Von Daniel Mohr
10. Dezember 2007 Investieren mit Geld-zurück-Garantie, Chancen? Aber ja! Risiken? Natürlich nein! Mit diesen und ähnlichen Werbesprüchen wirbt die Zertifikatebranche für Garantiezertifikate. Auf den ersten Blick erscheinen sie verlockend, doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich einige Nachteile für den Anleger. So ist sein Kapitalerhalt bei vielen Produkten nicht vollständig garantiert, und die weitgehende Sicherheit vor Verlusten wird mit hohen Renditeeinbußen bezahlt.
Ein typischer Fall ist ein Garantiezertifikat von ABN Amro auf die Aktie der Deutschen Bank. Zu 91 Euro wurde es im September emittiert. Die Bank gibt zwar vor, einen Kapitalschutz zu bieten, bei der Rückzahlungssumme heißt es aber einschränkend: im Regelfall mindestens 70 bis 100 Prozent. Im Fall des Garantiezertifikats auf die Deutsche Bank werden mindestens 80 Euro zurückgezahlt und damit 12 Prozent weniger, als das Zertifikat zur Emission gekostet hat.
Begrenzung der Verluste zum Laufzeitende
Die 80 Euro sind wie bei fast allen Garantiezertifikaten auch nur zum Laufzeitende, hier am 16. Dezember 2011, garantiert. Zwischenzeitlich kann das Zertifikat auch durchaus weniger wert sein. Diese Begrenzung der Verluste zum Laufzeitende erkauft sich der Anleger teuer. In den mehr als vier Jahren Laufzeit partizipiert er zwar von möglichen Kursgewinnen der Aktie der Deutschen Bank, die Dividenden fließen aber dem Emittenten des Zertifikats zu. 2007 zahlte die Deutsche Bank immerhin 4 Euro Dividende je Aktie. Für die Laufzeit des Zertifikats kommen so - sollte die Dividende unverändert bleiben - 16 Euro zusammen.
Der Käufer des Zertifikats stellt sich damit nur dann gegenüber dem Direktkäufer der Aktie besser, wenn die Anteilsscheine bis Dezember 2011 auf weniger als 64 Euro fallen sollte (aktueller Kurs: 91 Euro). In allen anderen Fällen wäre der Kauf der Aktie wegen der Zahlung der Dividende attraktiver.
Garantie des Kapitalerhalts
Die Wirkung der entgangenen Dividende sollte auch bei Garantiezertifikaten auf Aktienindizes nicht unterschätzt werden. So emittiert die französische Bank BNP Paribas derzeit ein Europa Garantiezertifikat IV auf den Euro Stoxx 50. Der Anleger, der das Zertifikat zeichnet, bekommt Anfang Januar ein Stück zu 100 Euro und zahlt zudem 2 Euro Ausgabeaufschlag. Ihm wird die Rückzahlung von 100 Euro je Zertifikat zum Laufzeitende Anfang 2013 garantiert. In der Zeit profitiert der Anleger von Kursgewinnen.
Die Garantie des Kapitalerhalts ist jedoch teuer erkauft. Der Euro Stoxx 50 ist ein Kursindex, das heißt, er bildet die Kursentwicklung der Aktien ab. Dividendenzahlungen spielen bei der Indexentwicklung keine Rolle. Im Euro Stoxx 50 haben die Unternehmen 2007 durchschnittlich 3,7 Prozent Dividende gezahlt. Das beschriebene Zertifikat läuft 5 Jahre. Allein die Dividenden im Euro Stoxx 50 - so sie denn auf dem aktuellen Niveau verharren würden - hätten in dieser Zeit eine Rendite von 20 Prozent erbracht. Angenommen, der Index stünde in 5 Jahren genau da, wo er heute steht, erhielte der Zertifikatekäufer seinen Einsatz zurück. Ein Anleger, der jedoch 2007 sein Depot mit Aktien aus dem Euro Stoxx 50 bestückt hat, hätte ein Plus von 20 Prozent allein durch Dividendenzahlungen.
Von starken Gewinnen hat der Anleger nichts
Als weiteren Malus hat der Anleger bei dem beschriebenen Garantiezertifikat zudem zu verkraften, dass er an den Kursgewinnen des Index nur bis zu einem Stand von 70 Prozent über dem heutigen Niveau partizipiert. Von allen weiteren Indexgewinnen hat er nichts. Auch dies ist keine seltene Konstruktion, die der Finanzierung der Kapitalgarantie dienen soll.
Der Anleger sollte sich beim Kauf daher schon genau anschauen, inwieweit er an Gewinnen des Basiswerts beteiligt ist und wie stark sein Kapital wirklich geschützt ist. Dabei sollte besonders bedacht werden, dass die Kapitalgarantie zum Laufzeitende gilt und dass sie sich auf den Emissionspreis des Zertifikats bezieht.
So ist beispielsweise ein Garantiezertifikat der Hypo-Vereinsbank auf den Euro Stoxx 50 seit der Emission im Sommer 2004 im Wert von 100 auf 144 Euro gestiegen. Die Kapitalgarantie gilt jedoch nur für den Emissionspreis von 100 Euro. Kauft ein Anleger heute dieses Produkt, kann von Kapitalgarantie keine Rede mehr sein. Schließlich kann der Wert des Zertifikats von jetzt 144 bis auf 100 Euro am Laufzeitende im Sommer 2010 fallen.
Die Faszination des begrenzten Verlusts
Die beschriebenen Beispiele sind typisch, aber einfach. Viele Emittenten konstruieren ihre Produkte jedoch so, dass kaum mehr verständlich ist, an was der Anleger eigentlich partizipiert. So wirbt die West LB mit ihrem Bravissimo Zertifikat, das laut Reklame eine besondere Note in Ihr Depot bringt. Bei der kapitalgarantierenden Komposition sei die monatliche Wertentwicklung des Euro Stoxx 50 tonangebend, so die Bank. Bei den 36 Monaten Laufzeit würden die 8 besten Monate mit pauschal 4 Prozent interpretiert, die 28 schlechtesten Monate hingegen mit ihrer tatsächlichen Entwicklung berücksichtigt. Seit der Auflegung liegt das Zertifikat rund 7 Prozent im Plus, der Euro Stoxx 50 gut 20 Prozent. Bravissimo wird da kaum ein Anleger rufen.
Gleichwohl fasziniert die Tatsache, nur sehr begrenzt Verluste machen zu können, kombiniert mit der Aussicht auf, wenn auch stark beschnittene Gewinne, die Anleger. Mit gut 30 Prozent Anteil und mehr als 40 Milliarden Euro Anlagevolumen sind Garantiezertifikate mit abnehmendem Vorsprung die volumenstärkste Zertifikategattung. Vom Jahr 2009 an profitieren sie zudem von der Abgeltungssteuer. Statt wie bisher mit dem persönlichen Einkommensteuersatz werden die Erträge künftig mit dem für viele Anleger niedrigeren Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent besteuert.
Text: F.A.Z., 11.12.2007, Nr. 288 / Seite 25
Bildmaterial: Wolfgang Eilmes
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| Gemischte | 246 | +6,47 | -0,54 |
| Renten | 1.330 | +6,95 | -2,91 |
| Quelle: Morningstar | |||
| Tops & Flops | Prozent |
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