Zertifikate

Neues Zertifikat erweitert Anlagespektrum für die baltischen Börsen

30. Oktober 2007 Wer als hiesiger Anleger an den boomenden baltischen Börsen investieren wollte, der hatte es lange Zeit ziemlich schwer. Einzelaktien wurden an deutschen Börsen kaum gehandelt und Zertifikate oder Fonds gab es ebenfalls nur in begrenzter Auswahl. In den vergangenen ein bis zwei Jahren ist die Auswahl aber etwas größer geworden und die Angebotspalette ist seit dem 26. Oktober um ein weiteres Produkt erweitert worden. Denn seitdem ist es möglich, an der Börse Stuttgart mit Hilfe eines Index-Zertifikats der Deutschen Bank auf den S-BOX Baltic-Performance-Index zu wetten.

Der S-Box Baltic enthält die derzeit zehn größten Unternehmen aus den drei Ländern des Baltikums. Dabei stammen 50 Prozent der Unternehmen aus Estland, 30 Prozent aus Litauen und 20 Prozent aus Lettland. Bei Bedarf kann der Index künftig auf bis zu 20 Indexmitglieder erweitert werden. Wie stark einzelne Unternehmen dabei in den Index einfließen, hängt von ihrer jeweiligen Marktkapitalisierung ab. Die Gewichtung einzelner Indexmitglieder ist auf maximal 15 Prozent und mindestens fünf Prozent begrenzt.

Gefährliche volkswirtschaftliche Ungleichgewichte

Grundsätzlich sind solche Produkte wie das S-Box Baltic Performance-Index Zertifikat der Deutsche Bank (Isin: DE000DB2BTK6) sicher zu begrüßen, erweitern sie doch das Handlungsspektrum der Investoren. Ohne Risiken ist das neue Zertifikat aber nicht. Christoph Mura, Vorstand der Börse Stuttgart, sagt zwar mit Blick auf den neuen Index fast schon euphorisch: „Das Wachstumspotential der baltischen Republiken Estland, Lettland und Litauen ist noch lange nicht ausgeschöpft.“ Gelingt die Einführung des Euro in den kommenden Jahren, könnte dies das Wachstum weiter ankurbeln.

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Richtig ist, dass die Volkswirtschaften im Baltikum nach wie vor boomen. So wuchs das Bruttoinlandsprodukt in Litauen im dritten Quartal 2007 um 10,8 Prozent und in Lettland betrug die Zuwachsrate im zweiten Quartal sogar elf Prozent. Dank des hohen Expansionstempos hat sich erfreulicherweise auch die zuvor hohe Arbeitslosigkeit stark zurückgebildet. In Estland belief sich die Arbeitslosenquote im September sogar nur noch auf zwei Prozent.

Aber das starke Wachstum und die gesunkenen Arbeitslosenzahlen bergen auch Gefahren. Deutlich wird das an enormen Leistungsbilanzdefiziten. In Litauen betrug das Defizit im zweiten Quartal gemessen am Bruttoinlandsprodukt 16,1 Prozent und in Lettland sogar 24,8 Prozent.

Überhitzungsgefahr

Auch die Inflationsraten sind sehr hoch. Die Verbraucherpreise in Litauen kletterten im September um 7,1 Prozent, in Estland um 7,2 Prozent und in Lettland sogar um 11,4 Prozent. Zudem gefährden stark steigende Löhne die Wettbewerbsfähigkeit der baltischen Länder.

Schon mehrfach wurde zuletzt von verschiedenen Seiten eindringlich vor den Überhitzungsgefahren im Baltikum gewarnt. Und die Ratingagentur Standard & Poor´s hat deswegen unlängst auch den Ausblick für die Kreditwürdigkeit für alle drei baltischen Staaten auf negativ gesenkt. Wie ernst die Probleme sind, zeigt sich auch daran, dass es in Lettland nicht zuletzt wegen der stark steigenden Preise neuerdings erstmals wahrnehmbare Proteste der Bevölkerung gegen die Regierung gibt.

Risiken trotz Wachstum und gesunkenen Bewertungen nicht vergessen

Diese Probleme veranlassen John Bennett, Hedge-Fondsmanager bei GAM, dazu, auf fallende Kurse an den baltischen Börsen zu wetten. „Die Volkswirtschaften im Baltikum sind dabei, zu überhitzen. Sie werden demnächst unter ihrer eigenen Last zusammenbrechen“, lautet seine Warnung. Zudem rechnet er mit abwertenden Währungen.

Wenigstens sind die Bewertungen der Aktien an den baltischen Börsen inzwischen nicht mehr so hoch wie noch vor wenigen Jahren. Die stark gestiegenen Unternehmensgewinne haben dazu beigetragen, dass nun durchaus auch wieder Aktien mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen um zehn zu finden sind. Doch diesem Vorteil stehen die aufgezeigten volkswirtschaftlichen Risiken entgegen. Mit Hilfe des EU-Ankers kann es vielleicht gelingen, die Klippen doch noch zu umschiffen. Aber wer sich für das S-Box Baltic Performance-Index Zertifikat interessiert, der sollte die damit verbundenen Risiken kennen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET, picture-alliance/ ZB

 
Überblick Wertentwicklung
Anlage-
schwerpunkt
Fond-
anzahl
Mon. Performance
Top %Flop %
Aktien 3.150 +0,00 -24,38
Andere 5.688 +0,00 -8,10
Derivative 49 +0,00 -5,06
Geldmarkt-/nahe 229 +3,38 -3,81
Gemischte 265 +0,00 -13,66
Renten 1.366 +2,88 -5,57
Quelle: Morningstar
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NamePunkteProzent
Dax 5.436,30 +0,91
TecDax 590,59 -2,25
DowJones 9.955,50 -3,58
Nasdaq 1.862,96 -4,34
STOXX 50 2.909,44 +1,29
Nikkei 225 10.155,90 -3,03
S&P 500 Zert. 10,50 -1,78
Euro/Dollar 1,36 +0,43
Bund Future 117,11 +0,11
Gold 881,35 +2,28
Öl 86,68 -6,11
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