Strategie

Mit Aktienrückkäufen werden Anleger oft veräppelt

Kosten werden optisch zu Gewinnen gemacht

Kosten werden optisch zu Gewinnen gemacht

20. Januar 2006 Schlagzeilen in Finanzmedien sind so eine Sache. „Aktienrückkäufe bei amerikanischen Unternehmen bewegten sich im Jahr 2005 auf einem Rekordniveau“ und „Aktienrückkäufe bei den S&P-500-Unternehmen dürften weiter steigen“, hieß es so in den vergangenen Tagen wieder einmal an verschiedenen Stellen.

Dabei wird automatisch unterstellt, Aktienrückkäufe seien eine indirekte Art der Gewinnausschüttung und positiv für die Entwicklung des jeweiligen Aktienkurses.

Bei Technologieunternehmen sollte man bei Aktienrückkäufen genauer hinblicken

Auch Unternehmen prahlen nicht selten damit, Rückkaufprogramme zu starten, um auf diese Weise bei den Anlegern für gute Stimmung zu sorgen. Allerdings dürfte es ratsam sein, bei solchen Argumenten genauer hinzublicken. Denn sie sind nicht immer so positiv, wie sie klingen. Das zeigte sich in der Vergangenheit immer wieder, insbesondere bei den Technologieunternehmen.

Die etablierten Unternehmen dieser Kategorie erzielen zwar satte Gewinne. Es stellt sich allerdings die Frage, wo diese hinfließen, wenn sie Aktien zurückkaufen. Das läßt sich am Beispiel Intels eindrucksvoll verdeutlichen. Seit dem Jahr 1990 habe das Unternehmen insgesamt etwas mehr als zwei Milliarden Aktien mit einem Gegenwert von etwa 42 Milliarden Dollar zurückgekauft, heißt es im Geschäftsbericht. Das hört sich zunächst sehr eindrucksvoll an.

Es gibt allerdings zwei klitzekleine Probleme. Denn erstens hat sich das beim Kursverlauf zumindest in den vergangenen fünf Jahren nicht nachhaltig bemerkbar gemacht. Zweitens hat das Unternehmen heute etwa die gleiche Anzahl von Aktien ausstehen wie vor 15 Jahren. Wie aber läßt sich das erklären? Ganz einfach, Intel hat in der Zwischenzeit Unmengen Optionen an die Mitarbeiter verteilt und diese durch die Ausgabe von neuen Aktien unterlegt. Auf diese Weise hat eine Umverteilung von eigentlich den Aktionären zustehenden Gewinnen an die Mitarbeiter stattgefunden.

... auch mit Blick auf die künstliche Steigerung der Gewinne je Aktie

Das heißt, die massiven Aktienrückkäufe konnten nicht nur nicht den Aktienkurs stimulieren, sondern sie stellten eine versteckte Entlohnung der Mitarbeiter und damit hohe Kosten für das Unternehmen dar. Aber diese Kosten erschienen auf diese Weise zumindest bisher nicht offen in der Bilanz. Was bedeutet das? Wenn wieder einmal eine oberflächliche Agentur oder ein „optimistischer“ Stratege die Aktienrückkäufe eines Unternehmens als Ausweis der Gewinnstärke rühmt oder als optimistisches Argument nutzt ohne die „Netto-Veränderung“ der Aktienanzahl zu nennen, so ist das nicht sonderlich glaubwürdig.

Selbst jedoch, wenn die Anzahl der Aktien durch Rückkäufe tatsächlich reduziert wird, ist ein kritischer Blick nötig. Denn ein Unternehmen kann auf diese Weise den Gewinn je Aktie steigern, ohne den absoluten Gewinn verbessert zu haben. Es dürfte ratsam sein, beide Entwicklungen zu betrachten, insbesondere dann, wenn das Unternehmen dazu neigt, eine der beiden Größen notorisch zu verschweigen.

Insgesamt wird es höchste Zeit, daß die Unternehmen endlich mit solchen Unsitten - das gilt auch für die Veröffentlichung von „Pro-Forma-Zahlen“ - aufhören und zu einer ehrlichen Dividendenpolitik übergehen. Denn was ist schöner als eine anständige, stetig steigende Dividende. Sie führte zumindest in der Vergangenheit in der Regel zu einem eindrucksvoll robusten Kursverlauf. Daran sollten sich die liquiditätsstarken Unternehmen messen lassen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: @nav

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