Von Steffen Uttich
06. Mai 2008 Das Bundesfinanzministerium hat den geplanten Schlag gegen Fonds mit einem Investitionsschwerpunkt in Anlagezertifikaten deutlich abgemildert. Der gegenwärtig kursierende Referentenentwurf zum Jahressteuergesetz 2009 lässt den Anbietern einige Schlupflöcher, durch die ein Großteil der möglichen steuerfreien Erträge gerettet werden kann, wenn ein Anleger noch vor dem Inkrafttreten der Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge im kommenden Jahr die entsprechenden Fondsanteile erwirbt.
So sollen Gewinne aus Anlagezertifikaten, die von einem Fonds noch vor dem kommenden Jahreswechsel erworben werden, den Privatanlegern auch nach 2008 steuerfrei zugewiesen werden können. Für Anlagezertifikate, die von einem Fonds ab 2009 erworben werden, soll die Steuerfreiheit dann zwar nicht mehr gewährt werden, weil sie ab diesem Zeitpunkt als Zinsanlage (ausschüttungsgleiche Erträge) eingestuft werden.
Der Schlag geht weitgehend ins Leere
Diese Einschränkung im Bestandsschutz geht aber davon aus, dass die Anlagezertifikate direkt in der üblichen rechtlichen Form einer Inhaberschuldverschreibung erworben werden. Weil jedoch die Fonds, die der Gesetzgeber ursprünglich treffen wollte, in ihrem Portfolio meistens eine zugrundeliegende Zertifikatestruktur über Termingeschäfte (Swaps) abbilden, geht dieser Schlag weitgehend ins Leere. Gewinne aus Termingeschäften gelten nämlich auch künftig nicht als ausschüttungsgleiche Erträge.
Mit einem Kunstgriff hatten Zertifikateanbieter in den vergangenen Monaten begonnen, die steuerliche Benachteiligung von Zertifikaten vor der Einführung der Abgeltungsteuer von 25 Prozent abzumildern. Vor einem Jahr klammerte der Gesetzgeber diese Form der Geldanlage bewusst vom Bestandsschutz aus, weil vor der Einführung der Abgeltungsteuer Zertifikate mit einer sehr langen beziehungsweise unbegrenzten Laufzeit auf den Markt kommen sollten, deren zugrundeliegender Basiswert jederzeit hätte geändert werden können. Die damit angestrebte langfristige Umgehung der Gewinnbesteuerung war zu offensichtlich. Seither unterliegen Zertifikate faktisch schon der Abgeltungsteuer, wenn sie nach dem 30. Juni 2009 mit Gewinn verkauft werden.
Viele Emittenten packten Zertifikate in einen Fondsmantel
Weil zahlreiche Zertifikateemittenten daraufhin begannen, ihre Zertifikate in einen Fondsmantel zu packen, sahen die Beamten im Finanzministerium in den vergangenen Monaten plötzlich Handlungsbedarf. Schließlich genießen die Fonds weiterhin Bestandsschutz, das heißt mit den heute gültigen steuerlichen Regeln können Kursgewinne nach einer Mindesthaltedauer von zwölf Monaten auch ab 2009 steuerfrei vereinnahmt werden, wenn die Fondsanteile vor 2009 erworben wurden. Über eine luxemburgische Investmentgesellschaft (Sicav) oder eine Investmentgesellschaft aus Frankreich (SAS) lässt sich eine solche Umgehungsstrategie ohne größeren Aufwand umsetzen.
Inzwischen bietet beispielsweise die Deutsche Bank mehrere Bonuszertifikate als DB Platinum Bonus Fonds an. Bei der Hypo-Vereinsbank gibt es einen ähnlich ausgerichteten HVB Bonus Fonds, der Privatkunden als steueroptimierte Anlagestrategie angepriesen wird. Die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch nennt ihr Bonuszertifikat im Fondsmantel ML Global Bonus Fonds.
Komplexe Strukturen auf dem Markt
Die Schweizer Großbank UBS hat eine komplexe Zertifikatestruktur unter dem Namen LSAM Rolling Step Down Express als Fonds auf den Markt gebracht. Mit Allianz Global Investors macht sich aber auch ein etablierter Fondsanbieter die Argumentation zu eigen, indem er seine schon länger auf dem Markt befindlichen Zertifikatefonds mit dem Hinweis verbindet, dass sich mit ihnen Steuervorteile länger konservieren lassen als durch Einzelzertifikate mit kurzen Laufzeiten.
Zunächst war unter den Anbietern die Befürchtung laut geworden, dass die elegante Umgehung der steuerlichen Sanktionen vom Gesetzgeber auf einen Schlag unterbunden wird, indem Zertifikatefonds steuerlich wie einzelne Anlagezertifikate behandelt werden und damit ihren Bestandsschutz vor der Abgeltungsteuer verlieren.
Der jetzt vorgelegte Gesetzentwurf bleibt jedoch weit dahinter zurück. Innerhalb der Zertifikatebranche geht man derzeit nicht davon aus, dass im weiteren Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens doch noch zum großen Schlag gegen den Kunstgriff ausgeholt wird. Die Signale aus der Politik werden so gedeutet, dass das Fondsmodell letztlich toleriert wird.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance / dpa
| Anlage- schwerpunkt | Fond- anzahl | Mon. Performance | |
|---|---|---|---|
| Top % | Flop % | ||
| Aktien | 2.963 | +2,53 | -15,25 |
| Andere | 5.365 | +0,00 | -7,22 |
| Derivative | 46 | +0,00 | -1,19 |
| Geldmarkt-/nahe | 225 | +0,99 | -1,28 |
| Gemischte | 229 | +3,24 | -6,41 |
| Renten | 1.321 | +6,05 | -4,26 |
| Quelle: Morningstar | |||
| Tops & Flops | Prozent |
|---|---|
| Renten CZK | +6,05 |
| Renten Europa Emerging Market | +3,49 |
| Gemischte Fonds Türkei (neut) | +3,24 |
| Aktien Norwegen | -15,25 |
| Aktien Thailand | -15,19 |
| Aktien Indonesien | -14,50 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.457,90 | +0,27 |
| TecDax | 725,67 | +0,57 |
| DowJones | 11.392,43 | +0,38 |
| Nasdaq | 2.306,18 | +1,14 |
| STOXX 50 | 3.353,66 | -0,03 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,50 | -2,34 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,01 |
| Bund Future | 110,78 | -0,14 |
| Gold | 922,60 | -0,55 |
| Öl | 125,98 | +0,80 |
