Investmentfonds

Mit den richtigen Fonds die Abgeltungssteuer vermeiden

Von Dyrk Scherff

02. Januar 2008 „Es trifft jeden.“ So schreckt derzeit die Dresdner Bank auf ihren Internetseiten die Kunden auf. Und leitet damit zu den Informationen über die neue Abgeltungssteuer. Die finden sich derzeit auf den Seiten fast jeder Bank, ob als „Special“ oder „Sonderthema“. Verbunden mit dem netten Hinweis, doch am besten gleich einen Beratungstermin in der Filiale auszumachen.

Denn jedes Depot und jedes Konto ist von der neuen Steuer betroffen, die Anfang 2009 kommen wird. Die Banken hoffen auf ein tolles Geschäft, denn sie wissen, dass die Deutschen gerne Steuern sparen. Also bieten sie schon jetzt fleißig Produkte an, die die neue Steuer vermeiden oder sie positiv zu nutzen wissen. Der Branche winken Depotumschichtungen in Milliardenhöhe, und jedes Geschäft spült mehr Provision in die Kasse.

Sicherheitsorientierte Anleger profitieren

Doch längst nicht jedes Produkt, das da angepriesen wird, eignet sich für den Vermögensaufbau. Es mag Steuern sparen, aber kostet viel und erzielt oft auch noch unterdurchschnittliche Renditen. Also lieber alles beim Alten lassen? Das wäre die falsche Konsequenz. Denn die neue Steuer bringt Gewinner und Verlierer hervor, und wer sich darauf einstellt, kann viele Euro vor dem Fiskus retten.

Profiteure der geänderten Regeln sind die sicherheitsorientierten Anleger, die ihre Erträge über Zinseinnahmen erzielen, sei es aus Sparbriefen, Tagesgeld oder Sparkonten. Oder aus Anleihen und Rentenfonds. Sie müssen ihre Einnahmen künftig nur mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer versteuern, also mit weniger als 30 Prozent. Bisher wurde der persönliche Einkommensteuersatz von bis zu 45 Prozent abgezogen.

Verlierer sind hingegen vor allem die Besitzer von Aktien und Aktienfonds, die nicht mehr bevorzugt werden. Denn Kursgewinne sind künftig zu jeder Zeit steuerpflichtig und Dividenden voll zu versteuern statt bisher nur zur Hälfte. Allerdings steigen durch die neuen Steuerregeln auch die Gewinne der Unternehmen, die sie durch höhere Ausschüttungen an die Aktionäre zurückgeben könnten. Das würde die Nachteile der Abgeltungssteuer etwas mildern, aber nicht beseitigen.

Falsche Anreize

Aber auch die Verlierer haben noch eine Chance. Kursgewinne von Wertpapieren, die bis Ende 2008 gekauft werden, unterliegen noch den alten Steuerregeln, das heißt, sie sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Diese Übergangsregel nutzen die Banken für ihre Verkaufsoffensive. Das Ziel: Produkte anzubieten, die ihre Kunden jetzt kaufen und erst in 20 oder 30 Jahren abstoßen sollen - steuerfrei.

Auf der Suche nach der passenden Geldanlage greifen die Anleger jedoch häufig daneben. „Wie schon so oft zuvor kaufen viele derzeit Produkte, die vermeintlich Steuern sparen - und achten nicht auf das Risiko und die Kosten“, kritisiert Andreas Löschinger, Steuerexperte in der Deutschen Bank. Er empfiehlt, zunächst noch einmal zu prüfen, welcher Anlegertyp man sei, risikofreudig oder sicherheitsorientiert. Der Rentner, der einen Großteil seines Vermögens in Aktienfonds umschichten will, nur weil sie Steuern sparen, handele fahrlässig, denn er investiere für sein Alter zu riskant.

