zu setzen. Beide Regionen entwickelten sich derzeit dynamisch genug, um sich von einer amerikanischen Wachstumsschwäche nicht nach unten ziehen zu lassen, heißt es. Eine Rezession und externe Schocks werden bei solchen Szenarien natürlich ausgenommen.

Allgemein rechnen diese Fondsmanager auch aufgrund der weiterhin im Überfluss vorhandenen Liquidität mit einem positiven Umfeld für Aktien. In den Schwellenländern würden steigende Kurse und zunehmend auch die Bewertungen ausgeglichen durch deutlich steigende Gewinne. Aus diesem Grund seien auch diese noch nicht ausgereizt. Allerdings seien sie besonders anfällig im Falle einer größeren Korrektur.

Blickt man auf die Performance der internationalen Indizes seit Jahresbeginn, so scheinen manche Anleger unbeirrt von allen nur denkbaren Sorgen und Ängsten voll auf Risiko zu setzen. Denn an der Spitze der Performanceliste steht der ukrainische PFTS Index mit einem Plus seit Jahresbeginn von 65,55 Prozent in Euro gerechnet. Dabei dürfte man die politische Situation in der Ukraine alles andere als stabil bezeichnen können.

Ukrainische Börse führt die Rangliste seit Jahresbeginn an

Das Wirtschaftswachstum von etwa sieben Prozent im vergangenen Jahr aufgrund des Stahlbooms und eines robusten Binnenkonsums kann sich sehen lassen. Auch das laufende Jahr dürfte sich vergleichsweise robust entwickeln. Auf dieser Basis dürfte sich der Börsenboom wenigstens zum Teil erklären lassen. Auf der anderen Seite gibt es Bedenken, was die längerfristigen Wachstumsperspektiven anbelangt. So bemüht sich das Land einerseits, die notwendigen Reformen und Gesetze für den Beitritt zur WTO umzusetzen. Auf der anderen Seite scheint die gegenwärtige Regierung dazu zu neigen, vor nicht allzu langer Zeit abgeschaffte Privilegien in Steuer-, Handels- und Zollbelangen wieder einzuführen und restriktive Getreideexportquoten aufrecht zu erhalten. Das wäre kontraproduktiv.

In diesem Sinne scheint man die Börse des Landes kritisch betrachten zu müssen, zumal die Werte im Index zum Teil schon sehr teuer sind. Die Aktie von Dniproenergo beispielsweise hat auf Sicht eines Jahres knapp 400 Prozent zugelegt. Die Kurs-Gewinnverhältnisse liegen jedoch inzwischen auf Basis der Gewinnschätzungen für das vergangene und das laufende Geschäftsjahr bei 119 und knapp 100. Das ist jenseits von Gut und Böse. Bei den Papieren von Centrenergo, Donbasenergo oder auch Zakhidenergo sieht es ähnlich aus. Dagegen sieht die Aktie des Stahlröhrenherstellers Interpipe Nizhnodniprovsky mit einem KGV von 16 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr und mit Blick auf deutlich steigende Umsätze schon vernünftig bewertet aus.

Fulminante Kursgewinne und einen dynamischen Aufwärtstrend gab es in den vergangenen Monaten auch an der serbischen, der vietnamesischen und auch an der chinesischen Börse. Aber auch hier dürften die Probleme bekannt sein. Über die serbischen Unternehmen gibt es - abgesehen von der undurchsichtigen politischen Lage - so gut wie keine verlässlichen Bewertungsinformationen. In Vietnam und auch in China sorgen sich die Regierungen über die hereinströmenden Gelder, spekulative Exzesse und die teilweise schon hohen Bewertungen. Die relative Intransparenz und Illiquidität der Märkte machen die Risiken für deutliche Kursrückschläge noch klarer.

In diesem Sinne mag es zwar aufgrund der vorherrschenden Trends reizvoll sein, in diese Märkte zu investieren. Immerhin bieten sich die positiven Transformationen der neuen EU-Staaten in Mitteleuropa als positive Vorbilder für optimistische Szenarien an. Allerdings war das Umfeld in den vergangenen Jahren auch besonders positiv. Ob es so bleiben wird und ob sich überall die „positiven Kräfte“ durchsetzen werden, wird sich noch zeigen müssen. Eine Differenzierung der Risiken dürfte ratsam sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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