Altersvorsorge

Der Steuerkick für die Rente

Von Dyrk Scherff

18. Juni 2007 Gut gemeint, aber schlecht gemacht: So wurde bisher die Rürup-Rente beurteilt. Es gibt sie schon seit 2005. Doch lange war sie ein Rohrkrepierer, obwohl vor allem Selbständige dadurch eine steuerlich attraktive Altersvorsorge aufbauen konnten. Doch jetzt scheint die Wende geschafft: Die Rürup-Rente wird immer beliebter.

Im ersten Quartal schossen die Neuabschlüsse nach oben. 52.000 neue Verträge wurden vereinbart, 60 Prozent mehr als in den ersten drei Monaten des Vorjahres. In den Monaten danach dauerte der positive Trend an.

Der Staat unterstützt die Vorsorge

Insgesamt haben jetzt 350.000 Menschen eine nach ihrem Erfinder, dem Finanzwissenschaftler Bert Rürup, benannte Rente. Das ist noch wenig im Vergleich zu den acht Millionen Riester-Policen. Das überrascht aber auch nicht, weil sich die Rürup-Rente vor allem an Selbständige und Gutverdiener richtet und damit an weniger Menschen als die Riester-Rente.

Die Rürup-Rente - im Fachjargon auch Basisrente genannt - ist eine spezielle private Rentenversicherung, die frühestens im Alter von 60 Jahren monatliche Renten auszahlt. Der Staat unterstützt die Vorsorge, indem wie bei der staatlichen Rente in diesem Jahr 64 Prozent der Beiträge von der Steuer abgesetzt werden können - maximal 12.800 Euro für Ledige, Verheiratete das Doppelte.

Deutlich verbesserte Regeln

Der Prozentsatz steigt jedes Jahr um zwei Prozentpunkte, bis schließlich 2025 die Beiträge komplett bis zu 20.000 Euro steuerfrei sind. Die Auszahlungen sind zu versteuern, in diesem Jahr mit 54 Prozent. Bis 2040 steigt der Satz auf 100 Prozent.

Im Januar wurden die Regeln deutlich verbessert - ein Grund für den Anstieg der Neuabschlüsse. Die wichtigste Änderung war dabei: Die Beiträge zur Rürup-Rente können jetzt vom ersten Euro an von der Steuer abgesetzt werden. Bisher ging das abhängig von anderen zu zahlenden Versicherungsprämien faktisch erst bei Summen deutlich über 2000 Euro im Jahr.

„Die Rürup-Rente ist attraktiver geworden“

Über die neue Großzügigkeit freuen sich daher vor allem jene, die nur geringe Beiträge leisten. Sie konnten häufig fast gar nichts von der Steuer absetzen. Jetzt geht alles. Wer hingegen große Prämien leistete, störte sich nicht sehr an dem Sockel, der nicht abziehbar war.

Reicht die Rente?

Reicht die Rente?

„Die Rürup-Rente ist attraktiver geworden. Es lohnt sich nun zu prüfen, ob ein Abschluss in Frage kommt“, beurteilt denn auch Vermögensverwalter Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum die neuen Regeln. Im Vergleich zu einer privaten Rentenversicherung sei die Rürup-Rente jetzt fast immer steuerlich besser, sofern eine Bedingung erfüllt ist: dass der Steuersatz im Rentenalter unter dem in der Einzahlphase liegt.

„Nichts schlägt eine gute Rendite“

Der Renditeunterschied kann bei gleicher Vorsteuerrendite nach Steuern mehr als einen Prozentpunkt ausmachen. Mehr als sechs Prozent nach Steuern sind mit den besten Versicherern drin - sofern der Versicherte mindestens 90 Jahre alt wird. Nach einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen sind Europa, Asstel und Debeka führend (siehe Tabelle).

Doch trotz der Steuervorteile wollen Experten die Rürup-Rente nicht uneingeschränkt empfehlen. „Nichts schlägt eine gute Rendite“, betont etwa Wolfgang Krappe vom Vermögensverwalter Equinet. Und da gebe es Besseres als die Rürup-Rente. Zum Beispiel Aktienfonds. Gerade für jüngere Sparer seien sie unverzichtbar, und sie seien auch nach Steuern attraktiv. Fondsbasierte Rürup-Renten hingegen litten oft unter hohen Kosten.

Sehr unflexibel

Ein weiterer Nachteil: Die Einzahlungen sind zwar vor Verpfändungen geschützt, etwa wenn der Selbständige mit seinem Unternehmen insolvent wird. Aber die Renten sind nicht verleihbar, nicht als Sicherheit zu hinterlegen und können nicht in einem Betrag ausgezahlt werden. Damit sind sie sehr unflexibel. Mit dem Tod verfallen die Ansprüche. Nur gegen einen Aufpreis können die Hinterbliebenen abgesichert werden.

Am ehesten lohnt sich eine Rürup-Rente für Selbständige. Denn sie können von ihren Beiträgen bis zu 12.800 Euro absetzen, während Arbeitnehmer davon noch die Einzahlungen in die staatliche Rente abziehen müssen - je nach Einkommen verbleiben danach nur noch bis zu 4800 Euro, die absetzbar sind.

Zudem wiegt die mangelnde Flexibilität bei Angestellten schwerer, weil ja schon die staatliche Rente solche Einschränkungen kennt, während der Selbständige privat vorsorgt. Arbeitnehmer sollten stattdessen erst mal riestern. „Das ist steuerlich gegenüber der Rürup-Rente privilegiert“, sagt Vermögensverwalter Huber. Denn die Einzahlungen in die Riester-Rente könnten schon jetzt zu 100 Prozent abgesetzt werden.

Interessant für Ältere

Besonders interessant ist die Basisrente paradoxerweise für Ältere über 60 Jahre. Sie zahlen nur kurz ein, können dies steuerlich geltend machen, müssen aber nur vergleichsweise wenig versteuern. Rentner könnten einmalig einen größeren Betrag in eine Rürup-Versicherung einbezahlen und zu 64 Prozent steuerlich geltend machen.

Das senkt den Steuersatz in einem Jahr, in dem zum Beispiel eine größere Summe zu versteuern ist. Gleich im nächsten Jahr können sie sich dann ihre Rürup-Rente auszahlen lassen und müssen sie nur mit 56 Prozent versteuern.

Wer sich für eine Basisrente interessiert, sollte noch ein paar Monate warten. Dann werden auch Fonds und Banken erstmals mit Rürup-Renten an den Markt gehen. Sie könnten mit niedrigeren Kosten als die Versicherer locken.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: F.A.Z., F.A.Z.-Dieter Rüchel

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