Wer nun weiß, ob er noch eine Renten- oder eher eine Aktienanlage braucht, sollte anschließend nach der mit der höchsten Rendite bei moderaten Kosten suchen, empfiehlt Löschinger. Und dann erst solle er schauen, welches von den ertragreichsten Angeboten auch nach Steuern noch attraktiv ist. Denn der Unterschied in der Wertentwicklung eines guten und eines schlechten Fonds kann 20 Prozentpunkte in einem Jahr ausmachen. „Da nützt dann eine gute Steueroptimierung wenig“, warnt der Steuerexperte.

Versicherungen und Fonds streiten sich um Anleger

Vor dem Hintergrund der Abgeltungssteuer streiten Versicherungen und Fondsgesellschaften darum, wer das beste Angebot für die langfristige Geldanlage hat. Zertifikate hingegen werden steuerlich nicht mehr nach den alten Regeln behandelt, damit nicht begünstigt und sind oft mit hohen Kosten belastet. Daher versuchen Zertifikateanbieter, ihre Produkte in einen Fondsmantel zu kleiden. Dann gelten die alten Steuerregeln weiter, das heißt, Kursgewinne sind nach einem Jahr steuerfrei. Allerdings sind diese Strukturen nicht sehr transparent und teuer.

Als Alternative einzelne Aktien über 20 oder 30 Jahre zu halten ist hingegen zu riskant. Die Geldanlage würde von wenigen Unternehmen abhängen, von denen niemand weiß, wie sie in einigen Jahrzehnten dastehen und ob es sie noch gibt. Bei Übernahmen und Fusionen ist die Steuerfreiheit der Kursgewinne verloren. Anleihen wiederum laufen sehr häufig nicht länger als zehn Jahre.

Bleiben Versicherungen und Fonds. Versicherungen sind steuerlich interessanter als Fonds, wenn Anleger regelmäßig einen Betrag sparen wollen. Denn während die Einzahlungen in die Fonds, die von 2009 an geleistet werden, der Abgeltungssteuer unterliegen, sind die Erträge aus Versicherungen nur zur Hälfte steuerpflichtig, wenn die Police zwölf Jahre lief und erst nach dem 60. Lebensjahr ausgezahlt wird. Doch „bei den meisten Produkten wird der steuerliche Vorteil durch die höheren Kosten wieder zunichtegemacht“, warnt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen, der Versicherungen und Fonds verglichen hat. Je höher der persönliche Steuersatz und je niedriger die zu versteuernde Ausschüttung seien, umso mehr spreche für den Fonds.

Indexfonds als Basisinvestments

Aber für welche Fonds? Grundsätzlich sind Indexfonds (ETF, „Exchange Traded Funds“) und aktiv gemanagte Fonds zu unterscheiden. Beide unterliegen nicht der Abgeltungssteuer, wenn sie vor Ende 2008 gekauft werden. ETF bauen einen Index wie den Dax nach. Sie sind mit Gebühren von 0,1 bis 0,5 Prozent im Jahr sehr günstig. Aktive Fonds investieren gezielt in Aktien, die sie für aussichtsreich halten. Das kostet Gebühren von 1 bis 1,8 Prozent im Jahr. Doch die Mehrzahl der Fonds schafft es nicht, den Index zu schlagen. Je kleiner das Anlageuniversum, desto schwerer wird es für sie.

Für Deutschland und Europa sind Indexfonds daher gute Basisinvestments. Für die weltweite Anlage und gerade in Schwellenländern schaffen aber aktive Fonds oft eine bessere Rendite als Indizes, weil sie mehr Anlagemöglichkeiten besitzen und dadurch ihre Vorteile ausspielen können. Für solche Regionen, die in ein langfristig ausgerichtetes Depot gehören, sind daher aktiv gemanagte Fonds interessant.

Vier Möglichkeiten für die langfristige Anlage

Vier Möglichkeiten kommen dabei für eine langfristige Anlage in Frage. Dachfonds legen in anderen Fonds an, je nach Ausprägung auch gemischt in Aktien- und Rentenfonds. Je nach Chancen der einzelnen Regionen oder Märkte schichten sie um. „Das kann die Rendite verbessern, kostet aber höhere Gebühren als ein normaler weltweit anlegender Fonds. Die höheren Gewinne werden oft wieder aufgefressen“, warnt Arnd Brüggenwirth, Steuerfachmann bei der Landesbank Berlin International. Steuerlich sind Dachfonds interessant, weil die Umschichtungen steuerfrei erfolgen können. Macht der Anleger das selber und kauft nach 2009 einen anderen Fonds, werden Kursgewinne dagegen steuerpflichtig.

