04. April 2008 Die Bedingungen an den Weltbörsen sind seit einigen Monaten ausgesprochen schwierig. So schwierig, dass selbst die besten Fondsmanager ins Straucheln geraten. Tiefe Spuren haben die jüngsten Kursturbulenzen beispielsweise bei den von der österreichischen ZZ Vermögensverwaltung GmbH verwalteten Fonds hinterlassen.
Der überwiegende auf Hochzinsanleihen aus Schwellenländern ausgerichtete ZZ1 Fonds (Isin AT0000989090) hat seit dem am 26. Juli markierten Rekordhoch fast 34 Prozent an Wert verloren. Bei der gehebelten Variante des ZZ1, dem ZZ2 Fonds (Isin AT0000831425), hat sich seit dem Hoch ein Minus von fast 39 Prozent ergeben. Bei dem auch in Aktien investierenden ZZ3 Fonds (Isin AT0000801006) steht ein Abschlag von 36 Prozent zu Buche.
Größere Verluste in der Vergangenheit
Einbußen in dieser Größenordnung sind deshalb besonders erwähnenswert, weil die Fonds von ZZ in der Vergangenheit mit einer überzeugenden Wertentwicklung glänzten. Immerhin hat es der ZZ1 Fonds seit der Auflage auf ein Plus von 808 Prozent gebracht und der ZZ2 auf ein Plus von 612 Prozent. Damit beläuft sich der jährliche erzielte Wertzuwachs auch unter Berücksichtigung der jüngsten Einbußen auf jeweils etwas mehr als 20 Prozent.
Angesichts dieser Erfolgsbilanz gehen die Verantwortlichen locker mit den jüngsten Kursrückschlägen um. Sie sind daran gewöhnt, da negative Ausreißer auch in der Vergangenheit immer wieder einmal aufgetreten sind. Der größte historische Verlust in der Gruppe, die mit 20 Mitarbeitern zehn Fonds (vier davon sind Publikumsfonds) mit einem Volumen im achtstelligen Bereich verwaltet, betrug 54 Prozent und stammt aus dem Jahre 1998. Wer das Erfolgsrezept damals abgeschrieben hat, beging allerdings einen Fehler. Denn schon im Folgejahr wurde der Ausrutscher mit einem Plus von 103 Prozent wettgemacht.
Hohe Erträge und hohe Risiken gehören zusammen
Nach Auskunft der Gesellschaft sind ausgeprägte Verlustphasen von vorneherein einkalkuliert. Unsere Philosophie und Strategie ist im Zehnjahresbereich auf zwei Crashphasen mit minus 40 Prozent ausgerichtet. Dennoch streben wir eine jährliche Rendite von mindestens zwölf Prozent an, erklärt Peter Pühringer, Gründer des Unternehmens. Da Risiko und Ertrag nach der Theorie des Nobelpreisträgers William Sharpe eindeutig zusammenhängen, müssen Investoren wie wir, die Erträge von 200 Prozent über dem risikolosen Zins von vier bis zwölf Prozent erwarten, Rückschläge zwischen 20 Prozent und 40 Prozent akzeptieren.
Überrascht oder beunruhigt ist man bei ZZ, was als Abkürzung für Zins und Zyklus steht, angesichts der jüngsten Börsenturbulenzen nicht. Denn das Team hatte sich bereits frühzeitig auf eine Marktschwäche eingestellt. Wir haben bereits im Herbst unsere Bargeldquote auf rund 25 Prozent ausgebaut, bleiben aber als langfristig orientierter Investor in den wesentlichen Positionen investiert und planen wie in der Vergangenheit gestaffelte Zukäufe in Märkten mit massiven Währungsverlusten, etwa bei der türkischen Lira mit einem Minus von mehr als 20 Prozent und massiv gestiegenen Zinsen im langfristigen Bereich, so Pühringer.
