Insiderhandel

Ackermann ist nicht alleine

Geschenk zum Valentinstag: Josef Ackermann

Geschenk zum Valentinstag: Josef Ackermann

28. Februar 2006 Josef Ackermann hat sich am Valentinstag ein schönes Geschenk gegönnt - er verkaufte 67.711 Deutsche-Bank-Aktien zum Kurs von 87,27 Euro. Daraus ergab sich ein zu versteuernder Gewinn von rund einer Million Euro. Anshu Jain, Chef des Bereichs „Global Markets“ strich im Februar netto sogar gut 14 Millionen Euro ein, Michael Cohrs, Chef des Bereichs „Global Banking“ 8,9 Millionen Euro.

Diese Meldung - das war zu erwarten gewesen - schaffte es wieder ziemlich weit nach oben in die Schlagzeilen. Die Deutsche-Bank-Manager, so der unausgesprochene Vorwurf, kassieren heimlich Millionen, während immer mehr Arbeitsplätze verlorengehen. Sie kassieren Millionen, das stimmt. Doch heimlich tun sie das nicht.

Auch andere Manager handeln kräftig mit Aktien

Erlöste 14 Millionen Euro: Anshu Jain

Erlöste 14 Millionen Euro: Anshu Jain

Seit Juli 2002 müssen Vorstände, Aufsichtsräte und deren Angehörige melden, wenn sie Aktien des eigenen Unternehmens gekauft oder verkauft haben. Solche Eigengeschäfte („Directors' Dealings“) haben die Unternehmen nach Paragraph 15a Wertpapierhandelsgesetz im Internet zu publizieren.

FAZ.NET hat sich auf den Internetseiten der Dax-30-Unternehmen umgeschaut. Die Recherche zeigt: Die Manager der Deutschen Bank sind nicht die einzigen, die in beachtlichem Umfang mit Aktien ihres Arbeitgebers handeln. Und: Die Unternehmen machen es den Anlegern nicht immer ganz einfach, die gewünschten Informationen schnell zu finden.

Mehr als eine Beschäftigung für kalte Winterabende

Doch die Suche sollte sich lohnen, schließlich können die Aktionäre vom Wissen, wie die Insider handeln, profitieren. Denn wenn die Manager ihre Aktien, die sie meist im Rahmen von Aktienoptionsprogrammen zugeteilt bekommen, gleich wieder verkaufen, könnte die Vermutung naheliegen, daß sie dem Kurs keine großen Sprünge mehr zutrauen. Darum ist der Blick auf Insidergeschäfte mehr als eine Beschäftigung für kalte Winterabende. Gerade bei kleineren Unternehmen kann es ein wichtiges Signal sein, wenn der Chef, der oft ein großes Aktienpaket hält, die eigenen Papiere verkauft.

Allerdings darf man nicht vergessen, daß Aktienoptionen ein Gehaltsbestandteil sind. Und man kann den Managern nicht verübeln, daß sie gerne Bargeld statt „Naturalien“ sehen. Empörung ist schon deshalb nicht angebracht, weil die Aktionäre die entsprechenden Programme vorher auf der Hauptversammlung abgesegnet haben. Auch andersherum kann der Anleger profitieren: Wer Aktien kauft, sobald die Insider eingestiegen sind, erwirtschaftet oft eine überdurchschnittliche Rendite. Das hat eine Studie gezeigt, die 2004 veröffentlicht wurde (siehe auch: Investieren wie die Insider).

Bei Metro sucht der Aktionär vergebens

Auf den meisten Websites ist der Punkt „Directors' Dealings“ oder „Meldepflichtige Wertpapiergeschäfte“ auf den Investor-Relations-Seiten zu finden, oft als Unterpunkt bei „Corporate Governance“. Bei manchen Internetauftritten müssen die Informationen auch unter „Konzerninformationen“ oder „Unternehmen“ gesucht werden, weil die Corporate-Governance-Themen nicht auf den IR-Seiten verlinkt sind.

Ein Geschäft, das sich gelohnt hat: Eckhard Cordes

Ein Geschäft, das sich gelohnt hat: Eckhard Cordes

Bei Metro sucht der Aktionär übrigens vergebens. Und tatsächlich, die Rubrik gibt es nicht, wie die Metro-Pressestelle gegenüber FAZ.NET einräumt. Das habe aber einen einfachen Grund: Meldepflichtige Wertpapiergeschäfte gebe es bei Metro bisher nicht. Schade nur, daß für diese Information ein Anruf bei der Pressestelle nötig ist. Die Rubrik könne aber „jederzeit freigeschaltet werden“, wenn es nötig sein sollte.

BASF: Kaufen statt verkaufen

Auf der Adidas-Liste sticht Aufsichtsrat Christian Tourres hervor, der im Dezember Aktien im Wert von 6,4 Millionen Euro verkaufte, ohne daß in der Presse eine neue Neiddebatte entbrannt wäre. Bei der Allianz findet sich nur ein Verkauf: Aufsichtsrat Sultan Salam veräußerte am 25. November 102 Aktien im Wert von 12.522,54 Euro.

