02. November 2006 Deutsche Anleger erhalten einen kostengünstigen Zugang zu den Rohstoffmärkten. An der Deutschen Börse beginnt an diesem Freitag der Handel mit einer breiten Palette von Indexzertifikaten auf einzelne Rohstoffe. Sie sind den dort schon gehandelten Indexfonds ähnlich - die Deutsche Börse spricht von einer Ergänzung - und bieten auch vergleichbare Kostenvorteile. Doch anders als die börsengehandelten Indexfonds auf Aktien und Anleihen sind die neuen Rohstofftitel - Exchange Traded Commodities (ETC) genannt - kein Sondervermögen. Im Fall der Insolvenz des Anbieters ist das angelegte Vermögen nicht automatisch separiert.
Die ETC bilden die Wertentwicklung einzelner Rohstoffe wie Kaffee, Zucker, Schweine und Rohöl ab oder beziehen sich auf Gruppen von Rohstoffen. Die zunächst 31 ETCs und Rohstoffkörbe werden ähnlich wie Aktien oder Anleihen gehandelt. Anleger können auf diese Weise direkt in die Rohstoffe investieren, ohne Terminkontrakte oder Rohstoffe physisch beziehen zu müssen. Üblicherweise wird der Wert des jeweiligen Indexstandes durch zehn geteilt, was den Ausgangswert in Dollar ergibt.
Ein Vermögen von einigen hundert Millionen Euro
Verändert sich der Wert des Rohstoffindex, bewegt sich auch der Preis des Wertpapiers im nahezu gleichen Umfang. Anbieter der neuen Rohstofftitel ist die britische Gesellschaft ETF Securities, ein von den großen Investmentbanken weitgehend unabhängiges Unternehmen, das vor vier Jahren mit einem Gold-Indexfonds begonnen hat. Ihre Fonds sind bereits in London notiert und verwalten ein Vermögen von einigen hundert Millionen Euro.
Direktanlagen in Rohstoffe sind deutschen Privatanlegern schon zuvor zugänglich gewesen. Bislang war das aber fast ausschließlich über Zertifikate möglich. Größte Anbieter sind hierzulande ABN Amro und Goldman Sachs, die jeweils rund 1000 Rohstoffzertifikate in der Auslage haben und vor allem an Privatanleger verkaufen. Der Nachteil der Zertifikate ist, daß sie als intransparent gelten und mit hohen Kosten belastet sind.
Spannen von mehreren Prozent sind keine Seltenheit
Es werden zwar keine Verwaltungsgebühren erhoben. Aber zum einen sind im Handel die Abstände zwischen An- und Verkaufspreisen sehr hoch. Spannen von mehreren Prozent sind keine Seltenheit. Zudem basieren die Zertifikate häufig auf einer Vielzahl von Derivaten, so daß die mitunter komplizierten Strukturen hohe Preisaufschläge für die Derivate verbergen können. Hinzu kommt das Emittentenrisiko, denn Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen, die ähnlich einer Anleihe wertlos sind, wenn der Emittent zahlungsunfähig werden sollte.
Die ETC-Rohstofftitel sind zwar auch Inhaberschuldverschreibungen. Bei ihnen ist aber nach Darstellung des Anbieters eine zusätzliche Absicherung für den Insolvenzfall eingebaut. Sie sind trotzdem - anders als die weiter verbreiteten börsengehandelten Indexfonds - kein Sondervermögen, das bei einer möglichen Insolvenz des Anbieters dem Anleger vorbehalten wäre.
Reichhaltige Palette
Die neuen Rohstofftitel locken mit einer im Vergleich zu Zertifikaten günstigeren Kostenbelastung. Die ETCs, die an der Deutschen Börse gehandelt werden, zweigen eine Verwaltungsgebühr von 0,49 Prozent pro Jahr ab. Zudem muß einmalig die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis einkalkuliert werden. Diese solle nicht mehr als 0,2 bis 0,6 Prozent betragen, sagt Graham Tuckwell, Gründer der Betreibergesellschaft ETF Securities. Zu Tageszeiten, wenn die großen Terminbörsen geschlossen sind, könnten die Spannen aber auch größer sein. Tuckwell arbeitet zunächst mit etwa zehn Marktmachern zusammen, die Preise für den An- und Verkauf der Anteile stellen sollen.
Über die genaue Struktur und den Inhalt der neuen Anlageprodukte können sich Anleger auf der gleichnamigen Internetseite von ETF Securities informieren. Gekauft wird von der Gesellschaft meist der nächstfällige Terminkontrakt eines Rohstoffs. Die Palette reicht von verschiedenen Ölsorten und Heizöl über Aluminium und Kupfer, Mais und Baumwolle bis hin zu lebenden Schweinen und Rindern. Wertpapiere auf Rohstoffkörbe beziehen sich zum Beispiel auf Lebendvieh, Energie, Edelmetalle oder Petroleum.
Relativ geringe Kostenbelastung
Börsengehandelte Indexfonds erfreuen sich schon in einigen anderen Anlageklassen wie Anleihen und Aktien großer Beliebtheit. So ist allein das verwaltete Vermögen der an der Deutschen Börse gehandelten Indexfonds innerhalb von fünf Jahren von 2 auf 37 Milliarden Euro gewachsen. Wie auch die ETC-Rohstofftitel orientieren sich die Aktienindexfonds strikt an einem Index. So werden zum Beispiel der Euro Stoxx 50, der amerikanische S&P-500 oder der Deutsche Aktienindex Dax nachgebildet. Die Rendite des Anlegers liegt damit nie über der Indexentwicklung - aber abgesehen von den Kosten auch nie nennenswert darunter.
Dabei ist die Kostenbelastung relativ gering. Weil kein hochbezahlter Manager die Zusammensetzung des Index überwachen muß, liegen die Kosten meist unter 0,5 Prozent pro Jahr. Lediglich exotische Anlagen, zum Beispiel chinesische Indizes, können darüber liegen. Ein Indexfonds auf Pfandbriefe kommt dagegen sogar mit lediglich 0,1 Prozent jährlich aus.
Text: ruh. / F.A.Z., 03.11.2006, Nr. 256 / Seite 21
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET
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