Geldpolitik

Zinssenkungen alleine sorgen noch nicht für Wachstum

Rezessionsängste: da wirken Zinssenkungen auch keine Wunder

Rezessionsängste: da wirken Zinssenkungen auch keine Wunder

23. Januar 2008 Mit zum Teil massiven Kursgewinnen reagierten die internationalen Börsen auf die massive Leitzinssenkung der amerikanischen Zentralbank um deutliche 75 Basispunkte auf 3,5 Prozent und auf weitere Zinssenkungshoffnungen.

Einzelne Märkte legten in den vergangenen Stunden bis zu elf Prozent zu, dazu zählt beispielsweise die „Zockerbörse“ in Hongkong oder auch die Märkte in Mexiko, Brasilien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Selbst die europäischen Börsen legten am Mittwoch im frühen Handel zunächst weiter zu und das, obwohl die Wall Street am Dienstag zwar deutlich über den Tagestiefs, aber dennoch mit deutlichen Kursverlusten geschlossen hatte.

Die amerikanische Zentralbank senkt die Zinsen massiv

Allerdings sollte man solche kurzfristigen Kursbewegungen nicht überbewerten. Vielfach stellen sie nichts anderes dar, als technische Gegenreaktionen nach deutlichen Kurseinbußen. Tatsache ist, dass die amerikanische Zentralbank den Markt mit dem Zeitpunkt und der Dimension der generell jedoch erwarteten Zinssenkung überrascht hat. Immerhin stellt die Zinssenkung um 75 Basispunkte den größten Schritt seit 25 Jahren dar.

So stellen sich Marktteilnehmer die Frage, was sie dazu bewogen haben mag und ob beim nächsten offiziellen Zusammenkommen des Zins bestimmenden Gremiums am 30. Januar eine weitere Zinssenkung zu erwarten ist. Der Markt geht gegenwärtig von weiteren 50 Basispunkten aus.

Das sind massive Zinsschritte. Daher lässt sich fragen, was die amerikanische Zentralbank dazu bewogen haben mag. Hat sie auf diese Weise einfach auf die jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten reagiert und die durch die Kursverluste an den Börsen indirekt entstandene geldpolitische Straffung einfach rasch kompensiert? Oder hat sie Kenntnis von finanziellen Nöten einzelner Institute? Oder wollte sie einfach einen großen Zinsschritt von 125 Basis- oder 1,25 Prozentpunkten vermeiden?

Die Federal Reserve scheint bislang die Folgen der Immobilien- und Kreditkrise unterschätzt zu haben. Nun versucht sie in Form von Panikreaktionen für eine steile Zinskurve zu sorgen, um auf diese Weise wenigstens den Druck etwas von den angeschlagenen Finanzunternehmen zu nehmen. Ob tiefe Zinsen und geplante Steuererleichterungen auch den lange Zeit extrem verwöhnten amerikanischen Konsumenten zum anhaltenden Kaufen animieren können, darf bezweifelt werden.

Fragt sich nur, ob die Zinssenkungen überhaupt noch wirken können

Immerhin hat das Wachstum der amerikanischen Konsumentenkredite in den vergangenen Monaten deutlich abgenommen. Das dürfte einmal damit zusammenhängen, dass die Banken ihre Kreditvergabestandards inzwischen deutlich eingeschränkt haben. Zum anderen dürfte sich bei den amerikanischen Konsumenten im Rahmen eines schwächer werdenden Arbeitsmarktes und in Verbindung mit konsolidierenden Vermögensmärkten - Immobilien- und Aktien - sowie hoher Schulden und hoher Energiepreise langsam die Erkenntnis durchsetzen, dass eine Sparquote von Null etwas wenig sein könnte.

Wo jedoch soll das Wachstum herkommen, wenn der amerikanische Konsum stagniert? Die Zentralbank kann den Leitzins senken und dadurch die Verbraucher zum Trog führen. Für sie saufen jedoch kann sie nicht. In diesem Sinne muss man die Zinssenkungen bei aller Euphorie mit dem notwendigen Realismus betrachten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Lombard Street Research, REUTERS

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