Volkswagen

VW-Aktie bringt Fondsmanager in die Bredouille

Von Steffen Uttich

Über VW können sich Fondsmanager derzeit nicht freuen

Über VW können sich Fondsmanager derzeit nicht freuen

29. Oktober 2008 Die Verzerrungen im Dax durch die Kurskapriolen der VW-Aktie stellen Aktienfondsmanager vor ungeahnte Probleme. „Alle aktiv verwalteten Fonds, die den Dax als Erfolgsmaßstab nutzen, verlieren relativ zum Index, weil sie es bei diesem Kurs nicht verantworten können, VW-Aktien zu kaufen“, sagt Klaus Kaldemorgen, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft DWS.

Doch nicht nur wegen der offensichtlichen Überbewertung dürften nur noch wenige Fondsmanager Titel des Autokonzerns in ihrem Portfolio halten. Auch aus rein praktischen Gründen ist der Index derzeit nicht nachzubilden. Nach den gesetzlichen Vorgaben dürfen nicht mehr als 10 Prozent des Fondsvermögens in einen einzelnen Wert investiert sein. Volkswagen machte in dieser Woche zeitweise 30 Prozent im Dax aus.

Orientierung am Dax unmöglich

Die VW-Aktie gibt derzeit die Richtung des Kursbarometers der deutschen Standardwerte vor. Selbst nach der Korrektur vom Mittwoch schätzen Portfoliokonstrukteure die Verzerrung nach oben auf bis zu 500 Indexpunkte - eine Hürde, die sich noch längere Zeit als unüberwindbar herausstellen dürfte. „Ich hatte einmal gelernt, dass ein Index abbildbar sein muss, repräsentativ sein muss und eine Grundlage für Sicherungsinstrumente darstellen kann“, sagt SEB-Aktienfondschef Thomas Körfgen. „Alle drei Punkte sind derzeit nicht der Fall.“

Hinzu kommt, dass die übrigen 29 Dax-Werte unter Abgabedruck geraten, wenn einzelne Marktteilnehmer damit beginnen, auf dem Umweg über den Terminmarkt eine VW-Position „synthetisch“ darzustellen. Dabei wird, vereinfacht gesagt, der Dax-Future gekauft. Um die VW-Aktie von den übrigen Dax-Werten zu trennen, werden gleichzeitig alle anderen 29 Dax-Werte leer verkauft - was deren Kurse unter Druck setzt.

VW-Plus drückt andere Dax-Kurse

Das bedeutet letztlich, dass die Aktionäre der anderen Dax-Werte mit Kursverlusten den Aufbau von VW-Positionen bezahlen. Im Handelsverlauf am Dienstag wurde dieser Effekt am deutlichsten sichtbar, als die meisten europäischen Standardwerte zulegten, während zwischenzeitlich 29 von 30 deutschen Standardwerten (die Ausnahme war VW) Verluste verzeichneten.

Aus der Sicht eines Fondsmanagers können deshalb Übergewichtungen in Dax-Werten, die auf Basis einer Analyse der Unternehmensdaten attraktiv erscheinen, aus rein markttechnischen Gründen plötzlich zum Ballast werden. Nicht vergessen werden sollte auch, dass sich der Bonus vieler Deutschland- und Europa-Aktienfondsmanager an populären Indizes wie dem Euro Stoxx 50 oder ebendem Dax bemisst. Der VW-Effekt dürfte hier zusätzlich dämpfend wirken.

Indexfonds nicht betroffen

Börsen-Indexfonds, die passiv eine Index-Wertentwicklung nachvollziehen, stehen im Vergleich zu den aktiven Fondsmanagern besser da. Zum einen sind sie nicht an die Zehn-Prozent-Regel gebunden, sondern können auch eine höhere Gewichtung einzelner Titel vornehmen.

Zum anderen entsteht nur durch die heftigen Kursausschläge der VW-Aktie kein Handlungsbedarf. Aktiv werden muss das Fondsmanagement erst, wenn es zu hohen Mittelzuflüssen kommt. Dann kann es aber den Stress an seinen Zwischenhändler (Market Maker) abgeben, denn dieser muss ihm die entsprechenden Aktien liefern.

Zu Mittelzuflüssen sei es jedoch nicht gekommen, sagt Andreas Fehrenbach vom Anbieter ETFlab. Vergrößert hat sich zuletzt wegen der allgemein hohen Kursschwankungen der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufspreis, der für Anleger einen Kostenfaktor darstellt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

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