Von David Bogoslaw

Einzelhandelsketten wie Circuit City Store werden noch am ehesten Gewinn aus den Stimulus-Schecks der amerikanischen Regierung ziehen
26. Mai 2008 Die amerikanische Regierung ist so erpicht darauf, mit ihrem Stimulus-Paket die Wirtschaft in Gang zu bringen, dass das Finanzministerium sogar den kürzlich Verstorbenen einen Rabatt-Scheck zukommen lässt. George Paquin, Finanzplaner aus Chelmsford, Massachussetts, ist sich sicher, dass ein ehemaliger Kunde, der im vergangenen Jahr verstarb, den Scheck auf sein Bankkonto eingezahlt hätte.
Seine Tochter und Nachlassverwalterin dagegen wird ihn für die Einrichtung ihrer neuen Wohnung verwenden. Tot oder lebendig - ein Kunde mit einem Rabatt-Scheck wäre derzeit bei vielen Einzelhändlern willkommen. Diese müssen mit ansehen, wie ihre Gewinne angesichts der rückläufigen Konjunktur und einer drastischen Erhöhung der Lebensmittel- und Energiepreise in den Keller stürzen.
Dieses Mal dürfte es anders sein als 2001
Zwischen Mai und Juli rechnen 130 Millionen Amerikaner damit, einen Rabatt-Scheck zu erhalten. Allerdings ist sich nicht jeder so sicher, dass die 600 bis 1800 Dollar, die jedem berechtigten Haushalt zugeteilt werden, in Güter des gehobenen Bedarfs fließen, wie dies 2001 der Fall war, als zuletzt derartige Schecks vergeben wurden.
Beim damaligen Konjunkturrückgang handelte es sich um eine wirtschaftlich bedingte Rezession, die das Verbrauchervertrauen nicht sonderlich beeinträchtigte, während die Verbraucher diesmal von allen Seiten bedrängt werden: von sinkenden Immobilienpreisen, ausgeschöpftem Eigenkapital für den Wohnungsbau sowie explodierenden Lebensmittel- und Benzinpreisen, meint Chris Sunderland, Senior Portfolio Manager in der Global Fundamental Strategies Group bei State Street Global Advisors in Boston.
Abzahlung hoher Schulden
Die Rabatte des neuen Stimulus-Programms sind gegenüber 2001 nicht mit nachhaltigen Steuersenkungen verbunden. Das bedeutet, dass sie die Haushaltskassen wohl nur vorübergehend aufbessern, schrieb Analyst Michael Exstein am 6. Mai in einer Forschungsnotiz für Credit Suisse Equity Research.
Da die Haushaltsverschuldung - durch Verbraucherdarlehen und Hypotheken - seit 2001 um 80 Prozent in die Höhe geschnellt ist und Steuersenkungen in weite Ferne gerückt sind, könnte es sein, dass die Verbraucher ihre Rabatt-Schecks diesmal lieber sparen oder zur Tilgung ihrer Schulden verwenden, statt einkaufen zu gehen, so Exstein.
Wenn dies der Fall ist, könnten Kreditkartenherausgeber wie Capital One Financial und American Express am meisten profitieren.

Auch das eine oder andere Luxusgeschäft wie dieser von Hermès gegenüber der New Yorker Börse dürfte von den Stimulus-Schecks profitieren
Mit diesen Anzahlungen jedoch werden die meisten Familien ihre Schulden nicht dauerhaft abtragen, da sie hiermit letztendlich nur ihren Kreditrahmen erhöhen und mit Beginn der Urlaubssaison ihre Karten wieder aufladen, sagen einige Analysten. In diesem Fall fließen die Rabatte schließlich doch wieder der Wirtschaft zu.
