Schwellenländer

Zertifikate auf die Golfregion bieten hohe Renditen

Von Daniel Mohr

18. Dezember 2007 Der Burj Dubai Tower soll mehr als 800 Meter hoch werden. Drei neue Palmeninseln sind vor der Küste von Dubai geplant, in 20 Jahren Bauzeit soll der Stadtteil Dubai Marina entstehen, und 166 Kilometer Metro-Streckennetz sollen bis zum Jahr 2015 gebaut werden. In Dubai wird geklotzt und nicht gekleckert. Jedes dieser Projekte kostet alleine schon mehrere Milliarden Dollar.

Damit der westliche Anleger nicht nur staunt und zuschaut, haben mehrere Banken Zertifikate auf Aktienkörbe dieser Region aufgelegt. So kam im Sommer das Emirates Property & Infrastructure Zertifikat von ABN Amro auf den Markt. Es soll dem Anleger eine Beteiligung an der Entwicklung der Bauunternehmen in Dubai, Abu Dhabi, Katar und Kuweit ermöglichen. Denn nicht nur in Dubai läuft der Bau auf hohen Touren, auch in anderen Regionen am Golf wird kräftig gebaut.

So entsteht in Katar eine Stadt mit 8.000 Strandvillen, mit Fünf-Sterne-Hotels und Yachthäfen, in Kuweit werden ebenfalls neue Inseln angelegt, riesige Hotels gebaut und neue Städte aus dem Boden gestampft.

Alleine in Flughäfen fließen Milliardengelder

Längst verlässt sich die Region nicht mehr nur auf die sprudelnden Öleinnahmen, sondern lockt mit diesen ungewöhnlichen Bauvorhaben zahlreiche Touristen an. Deshalb wird am Golf auch sehr rege in Flughäfen investiert. Projekte für mehr als 20 Milliarden Dollar (umgerechnet knapp 14 Milliarden Euro) sind für die nahe Zukunft geplant.

ABN Amro lässt Standard & Poor's für das Zertifikat zehn Aktien aus den Bereichen Hoch- und Tiefbau, Gebäudeausrüster, Infrastruktur und Geschäfts- und Wohnimmobilien aussuchen. Die Zusammensetzung dieses Aktienkorbes soll halbjährlich überprüft werden. Die Aktien müssen eine Marktkapitalisierung von mindestens 500 Millionen Dollar haben und ein Minimum an Liquidität aufweisen.

Wenig entwickelte Kapitalmärkte erschweren die Aktienanlage

Damit wird auch einer der kritischsten Punkte der Anlageregion Golf offenbar. Die Kapitalmärkte sind längst nicht so entwickelt wie in westlichen Industrieländern. Die Zugangsmöglichkeiten für Anleger, besonders für ausländische, sind begrenzt, und die Handelsvolumina steigen zwar stark, entsprechen aber oftmals längst nicht westlichen Maßstäben. Deswegen hat sich außer ABN Amro bisher nur die Deutsche Bank als größeres Kreditinstitut mit Anlagezertifikaten auf die Region am Golf hervorgetan.

Die nach westlichem Maßstab noch wenig entwickelten Kapitalmärkte erschweren die Aktienanlage. Denn eine Börse, an der sich vergleichsweise wenig Handel abspielt, bietet meist auch nur eine geringe Zahl an Tauschpartnern. Wer für eine Aktie, die er verkaufen will, nur 20 potentielle Käufer findet, bekommt unter Umständen einen schlechteren Preis, als wenn es 200 wären.

Investmentstory bietet keine Gewinngarantie

Daher sollten Käufer eines solchen Zertifikats besonders aufmerksam zur Kenntnis nehmen, dass die Geld-Brief-Spanne, also der Unterschied zwischen dem höheren Kaufpreis und dem niedrigeren Verkaufspreis, mit 2,5 Prozent recht hoch liegt und ABN Amro sogleich den Zusatz nachschiebt, dass dies auch nur "unter normalen Marktbedingungen" gelte.

0,75 Prozent jährliche Verwaltungsgebühr werden zudem fällig, und die Basiswährung ist der amerikanische Dollar. Der Anleger trägt also ein Währungsrisiko. Gleichwohl werden die bisherigen Käufer des Zertifikats ihre Anlage nicht bereuen. Ende Juli wurden die Anteilsscheine zum Preis von 70 Euro emittiert, aktuell bekäme der Anleger bei einem Verkauf 86 Euro dafür.

