Fonds

Die „wahren“ Hedge Fonds sind „marktneutral“

20. Januar 2006 Nachdem die Börsen ausgehend von Tiefs im März des Jahres 2003 in den vergangenen Monaten nette Kursgewinne an den Tag legten, hat das Interesse an Hedge Fonds scheinbar etwas nachgelassen. Denn viele „traditionelle“ Fonds und vor allem auch günstige Indexfonds schlagen sich in diesem Umfeld gut.

Allerdings sollte man Äpfeln nicht mit Birnen vergleichen. Denn auch wenn vereinzelt Meldungen wie „Aktien erzielen bessere Rendite als Hedge-Fonds“ verbreitet werden, so gilt das keineswegs für alle Fonds. Erstens besteht das Ziel vieler Hedge Fonds nicht unbedingt darin, die Börsen zu schlagen, sondern eine angemessene Rendite bei deutlich reduzierten Risiken zu erzielen.

Einzelne Hedge Fonds schlagen jeden Index

Zweitens sind einzelne Fondsmanager selbst unter diesen Bedingungen in der Lage, mit der allgemeinen Marktentwicklung mitzuhalten. Nicht zu reden über opportunistische Strategen oder Spezialisten, die in den vergangenen Monaten mit Wetten auf den Energiesektor oder auf die Schwellenländer satte Erträge erwirtschaften und die Börsen zum Teil deutlich hinter sich lassen konnten.

Vergleicht man die Performance der verschiedenen Stilrichtungen der Hedge Fonds über einen längeren Zeitraum mit den breiten Börsenindizes, so konnten sie zumindest unter Berücksichtigung der eingegangenen Risiken ohne weiteres mithalten. Im vergangenen Jahr kam der Van Global Hedge Fund Index beispielsweise auf ein Plus von 8,4 Prozent, einzelne Anlagestile wie die Long-Short-Gruppe oder die Spezial-Strategien kamen auf Renditen von knapp elf und von zwölf Prozent.

Das klingt jedoch noch harmlos, konnten die besten marktneutralen Fonds doch auf Sicht eines Jahres bis zu 65 Prozent Rendite erwirtschaften, einzelne Futures-Fonds bis zu 160 Prozent und konzentrierte Lander- oder Branchenfonds auf bis zu knapp 250 Prozent. Wer in diesem Zusammenhang davon redet, Hedge Fonds könnten nicht mit Aktien mithalten, liegt schief.

Damit dürften auch mit Blick auf diese Anlagevehikel die allgemeinen Anlagegrundsätze gelten: Erst muß der Anleger seine Risikoneigung kennen und dann muß er dazu den richtigen Fonds und vor allem auch den richtigen und zuverlässigen Fondsmanager finden. Das dürfte die unbedingte Voraussetzung sein für eine erfolgreiche Hedge-Fondsanlage. Denn günstig sind die Produkte an sich nicht, schon gar nicht die Dach-Hedge-Fonds oder die Hedge-Fonds-Zertifikate.

Die „wahren“ Hedge Fonds sind „marktneutral“

Die Anzahl der Hedge Fonds hat in den vergangenen Jahren insbesondere auch aufgrund der Erfahrung der Baisse deutlich zugenommen. Das führte einerseits zur Vermutung, die Performance werde zurückgehen und der zunehmende Wettbewerb werde auch die hohen Gebühren nach unten bringen. Die Gebühren gaben jedoch nicht nach, sondern tendieren neuerdings sogar nach oben.

Blickt man auf die monatliche Performance der verschiedenen Stilrichtungen (siehe Charts), so scheint sie in den vergangenen Monaten im Vergleich zu den volatilen Zeiten um die Jahrtausendwende und den Jahren davor auch tatsächlich zurückgegangen zu sein. Dafür lassen sich verschiedene Gründe anführen. Einerseits ist in den vergangenen Monaten die Volatilität insgesamt deutlich zurückgegangen und damit die damit verbundenen Chancen. Einzelne Bereiche, wie beispielsweise das Arbitragegeschäft mit Wandelanleihen, waren gleichzeitig nur bedingt aufnahme- und ausbaufähig. Die zunehmende Konkurrenz hat aus diesem Grund die Ertragsmargen reduziert. Das muß allerdings kein gemeingültiger Trend sein. Denn die Hedge Fonds erschließen sich immer neue „Geschäftsfelder“, angefangen von Immobilien bis hin zum Fusionsgeschäft.

Insgesamt zeigt der Blick auf die monatliche Renditentwicklung der verschiedenen Hedge-Fonds-Stile, daß einzelne wie Short-Selling und das „Directional Trading“ sehr volatil sind. Während der Renditetrend - gemessen am gleitenden 12-Monats-Durchschnitt - beim „Directional Trading“ abzunehmen scheint, liegt er beim „Short-Selling“ in der Tendenz sogar unter Wasser. Die einzigen Strategien, die auch nachhaltige und relativ stetige Renditen abwerfen, scheinen die marktneutralen und die „long-shorts“ zu sein. Genau die sind und waren der Startpunkt der „Hedge-Fonds-Idee“ und sind also solche mit konventionellen Indizes nur bedingt vergleichbar.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

 

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