Strategie

Geld verdienen mit dem Klimawandel

17. März 2007 Die intensiv geführte Debatte über die Klimaveränderung regt die Kreativität in Banken und Fondsgesellschaften an. Sie bringen in jüngster Zeit immer mehr Produkte unter Etiketten wie "Klima", "Öko" und "nachhaltig" auf den Markt.

Leider sagen diese Begriffe meist nur wenig über den Inhalt aus. Anleger, die ihr Kapital nicht nur vermehren wollen, sondern dabei auch das Gefühl haben wollen, etwas Gutes zu tun, sollten sich daher genau über den Inhalt dieser Produkte informieren.

Bedeutung der Nachhaltigkeits-Fonds ist noch gering

Die Auswahl ist reichhaltig: 137 Fonds in den Kategorien Umwelt, Energie, Ethik und Nachhaltigkeit sind im deutschsprachigen Raum auf dem Markt. Das Fondsvolumen betrug zum Jahresende etwas mehr als 18 Milliarden Euro und lag damit fast doppelt so hoch wie Ende 2005. Angesichts eines Volumens von 230 Milliarden Euro alleine in Aktienfonds im deutschen Markt ist die Bedeutung dieser Nachhaltigkeits-Fonds aber noch gering.

Der Name sagt allerdings wenig darüber aus, ob in dem Fonds auch wirklich die Unternehmen enthalten sind, die der Anleger dort erwartet. Die Fondsgesellschaften und die Zertifikateanbieter sind in ihrer Namensgebung nämlich frei. Manchen Anleger wird es daher verblüffen, Unternehmen wie Lufthansa, RWE, BMW oder Siemens in seinem nachhaltigen Ökofinanzprodukt zu finden. Dabei stehen Fluglinien, Autohersteller und Unternehmen, die sich mit Atomenergie befassen, bei Klimaschützern in der Kritik.

Bei der Zusammenstellung der Produkte gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Ansätze. Die einen konzentrieren sich auf Themen wie erneuerbare Energien, Wasser oder Kohlendioxidvermeidung. Bei dem anderen Ansatz - Fachleute nennen ihn "best in class" - werden aus jeder Branche die am nachhaltigsten wirtschaftenden Unternehmen herausgesucht. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass sich BMW möglicherweise wie auch die Lufthansa oder RWE in ihrer Branche durch nachhaltiges Wirtschaften empfohlen haben.

Unter nachhaltigem Wirtschaften versteht jedoch jeder etwas anderes. Die Kriterien kann jede Fondsgesellschaft selbst bestimmen. Meist orientieren sie sich an einschlägigen Indizes, oder sie beauftragen externe Analysten mit der Auswahl. Oekom Research ist eine der größeren Rating-Agenturen im Markt. Kriterien wie Arbeitsplatzsicherheit, faire Geschäftspraktiken, Energieeffizienz und Wasserverbrauch sollen helfen, einem Unternehmen eine Note zwischen A+ (außerordentlich nachhaltig) und D- (überhaupt nicht nachhaltig) zu geben.

Eine Bewertung mit A entspricht aber nicht einer anderen Bewertung mit A. Jedes Unternehmen kann die Kriterien unterschiedlich gewichten lassen. Außerdem können Ausschlusskriterien definiert werden. So kann festgelegt werden, dass sich Nachhaltigkeit und Kinderarbeit, Menschenhandel oder Waffen ausschließen. Der Ausschluss lässt sich beliebig erweitern, zum Beispiel um den Flugzeugbau, die Herstellung von Autos oder den Betrieb von Atomkraftwerken. Je mehr ausgeschlossen wird, desto näher gelangt der Fonds an die klassischen Umweltthemen.

Die Themenfonds stossen auf Interesse

Themenfonds konnten in den vergangenen Jahren überwiegend auf eine sehr gute Wertentwicklung und ein stark gestiegenes Interesse der Anleger verweisen. Einer der größten Fonds seiner Art mit einem verwalteten Vermögen von 3 Milliarden Dollar ist der New Energy Fund von Black Rock Merrill Lynch. Der Fonds hat sich zur Maßgabe gesetzt, in "Unternehmen mit signifikanten Anstrengungen im alternativen Energie- und Technologiebereich" zu investieren. Die größten Werte sind die Windenergieunternehmen Vestas aus Dänemark, Gamesa aus Spanien, Suzlon aus Indien und das deutsche Solarunternehmen Solarworld. Auf Sicht von einem Jahr brachte der Fonds nur einen Wertzuwachs von knapp 3 Prozent, auf Sicht von drei Jahren jedoch 83 Prozent.

Ein ähnlich großes Volumen hat nur der Pictet Fund Water mit knapp 3 Milliarden Euro. Er nimmt sich des Zukunftsthemas Wasser an und investiert in Trinkwasserhersteller, Wasseraufbereiter und Entsalzer. Der Fonds liegt mit Sicht auf ein Jahr mit 14 Prozent im Plus, bei drei Jahren sind es 73 Prozent. Noch besser entwickelt hat sich der Eco Tech Fonds von Activest/Pioneer. Bereits seit 17 Jahren gibt es den breitgestreuten Fonds, der seinen Wert in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt hat.

Bei neuen Produkten muss sich der Anleger auf das Renommee der Emittenten verlassen. So gibt es seit Ende Februar den DWS Klimawandel Fonds. Swisscanto lancierte den "Swisscanto Equity Fund Climate Invest". Sal. Oppenheim hat im Dezember vier Zertifikate zu den Themen Klimaschutz, erneuerbare Energien, sauberes Wasser und neue Materialien aufgelegt. Bis nächsten Freitag laufen die Zeichnungsfristen für Klimawandelzertifikate von WestLB und Lehman Brothers.

Einen Überblick über Fonds und Indizes in diesem Bereich bietet die Internetseite www.nachhaltiges-investment.de.



Text: F.A.Z., 17.03.2007, Nr. 65 / Seite 21
Bildmaterial: F.A.Z.

 
Überblick Wertentwicklung
Anlage-
schwerpunkt
Fond-
anzahl
Mon. Performance
Top %Flop %
Aktien 3.147 +0,00 -25,02
Andere 5.673 +0,00 -9,43
Derivative 51 +0,00 -5,84
Geldmarkt-/nahe 227 +3,68 -3,41
Gemischte 264 +1,03 -15,20
Renten 1.363 +4,61 -8,80
Quelle: Morningstar
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NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 -1,22
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