Mischfonds legen in Aktien und Renten an und nehmen den Anlegern die Depotaufteilung ab. Flexibel investierende Fonds (siehe Tabelle oben) haben dabei die größten Freiheiten. Wenn diese Fonds umschichten, bleibt das steuerfrei. Sie passen ihre Aktienquote allerdings nicht dem Alter des Anlegers an. Das übernehmen die noch relativ neuen Lebenszyklus- oder Zielsparfonds. In jungen Jahren investieren sie stark in Aktien, kurz vor der Rente vor allem in Anleihen.

Bei der Suche nach dem richtigen Fonds kann die Wertentwicklung über verschiedene Zeiträume einen Anhaltspunkt liefern. Die sollte mit einem akzeptablen Risiko erreicht worden sein. Das zeigt die Kennzahl Sharpe Ratio, die möglichst hoch sein sollte. Das Fondsvolumen sollte nicht unter 50 Millionen Euro liegen. Sonst besteht die Gefahr, dass der Fonds irgendwann geschlossen wird. Dann kann das Geld eventuell steuersparend umgeschichtet werden, aber möglicherweise nur in einen unattraktiven Fonds. Im schlimmsten Fall geht nicht einmal das. Dann muss das Geld neu angelegt werden - und die Abgeltungssteuer wird beim Verkauf fällig.

Was ist die Abgeltungssteuer?

Vom 1. Januar 2009 an müssen Zinsen, Dividenden und alle Kursgewinne versteuert werden. Dividenden sind künftig voll und nicht mehr nur zur Hälfte anzusetzen. Es gilt unabhängig vom Einkommen ein Steuersatz von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer. Für die meisten ist das weniger als bisher, wo noch der persönliche Einkommensteuersatz maßgeblich war.

Wer derzeit weniger Steuern zahlt, kann sich über die Steuererklärung künftig zu viel gezahlte Abgaben zurückholen. Die anderen müssen die Kapitalerträge nicht mehr angeben. Denn die Abgeltungssteuer wird direkt von der Bank an den Fiskus überwiesen, die Steuerschuld des Anlegers ist damit „abgegolten“. Für Auslandseinkünfte und die Verrechnung von Gewinnen mit Verlusten bei verschiedenen Banken oder aus unterschiedlichen Jahren ist aber weiter die Steuererklärung notwendig. Bei Immobilien, langlaufenden Versicherungen und Riesterverträgen ändert sich nichts.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.12.2007, Nr. 52 / Seite 48
Bildmaterial: FAZ.NET

Überblick Wertentwicklung
Anlage-
schwerpunkt
Fond-
anzahl
Mon. Performance
Top %Flop %
Aktien 2.963 +2,53 -15,25
Andere 5.365 +0,00 -7,22
Derivative 46 +0,00 -1,19
Geldmarkt-/nahe 225 +0,99 -1,28
Gemischte 229 +3,24 -6,41
Renten 1.321 +6,05 -4,26
Quelle: Morningstar
Finden
NamePunkteProzent
Dax 6.457,90 +0,27
TecDax 725,67 +0,57
DowJones 11.392,43 +0,38
Nasdaq 2.306,18 +1,14
STOXX 50 3.353,66 -0,03
Nikkei 225 13.334,76 -1,97
S&P 500 Zert. 12,50 -2,34
Euro/Dollar 1,57 -0,01
Bund Future 110,78 -0,14
Gold 922,60 -0,55
Öl 125,98 +0,80
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008

Quellen: IS.eFinance Solutions using Deutsche Börse AG, Morningstar und weitere. IS.eFinance Solutions implemented and powered by Interactive Data Managed Solutions AG, ©  1999-2007. Alle Börsendaten werden mit 15 Minuten Verzögerung dargestellt.