Verspätetes Geschenk zu Weihnachten: Wulf von Schimmelmann

Verspätetes Geschenk zu Weihnachten: Wulf von Schimmelmann

BASF-Vorstand Peter Oakley veräußerte am 20. Januar mit Aktien unterlegte Zertifikate (ADRs) im Wert von 37.815 Dollar. Aufsichtsrat Robert Studer erlöste 12. September 119.970 Euro aus einem Aktienverkauf in Zürich. Die aktuelle Liste der BASF mit Directors' Dealings spricht aber eher dafür, daß die Vorstände an den Aktienkurs glauben: Den beiden Verkäufen stehen zehn Käufe seit April vergangenen Jahres gegenüber.

Bei der Post müssen Aktionäre selbst rechnen

Continental-Vorstand Alan Hippe veräußerte am 3. August Optionsrechte aus seinem Aktienoptionsplan und erlöste mehr als eine Million Euro. Daimler-Chrysler meldet aktuell keine Wertpapiergeschäfte in ähnlichem Umfang. Im vergangenen Jahr landete Vorstand Eckhard Cordes den größten Coup: Am 29. Juli erwarb er außerbörslich durch die Ausübung von Optionen 92.500 Aktien für 3,182 Millionen Euro. Der Verkauf der Papiere auf dem Frankfurter Parkett brachten ihm 3,661 Millionen Euro aufs Konto. Ein Geschäft, das sich gelohnt hat.

Verkaufte Aktien für fast 1,3 Millionen Euro: Heinrich von Pierer

Verkaufte Aktien für fast 1,3 Millionen Euro: Heinrich von Pierer

Am 24. Februar flossen Hans-Peter Gabe, Aufsichsrat der Deutschen Börse, exakt 17.008 Euro aus dem Verkauf von 160 Aktien zu. Auf der Website der Deutschen Post sind Directors' Dealings zwar angeben, aber nur die Summe der Aktien und der Preis des einzelnen Papiers. Rechnen muß der Aktionär also selbst. Mit dem Taschenrechner erfährt der Anleger, daß sich Vorstandsmitglied Wulf von Schimmelmann im vergangenen Jahr ein verspätetes Weihnachtsgeschenk gönnte: Aus dem Aktienoptionsplan der Post verkaufte er 33.758 Optionen, sein Konto war danach fast 700.000 Euro schwerer.

Christoph Henkel erlöst 23,3 Millionen Euro

Fresenius Medical Care meldet in diesem Jahr bisher keine Verkäufe in nennenswertem Umfang. Das Beispiel von Asien-Pazifik-Vorstand Roberto Fusté im November veranschaulicht aber noch einmal, wie sich Aktienoptionen rechnen können: Zu einem Preis von 32,41 Euro ausgeübt, gleich danach für 65,51 Euro verkauft - das macht bei 16.600 Aktien ein Plus von fast 550.000 Euro.

Bei Henkel fielen im vergangenen Jahr vor allem die Verkäufe von Christoph Henkel ins Auge: Das Mitglied des Gesellschafterausschusses trennte sich peu à peu von Stammaktien im Wert von 23,3 Millionen Euro. Doch wie dem Geschäftsbericht 2005 entnehmen zu ist, hält Christoph Henkel immer noch mehr als fünf Prozent der Stammaktien.

Discount-Zertifikate bei Hypo Real Estate

Bei der Hypo Real Estate sind die Vorstände schon in der Zukunft angekommen. Hier verkaufen die Manager keine Aktien, sondern Discount-Zertifikate. Aufsichtsrat Klaus Pohle erlöste so im August vergangenen Jahres 245.970 Euro. Bei SAP wurden in diesem Jahr bisher zwar keine Verkäufe gemeldet. Am 12. Dezember vergangenen Jahres aber erlöste Vorstandsmitglied Werner Brandt 3,1 Millionen Euro durch den Verkauf von 20.000 Aktien. Zuvor hatte er Optionen in entsprechender Zahl ausgeübt und die Aktien für etwa 1,8 Millionen Euro erworben. Um noch größere Summen geht es bei seinem Kollegen Gerhard Oswald: Er erlöste am 10. Juni 8,9 Millionen Euro. Die Ausübung der Aktienoptionen hatte ihn nur gut sechs Millionen Euro gekostet.

Der jüngste Eintrag auf der Schering-Website zeigt, daß Aufsichtsratschef Giuseppe Vita Ende November Aktien für fast 1,2 Millionen Euro verkauft hat. Siemens-Vorstand Klaus Wucherer erlöste wie Josef Ackermann am Valentinstag mehr als 845.000 Euro im Rahmen des „Siemens Stock Option Plans“. Am 2. Februar verkaufte Heinrich von Pierer, einst Siemens-Chef und heute im Aufsichtsrat, Aktien im Wert von fast 1,3 Millionen Euro. Einen Tag vorher erlöste Vorstand Heinz-Joachim Neubürger sogar 2,25 Millionen Euro.

Keine Wertpapierverkäufe in jüngerer Zeit vermelden Altana, Bayer, BMW, Commerzbank, Deutsche Telekom, Eon, Linde, Lufthansa, MAN, Münchner Rück, RWE, Thyssen-Krupp, Tui und Volkswagen. Auch Infineon meldet übrigens keine Aktienverkäufe der Top-Manager. Das dürfte bei der aktuellen Kursentwicklung aber auch niemanden verwundern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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