Jagd nach Luxusschnäppchen
Nach Ansicht von Doug Roberts, Chefinvestmentstratege bei Channel Capital Research in Shrewsbury, New Jersey, ist die Verwendung der Rabatt-Schecks von der finanziellen Lage der einzelnen Haushalte abhängig. Diejenigen, die kaum über die Runden kommen und mit der Abzahlung ihrer Hypotheken und anderer Rechnungen im Rückstand sind, werden das Geld wohl für die Rückzahlung ihrer teuersten Darlehen verwenden, meint Roberts, während es diejenigen, die finanziell ganz gut gestellt sind, aber Zukunftsängste haben, für ein erschwingliches Luxusgut ausgeben - aber nur, wenn sie es zu einem beachtlichen Preisnachlass erwerben können.
Statt in Urlaub zu fahren, geben sie vielleicht eine Grillparty in ihrem Garten und grillen ein Steak [von einem Discounter wie Sam's Club] anstelle eines Burgers, sagt er. Sie werden keine teuren Anschaffungen vornehmen.
Bei der dritten Gruppe, die wohlhabender ist, aber deren Haushaltseinkommen immer noch unter der Grenze von 150.000 Dollar liegt, werden die Rabatt-Schecks das normale Ausgabeverhalten nicht nennenswert beeinflussen, meint er.
Das Geld muss den Grundbedarf decken helfen
Da die Lebensmittel- und Energiepreise weiter steigen und die Verbraucher einen Anstieg der Arbeitslosigkeit und sinkende Einkommen erwarten, wird ihnen nach Auffassung vieler Investmentstrategen nichts anderes übrig bleiben, als das Geld zur Deckung ihres Grundbedarfs zu verwenden, der in den vergangenen Monaten ein Loch in ihre Kassen gerissen hat.
Die Verbraucherpreisdaten vom April zeigten einen Anstieg der Lebensmittelpreise um 18 Prozent im Vorjahresvergleich, während die Benzinpreise in der vergangenen Woche in allen Teilen der Vereinigten Staaten durchschnittlich bei 3,79 Dollar pro Gallone (knapp 3,8 Liter) lagen und Prognosen zufolge die Vier-Dollar-Marke durchbrechen werden, wenn der Ölpreis 150 Dollar pro Barrel erreicht. Hiervon ist er derzeit keine 17 Dollar entfernt.
Lockangebote bei Lebensmitteln
Die meisten Lebensmittelhändler werben mit Angeboten wie einem zehnprozentigen Discount um die Rabatt-Schecks, meint Karen Short, Analystin bei Friedman Billings Ramsey in New York. Die Anreize basieren meist auf Geschenkkarten zur Belohnung von Dauerkunden, und es werden verschiedene Discount-Kategorien angeboten, die sich nach dem Ausgabeverhalten des Kunden im Laden richten, erklärt sie.
Das gegenwärtige ökonomische Umfeld unterscheidet sich jedoch von früheren Konjunkturschwächen.
Wo hat sich ein Bedarf angestaut? Bei den iPods, oder eher bei den aufzufüllenden Regalen und den abzuzahlenden Schulden? fragt sie. Ich glaube, dass derzeit ein angestauter Bedarf nach günstigeren Lebensmitteln besteht. Somit ist Kroger sehr gut aufgestellt, von diesem Umfeld sowie von Lockangeboten zu profitieren.
Auch der niederländische Supermarktkonzern Ahold dürfte gut abschneiden, da seine Stop & Shop-Lebensmittelkette den Kunden ebenfalls Geschenkkarten anbietet.
Lohnt sich die Fahrt?
Während wohl all diejenigen Unternehmen von den Rabatten profitieren werden, die ihre Verkaufsangebote auf diese abstimmen, dürften Einzelhändler wie Wal-Mart, Costco Wholesale und BJ's Wholesale Club eher zum Erfolg kommen, indem sie andere Einzelhändler unterbieten, glaubt Roberts.
Frau Short von Food Business Review kontert, dass die Discounter nicht mehr so stark im Vorteil sind wie früher, da Unternehmen wie Kroger ihre Preise gesenkt haben, um besser mit ihnen konkurrieren zu können.
