Fondsbericht

Verluste mit Aktien zehren am Nimbus der Mischfonds

20. Februar 2008 Klassischen Mischfonds fällt es seit dem vergangenen Sommer immer schwerer, ihren Anspruch auf einen stabilen Ertrag zu erfüllen. Der Kursrutsch auf der Aktienseite kann nur ansatzweise durch kräftige Umschichtungen in sichere Staatsanleihen oder Bargeld abgemildert werden. Zumal die Anleihekurse auch erst seit einigen Wochen wieder spürbare Zuwächse verzeichnen.

In diesem Marktumfeld sind die Gewinner aus den guten Börsenzeiten in die Defensive geraten. Zwar halten sich einstige Leistungsträger wie der Unirak von Union Investment weiter in der Spitzengruppe unserer Rangliste mit Mischfonds, die sich über die vergangenen drei Jahre durch einen überdurchschnittlichen Wertzuwachs bei einer unterdurchschnittlichen Schwankungsanfälligkeit des Anteilspreises ausgezeichnet haben.

Erfolge der Vergangenheit verblassen rasch

Wie rasch die Erfolge der Vergangenheit aber verblassen, macht eine kurzfristige Betrachtung deutlich. Während sich Anleger, die vor drei Jahren in den Union-Vorzeigefonds einstiegen, immer noch über einen Wertzuwachs von 25 Prozent freuen können, verzeichnen die Späteinsteiger über die vergangenen zwölf Monate einen Verlust von knapp 7 Prozent.

Ein Dauergast in unserer Rangliste, der sich dagegen vergleichsweise gut geschlagen hat, ist der F&C HVB Stiftungsfonds. Christopher Childs, der die Portfoliozusammensetzung verantwortet, nennt seinen Fonds selbst "im Grunde langweilig". Das Anlagekonzept ist auf die Erwirtschaftung eines regelmäßigen, stabilen und planbaren Ertrages bei langfristigem Kapitalerhalt und beschränktem Risiko ausgerichtet. Allerdings weist der Fonds eine Besonderheit auf, die auf viele Fondssparer anziehend wirkt: Die jährliche, am 15. Januar erfolgende Ausschüttung wird 13 Monate zuvor in absoluter Höhe festgelegt und orientiert sich am Zwölf-Monats-Euribor zuzüglich eines Aufschlags von einem Prozentpunkt.

Diese Besonderheit erklärt sich aus der Historie des Fonds. Ursprünglich wurde er als institutionelles Anlageprodukt für Stiftungen konzipiert. Für die Finanzierung ihrer Aufgaben kommt diesen das Konzept der planbaren Ausschüttungen sehr entgegen. Seit Jahren aber steht der Fonds auch Privatanlegern offen und ist dort sehr beliebt: Ursprünglich betrug das Zielvolumen einmal 50 Millionen Euro, mittlerweile ist der Fonds zwölfmal so schwer.

Fondsmanager Childs hatte im Portfolio die Risikopositionen relativ frühzeitig heruntergefahren, was sich im Nachhinein als richtig erwies. Zuletzt lagen 60 Prozent des Fondsvermögens in Anleihen. Der Rest war zu gleichen Teilen in Aktien und Geldmarkttiteln investiert. Allerdings wünschte er, dass er bei der defensiven Ausrichtung noch aggressiver vorgegangen wäre, sagt Childs heute. Denn aus seiner Sicht kam die Krise am amerikanischen Häuser- und Kreditmarkt zwangsläufig.

Wenig optimistisch für Anleihen - im Gegensatz zu Aktien

Für das laufende Jahr ist Childs dennoch verhalten optimistisch. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren deutlichen Korrektur von etwa 10 Prozent auf dem Aktienmarkt beziffert er mit 10 bis 20 Prozent. Da die Unternehmensgewinne seiner Ansicht nach höher ausfallen dürften, als vom Markt derzeit eingepreist wird, dürften sich die Anleger angesichts niedriger Zinsen wieder vermehrt für die Dividenden europäischer Standardwerte interessieren.

Weniger optimistisch ist er für den Anleihenmarkt gestimmt. Dieser sei schwierig und eigentlich fair bewertet. Für eine steilere Zinskurve sieht er derzeit kein Argument. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe die Inflation nicht so unter Kontrolle, wie sie das vielleicht glaube. Unternehmensanleihen korrelieren für ihn wiederum noch zu stark mit Aktien. "Man braucht dieselben Risiken nicht zweimal im Portfolio", sagt Childs. Zwar werde sich dies irgendwann einmal ändern. Doch der Markt beginne gerade erst zu erkennen, dass die Ausfallraten wieder ansteigen könnten.

Im kommenden Jahr soll der Stiftungsfonds 63 Euro je Anteil ausschütten, was über das Jahr einer Zielrendite von 5,7 Prozent entspricht. "Es ist eine Herausforderung", sagt Childs, der seine Zielvorgabe nicht zuletzt der Tatsache verdankt, dass der Referenzzinssatz mit 4,885 Prozent gerade um den Stichtag herum den höchsten Stand seit sieben Jahren erreicht hatte. Mittlerweile ist der Zwölf-Monats-Euribor wieder auf rund 4,3 Prozent gefallen. Reicht der erwirtschaftete Ertrag nicht aus, wird die Ausschüttung aus dem Fondskapital vorgenommen - wie nach der Jahrtausendwende, als der neu aufgelegte Fonds im Zuge der Baisse zunächst deutlich an Wert verlor.



Text: mho./sfu. , F.A.Z., 21.02.2008, Nr. 44 / Seite 22
Bildmaterial: FAZ.NET

 

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