05. März 2008 Nach zwei schwierigen Jahren kommen Fonds mit einem Schwerpunkt auf Euro-Staatsanleihen wieder aus der Versenkung hervor. Seit 2006 mussten ihre Anleger die Erfahrung machen, dass auch diese vermeintlich sichere Form der Fondsanlage Verluste bringen kann.
In den vergangenen sechs Monaten hat der Wind aber wieder gedreht. Angesichts der konjunkturellen Eintrübung in den Industrieländern und den immer größeren Schwankungen an den Aktienmärkten werden Staatsanleihen als sicherer Hafen wiederentdeckt.
Kreditkrisen-Gewinner unter Druck
Vor diesem Hintergrund fiel die Erholungsbewegung der Anleihekurse in diesem Jahr signifikant aus. Im Durchschnitt liegt der Wertzuwachs von Euro-Rentenfonds mit einem breit gestreuten Portfolio seit Jahresbeginn schon bei 2 Prozent.
Unter Druck stehen dagegen unter den Rentenfonds die großen Gewinner vor dem Ausbruch der Kreditkrise im vergangenen Sommer. Lange Zeit dominierten die Spezialisten für Wandelanleihen und riskante Schwellenmarktanleihen unsere Rangliste mit Rentenfonds, die über einen Zeitraum von drei Jahren die beste Wertentwicklung aufweisen. Diese Dominanz bröckelt jedoch in dem Maße ab, wie die Risikoscheu der Anleger zunimmt.
Wandelanleihen im Nachteil
So wird inzwischen der einstige Vorteil von Wandelanleihen mit der Korrekturbewegung an den Aktienmärkten immer mehr zum Nachteil. Wandelanleihen bieten eine vergleichsweise niedrige Verzinsung, wofür der Inhaber das Recht erhält, die Anleihe während der Laufzeit zu einem vorher vereinbarten Verhältnis in Aktien zu tauschen.
Vorzeigefonds in dieser Marktnische wie der DWS Convertibles oder der Credit Suisse Bond Convert Europe mussten über das vergangene halbe Jahr hinweg Preisabschläge zwischen einem und 6 Prozent hinnehmen.
Schwellenländerfonds schlagen sich unterschiedlich
Unter den Spezialisten für Anleihen aus Schwellenländern bietet sich ein gemischtes Bild. Im Durchschnitt haben die meisten Fonds seit einem halben Jahr ihren Anlegern Verluste gebracht. Allerdings waren Fondsmanager, deren Fonds sich in der Vergangenheit überdurchschnittlich entwickelt haben, in der Lage, sich mit der richtigen Portfoliomischung auch kurzfristig gegen den negativen Trend zu stemmen.
Zu ihnen gehört der Espa Bond Emerging-Markets des österreichischen Fondsanbieters Erste Sparinvest. Unter dessen größten Positionen sind vor allem russische und lateinamerikanische Schuldtitel zu finden. Entscheidend für den Anlageerfolg war zuletzt allerdings auch die Absicherung gegen einen schwachen Dollar.
Inflation als neues Thema
Die in den vergangenen Monaten gestiegenen Inflationsraten in Europa und Amerika werden zwar an den Rentenmärkten derzeit weitgehend ausgeblendet. Völlig ignoriert werden sie aber nicht.
Was sich in unserer Rangliste noch nicht spiegelt, ist der rasante Aufstieg der Rentenfonds mit einer Spezialisierung auf inflationsindexierte Anleihen. Bei dieser besonderen Form von Schuldtiteln werden zunächst wie bei normalen Anleihen regelmäßig Zinszahlungen an den Anleger überwiesen. Am Ende der Laufzeit wird das Geld zurückgezahlt. Allerdings sind Zins und Tilgung an einen Inflationsindex gekoppelt. Schwindet die Kaufkraft zum Beispiel um 2 Prozent, steigen der jährliche Zins und die Auszahlungssumme am Laufzeitende in gleicher Höhe.
Dieser Inflationsschutz ist stark gefragt. Das lässt sich nicht zuletzt an der Wertentwicklung der Rentenfonds mit einer Ausrichtung auf inflationsindexierte Anleihen ablesen. Seit Jahresbeginn haben sie im Durchschnitt einen Wertzuwachs von 4 Prozent verzeichnet. Setzt sich dieser Trend fort, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis der erste Rentenfonds dieser Art in der Rangliste auftaucht.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.