Teufelskreis von Verschuldung und Misstrauen
Auf die Frage, warum er frühzeitig skeptisch geworden sei, antwortet der gelernte Bauingenieur: Es hat sich eine unglaubliche Geldschwemme (durch Sparraten in Asien von rund 33 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sowie durch Rohstoffe) gebildet, die alle bisherigen finanzhistorischen Zusammenhänge zerrissen hat. Die Marktanomalien und die Probleme bei Fusionen und Übernahmen, Immobilien, Verbraucherverschuldung, Kreditkrise mit Vertrauenskrise bilden aus seiner Sicht einen Teufelskreis ungeahnten Ausmaßes in deren Folge Investitionsschwäche, Anstieg der Arbeitslosigkeit und eine Verschuldungsfalle drohen.
Daher muss aus seiner Sicht mit wesentlich längeren und schmerzhafteren Einschnitten in die Vermögensstrukturen gerechnet werden, als in der Vergangenheit. Getreu dem Motto, wonach Krisen die größten Chancen bieten, gibt er sich aber konstruktiv optimistisch. Wir empfinden das derzeitige Umfeld als historische Chance wie die Krisen 1997, 1998, 2001, 2006 und freuen uns darauf, in den nächsten Monaten unterbewertete Vermögenswerte aufsammeln zu können.
Fonds werden nicht aktiv vermarktet
Wer langfristig an die Fortsetzung der bisherigen Erfolgsstory glaubt, der hat es nicht leicht. Denn das Unternehmen verlangt für seine Fonds hohe Ausgabeaufschläge. Sie liegen beim ZZ1 und ZZ2 bei jeweils zehn Prozent und beim ZZ3 und ZZ Trend (Isin AT0000617675) bei jeweils fünf Prozent.
Die hohen Gebühren sind auf die Grundstruktur dieser Vermögensverwaltung zurückzuführen. 75 Prozent der Finanzmittel kommen von drei Hauptinvestoren, wozu auch die POK Pühringer Privatstiftung gehört, die kulturelle und pädagogische Einrichtungen fördert. Neue Mittel sind nur ungern gesehen. Aus diesem Grund werden hohe Ausgabeaufschläge erhoben, die laut Pühringer ausschließlich in die Finanzmarktforschung investiert werden.
Für viele Investoren mag auch die reservierte Kommunikationspolitik des Unternehmens abschreckend wirken. So gibt es bis heute keine hauseigene Internetseite. Immerhin reagiert ZZ inzwischen jedoch offener als früher auf Presseanfragen.
Die engagierten Anleger sind jedoch nicht unbedingt auf derartige Berichte angewiesen. Denn das Unternehmen erläutert ihnen in jährlichen Kapitalmarktgesprächen und Finanzsymposien seine Anlagestrategien. Das scheint auch tatsächlich zu gelingen: Die Anleger blieben auch in schwierigen Zeiten besonnen, wie Pühringer durchblicken lässt. Die uns bekannten Investoren haben keinerlei Probleme mit den derzeitigen Kursschwankungen, da sie diese in der Vergangenheit bereits mehrfach erlebt haben, erklärt er.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET, palais-coburg
| Anlage- schwerpunkt | Fond- anzahl | Mon. Performance | |
|---|---|---|---|
| Top % | Flop % | ||
| Aktien | 2.966 | +2,53 | -15,25 |
| Andere | 5.364 | +0,00 | -7,22 |
| Derivative | 46 | +0,00 | -1,19 |
| Geldmarkt-/nahe | 225 | +0,99 | -1,28 |
| Gemischte | 229 | +3,24 | -6,41 |
| Renten | 1.321 | +6,05 | -4,26 |
| Quelle: Morningstar | |||
| Tops & Flops | Prozent |
|---|---|
| Renten CZK | +6,05 |
| Renten Europa Emerging Market | +3,49 |
| Gemischte Fonds Türkei (neut) | +3,24 |
| Aktien Norwegen | -15,25 |
| Aktien Thailand | -15,19 |
| Aktien Indonesien | -14,50 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.459,36 | -1,17 |
| TecDax | 731,35 | -2,06 |
| DowJones | 11.632,38 | +0,26 |
| Nasdaq | 2.325,88 | +0,95 |
| STOXX 50 | 3.361,82 | -0,76 |
| Nikkei 225 | 13.603,31 | +2,18 |
| S&P 500 Zert. | 12,75 | -0,39 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,04 |
| Bund Future | 110,61 | +0,45 |
| Gold | 926,45 | +0,52 |
| Öl | 126,52 | -4,27 |