Die Investmentstory ist jedoch weit davon entfernt, eine Garantie für Gewinne zu sein. Die Deutsche Bank warb im Jahr 2005 damit, den Anlegern werde "erstmals die Möglichkeit eröffnet, an der einzigartigen Wachstumsgeschichte Dubais teilzuhaben". Auch hier fehlte der Verweis nicht, dass mittlerweile Handel, Finanzen und Tourismus die Säulen der Wirtschaft seien, während die Bedeutung der Erdöleinnahmen mit sinkender Tendenz längst weniger als 10 Prozent ausmache.

Schlechtere und bessere Zertifikate

Sieben Aktien - notiert im an den amerikanischen Dollar gekoppelten Dirham - wählte das größte deutsche Kreditinstitut als Basiswert für sein Dubai Top Select Zertifikat (Isin DE000DB52810) aus. Finanzen, Bau, Immobilien und Industrie sind die Branchen. Die Indexzusammensetzung wird nicht angepasst. Bedauerlich für die Anleger, denn besonders glücklich war die Auswahl offenbar nicht. Emittiert wurde das Zertifikat im Oktober 2005 zu 110 Euro, heute ist es nur noch die Hälfte wert. Von den sieben Werten im Index liegen sechs seit der Auflage zwischen 22 und 66 Prozent im Minus. Nur das Bauunternehmen Arab Technical Construction weist ein Kursplus von 57 Prozent auf. Zudem liegt auch hier die Geld-Brief-Spanne mit knapp 3 Prozent recht hoch.

Mit dieser Entwicklung gehört es jedoch zu den unrühmlichen Ausnahmen der Anlageprodukte für diese Region. Die Deutsche Bank scheute sich nämlich nicht, eine Reihe weiterer Produkte aufzulegen. So gibt es seit April das Abu-Dhabi-Top-Select-Zertifikat auf sechs Aktien aus Abu Dhabi - vier Banken und zwei Energieunternehmen. Das Zertifikat ist bisher von gut 10 auf knapp 14 Euro gestiegen. Ebenfalls im April kam das Katar-Top-Select-Zertifikat (Isin DE000DB1QAT7) auf sieben Aktien aus Katar. Die Mischung aus vier Banken, zwei Energieunternehmen und einem Telekommunikationsdienstleister brachte bisher eine Wertsteigerung von gut 12 auf nun gut 14 Euro je Zertifikat.

1,25 Prozent Verwaltungsgebühr pro Jahr

Seit August 2006 bietet ABN Amro den Anlegern zudem ein Middle East Zertifikat (Isin NL0000639318). Hier wird die Länderauswahl verbreitert, und auch die Titelauswahl ist größer. Die breitere Streuung reduziert das Risiko. 30 Titel wurden von den Experten der niederländischen Bank ausgewählt. Die Vereinigten Arabischen Emirate bilden mit einem Anteil von 38 Prozent den Schwerpunkt, Kuweit folgt mit 23 Prozent, vor Katar mit 20 Prozent, Ägypten mit 12 Prozent und Jordanien mit 7 Prozent.

Seit der Emission vor knapp anderthalb Jahren ist der Preis für ein Zertifikat von 78 auf nun gut 100 Euro gestiegen. Dafür muss der Anleger 1,25 Prozent Verwaltungsgebühr im Jahr zahlen. Besonders hoch ist zudem die ausgewiesene Geld-Brief-Spanne von 4,5 Prozent. Aktuell beträgt sie jedoch nur rund 3 Prozent. Dennoch: Wer das Zertifikat zum aktuellen Kurs von 105 Euro kauft, bekommt beim Verkauf in derselben logischen Sekunde nur knapp 102 Euro dafür. An der Differenz verdient die Bank.



Text: F.A.Z., 18.12.2007, Nr. 294 / Seite 23
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS

Überblick Wertentwicklung
Anlage-
schwerpunkt
Fond-
anzahl
Mon. Performance
Top %Flop %
Aktien 3.142 +0,00 -25,02
Andere 5.676 +0,00 -9,43
Derivative 51 +0,00 -5,84
Geldmarkt-/nahe 227 +3,68 -3,41
Gemischte 264 +1,03 -15,20
Renten 1.363 +4,61 -8,80
Quelle: Morningstar
Finden
NamePunkteProzent
Dax 4.861,63 -6,49
TecDax 553,00 -5,63
DowJones 8.577,91 -7,87
Nasdaq 1.628,33 -8,47
STOXX 50 2.578,06 -6,48
Nikkei 225 9.547,47 +1,06
S&P 500 Zert. 9,83 -2,58
Euro/Dollar 1,34 -0,12
Bund Future 114,06 +0,13
Gold 841,38 -0,81
Öl 70,31 -8,34
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