Fondsprodukte

Windfonds machen windige Geschäfte mit riskanten Beteiligungen

Von Dyrk Scherff

04. Oktober 2004 Die Windenergiebranche kennt sich mit heftigen Böen und Sturm aus. Sie zwingen die Betreiber regelmäßig, ihre Räder kurzzeitig abzuschalten, um die Anlagen vor Schäden zu schützen. Doch seit einiger Zeit herrscht in der Branche Dauersturm - und der weht aus ganz anderer Richtung:

Viele Investments in geschlossene, nicht börsennotierte Windparkfonds werden die versprochenen Renditen nicht erzielen können. Die Kurse von Windenergieaktien sind daher sogar schon kräftig gefallen.

Plambeck eines der Negativ-Beispiele

Jüngstes Beispiel: Plambeck. In der abgelaufenen Woche meldete der Projektierer von Windparks einen Rekordverlust für das erste Halbjahr von 141,5 Millionen Euro - bei einem Börsenwert von nur rund 11 Millionen Euro. Der Kurs rauschte mehr als 30 Prozent in den Keller und notiert jetzt bei nur noch 80 Cent. Zu besten Zeiten gab es die Aktie einmal für mehr als 30 Euro.

Den Konkurrenten geht es auch nicht besser. Die Aktien von Nordex, Energiekontor, Windwelt oder P & T Technology haben alle kräftige Kursverluste zu verkraften. Umweltkontor meldete sogar im September Insolvenz an. Allein der Aktienkurs des größten Anbieters Repower notiert noch über zehn Euro, ist aber auch stark unter Druck geraten.

Die Boomjahre sind vorbei

Was ist passiert? "Die Boomjahre 1999 bis 2002 sind vorbei. Die Anleger sind jetzt deutlich weniger bereit, über geschlossene Fonds Geld für Windparks bereitzustellen", erklärt Martin Witt, Mitglied der Geschäftsführung bei der Fondsratinggesellschaft Scope. Er schätzt, daß die Anbieter in diesem Jahr nur Kapital in Höhe von einem Drittel, maximal der Hälfte des Niveaus von 2003 einsammeln können.

Die Ursachen: zwei schwache Windjahre in Folge, die etwa 20 Prozent weniger Einnahmen als erwartet brachten; die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Windenergie, die am Image kratzte und gerade umweltbewußte Fondsinvestoren verschreckte; sowie das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das vom Sommer dieses Jahres an die gesetzlich vorgeschriebene Vergütung für Strom aus Windenergie für einige Standorte im Binnenland deutlich senkte.

Nicht nur das. Mancher Anbieter hat auch einfach nicht seriös gerechnet. "Um attraktive Renditen von mehr als sieben Prozent ausweisen zu können, legten einige Fonds eine optimistische Windausbeute ohne Sicherheitspuffer für schlechte Jahre und zu niedrige Kosten zugrunde", kritisiert Peter Kastell, Geschäftsführender Gesellschafter des Analysehauses Fondsmedia.

Die Folgen bekommen nicht nur die geschlossenen Fonds zu spüren, die jetzt Geld einsammeln wollen (siehe Tabelle), sondern auch die börsennotierten Aktiengesellschaften, die meist als Projektierer von Windparks auftreten. Je weniger Geld die Fonds einsammeln, desto weniger Windparks können geplant und gebaut werden. Analysten, die die Windaktien beobachten, sind daher auch skeptisch.

Analysten zeigen sich skeptisch

Sie raten mehrheitlich, die Titel zu verkaufen oder zu halten. Nur Repower wurde in den vergangenen Monaten zum Kauf empfohlen. Stephan Wulf von der Bank Sal. Oppenheim rät zur Aktie, weil das Unternehmen auch Hersteller von Windanlagen ist und Fortschritte bei der internationalen Expansion macht. Die ist nötig, weil das Wachstum in Deutschland nicht ausreicht. Das treffe vor allem die Konkurrenten, die ausschließlich in der Projektierung arbeiten, weil die eher ein regionaler Markt sei.

Für die gesamte Branche ist er momentan eher zurückhaltend. Wegen der geringeren Nachfrage kämen die Preise unter Druck. Die Unternehmen hätten Schwierigkeiten, Fremdkapital zu bekommen, weil die Banken Kredite für diese Projekte viel restriktiver als früher vergäben. Und die Vision von Windparks im Meer (offshore), der Hoffnungsträger für die Zukunft, habe durch technische Probleme der größten Anlage in Dänemark einen empfindlichen Dämpfer bekommen.

Anleger müssen mit niedrigeren Renditen rechnen

Nicht nur die Besitzer von Windenergieaktien leiden derzeit, sondern auch die Anleger, die in geschlossenen Windfonds investiert haben. "Sie müssen wohl mit einer niedrigeren Rendite rechnen. Die prognostizierten durchschnittlich rund acht Prozent sind mittlerweile sehr optimistisch. Vor allem wegen der wohl höher als erwartet ausfallenden Kosten für die Wartung", sagt Witt. Die Umsatzeinbußen der beiden windschwachen Jahre könnten einige Anbieter durch Liquiditätsreserven ausgleichen, die Ausschüttungen müßten nicht unbedingt gesenkt werden.

Langfristig seien aber ein bis zwei Prozentpunkte weniger Rendite wahrscheinlich. Das gelte auch für neu aufgelegte Windfonds, auch wenn die vorsichtiger kalkulierten und mehr Rücklagen bildeten. Dennoch: Windfonds dürften im Durchschnitt unter die Renditen von Schiffs-, Medien- oder Immobilienfonds fallen.

Risiken relativ hoch

Die Experten halten solche Geldanlagen zwar für attraktiv, um Steuern zu sparen und eine etwas höhere Rendite als üblich zu erzielen. Doch die Risiken sind hoch. Für Windfonds gilt: Gute Standorte an Land sind rar geworden, die Offshore-Technik ist aber noch zu neu, um Kosten und Erträge gut vorhersagen zu können.

"Einen seriösen Anbieter zeichnet aus, daß er möglichst viele Informationen preisgibt. Dazu gehören Zahlen, wie er früher in schlechten Marktphasen gewirtschaftet hat", sagt Fondsmedia-Chef Kastell. Zudem könne ein hoher Finanzierungsanteil der Banken von 60 bis 70 Prozent ein Qualitätsbeweis sein.

Wichtig ist aber vor allem: Langjährige, mit Leistungsbilanz belegte Erfahrung des Anbieters, ein Sicherheitsabschlag bei den Prognosen von am besten sieben bis zehn Prozent, zwei unabhängige Gutachten über den zu erwartenden Windertrag sowie vorliegende Genehmigungen und rechtskräftige Verträge. Und ein Schuß Optimismus, daß es stürmisch bleibt.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.10.2004, Nr. 40 / Seite 55
Bildmaterial: F.A.Z.

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