Heute ist der Preisvorteil bei Wal-Mart nicht annähernd so hoch wie im Jahr 2001. Wenn die Benzinpreise so hoch bleiben, wie sie derzeit sind, ist die Fahrt zu Wal-Mart bei weitem nicht so attraktiv, meint Short. Durch die höheren Benzinpreise sparen die Verbraucher bei ihrem Einkauf nicht genügend Geld, um die Benzinausgaben wettzumachen, ergänzt sie.
Die steigenden Preise für Grundgüter wie Lebensmittel haben die Verbraucher gezwungen, zunächst einmal keine Waren des gehobenen Bedarfs zu kaufen. So glauben einige Marktteilnehmer, dass viele Verbraucher das Gefühl haben, sich für ihre bisherige Disziplin belohnen zu müssen. Wenn dies der Fall ist, so sind nach Ansicht von Analysten die Bekleidungs- und Elektronikeinzelhändler die größten Gewinner.
Wie gefundenes Geld
Finanzberaterin Karen Altfest aus New York meint, dass ihr der Rabatt-Scheck, den ein frisch gebackener Rentner sehnlichst erwartet, ein besseres Gefühl beim Kauf eines teuren Designerteppichs gibt, mit dem sie schon seit langem liebäugelt, obgleich sie einen beachtlichen Betrag zur Seite gelegt hat und sich den Kauf ohne weiteres leisten kann.
Analyst Sunderland von State Street geht davon aus, dass die Geschäfte, die Produkte im mittleren bis unteren Preissegment anbieten, am besten abschneiden werden, da der Preisbereich von 100 bis 500 Dollar die meisten Rabatt-Schecks anziehen wird. Accessoires wie Handtaschen, Schmuck und andere Wohlfühlartikel dürften die Verbraucher am meisten anlocken, prognostiziert er.
Da einige Verbraucher die Rabatt-Schecks als gefundenes Geld betrachten, könnte dieses in moderne Fernsehgeräte, Stereoanlagen oder Computerspielzubehör von Best Buy oder Circuit City Stores fließen, meint Daniel Binder, Analyst bei Jefferies in New York.
Best Buy hat einen Mehrwert aus den Rabatten einkalkuliert, macht jedoch keinerlei Angaben über die Höhe dieser zusätzlichen Gewinne, sagt Binder. Seiner Auffassung nach ist der Anstieg bereits vollständig im Aktienkurs enthalten. Er glaubt, dass die Rabatte in diesem Jahr einen vollen Prozentpunkt zum Umsatzwachstum vergleichbarer Geschäfte beitragen können.
Einmal richtig schön ausgehen?
Ein Restaurant- oder Kinobesuch dürfte für einige Familien das höchste der Gefühle sein, wenn man bedenkt, mit welchen Ängsten sie in die Zukunft schauen.
Restaurantketten mit angemessenen Preisen, zum Beispiel Darden, werden die Kunden anziehen, da die Stimulus-Schecks die Menschen dazu animieren, auszugehen und sich einmal etwas zu gönnen, meint Bruce McCain, Chefinvestmentstratege bei der Key Private Bank in Cleveland.
Viacom könnte von zwei potenziellen Blockbustern seiner Paramount-Pictures-Sparte profitieren: Iron Man, der bereits ein riesiger kommerzieller Erfolg ist, und Steven Spielbergs neueste Fortsetzung des Indiana-Jones-Franchise, die am 22. Mai in die Kinos gekommen ist. Disney dürfte mit seinem neu anlaufenden Prinz Kaspian, Teil zwei der Serie Die Chroniken von Narnia, ebenfalls recht gut abschneiden.
Obgleich die Rabatte ein Glücksfall für die Konsumgüterbranche und Restaurants sind, werden sie sich nur in einem Quartal auf die Umsätze und Gewinne auswirken, meint Dean Junkans, Chefinvestment-Officer bei der Wells Fargo Wealth Management Group in Minneapolis. Im zweiten Quartal könnte der Effekt bei rund 15 Prozent des persönlichen verfügbaren Einkommens liegen, doch damit dürfte das Ende der Fahnenstange erreicht sein, sagt er.
David Bogoslaw ist Reporter für den Investing Channel der Business Week.
Text: Business Week Online
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
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