Interview

„Ich erwarte noch im Herbst neue Rekorde an den Börsen Ex-Jugoslawiens“

Waltl: „Aktien der Region haben großes Potential”

Waltl: „Aktien der Region haben großes Potential”

02. August 2007 Mit dem von ihm verwalteten Hypo South Eastern European Opportunities Fonds zierte Joachim Waltl viele Monate lang die Spitze der Fonds-Performance-Ranglisten. In der Zwischenzeit hat der Südosteuropa-Börsenexperte aber die Seiten gewechselt. Er ist jetzt zuständig für den neu aufgelegten Meinl Balkan Fonds (ISIN AT0000A060T6). An seiner Einschätzung der Börsen seiner Zielregion hat sich mit dem Seitenwechsel aber nichts geändert. Wie Waltl im Interview erläutert, sieht er die Kurs langfristig weiter steigen.

Herr Waltl, der bisher von Ihnen verwaltete Südosteuropa-Fonds war sehr erfolgreich. Was hat Sie trotzdem dazu bewogen, die Hypo Alpe Adria zu verlassen?

Ich habe mich entschlossen, mich mit einigen langjährigen Geschäftspartnern selbstständig zu machen. Unter anderem ist auch Axel Schuster mit an Bord. Er war ebenfalls in der Hypo beschäftigt und dort im Konzern unter anderem auch für Fonds- und Portfoliomanagement verantwortlich.

Was können Sie über die neue Firma sagen, für die Sie nun arbeiten?

Wir sind gerade dabei, die eigene Firmengründung vorzubereiten. Da jedoch das Ansuchen um eine Konzession, Firmengründung bzw. die rechtlichen organisatorischen Maßnahmen (Compliance, Revision) einige Vorbereitungszeit benötigt, wir aber den Kunden einen reibungslosen Übergang gewährleisten wollten, managen wir den Fonds in dieser Phase bei der Advisory Invest in Wien. Die Advisory Invest ist eine Vermögensverwaltung, die auf externes Fondsmanagement spezialisierte ist und ebenfalls über ein hohes Know-How in Osteuropa verfügt. So managt die Advisory Invest unter anderem den Meinl Eastern Europe Investment Fonds.

Gibt es Unterschiede beim Management des neuen Fonds im Vergleich zur Vorgehensweise beim Hypo-Alpe Adria Fonds?

Im Prinzip wird der erfolgreiche Investmentprozess des Hypo Fonds im Meinl Balkan Fonds fortgesetzt. Der große Unterschied ist, dass wir von Anfang an sagen, dass nur 15 Millionen Anteile (rund 150 Millionen Euro) ausgegeben werden und danach sofort und ohne Vorankündigung das „Softclosing“ kommt. Somit können wir ausschließen, dass zu rasch zu viel Geld in unseren Fonds fließt. Wir limitieren uns mit dem Volumen ganz bewusst, um unseren Kunden auch wirklich aktives Fondsmanagement liefern zu können. Wir treffen somit gleich frühzeitig Vorkehrungen, damit der Meinl Balkan Fund langfristig im Einklang seiner Anlageziele verwaltet werden kann.

Wie war bisher die Resonanz auf den neuen Fonds?

Der Meinl Balkan-Fonds hatte am 18. Juli Zeichnungsvaluta und die positive Resonanz hat selbst uns überrascht. So hat das Fondsvermögen per 26. Juli bereits die 40 Millionen Euro-Marke überschritten. Mit Ende Juli werden dann mehr als 50 Millionen Euro im Fonds sein. Wir beginnen jetzt sukzessive mit den Vertriebsaktivitäten und sind zuversichtlich bis Ende September die rund 15 Millionen Anteile platziert zu haben.

Die Aktienmärkte in Südosteuropa sind stark gestiegen und die Bewertungen sind optisch nicht mehr ganz günstig. Was macht Sie zuversichtlich, dass die Börsen Ihrer Zielregion auch künftig gut laufen werden?

Die Unternehmen bieten einerseits sogenannte „Hidden Values“ und andererseits enormes Wachstumspotential. So finden sich insbesondere Unternehmensbeteiligungen, Immobilien und Grundstücke zu Bewertungen, die gleich nach dem Zerfall von Ex-Jugoslawien herangezogen worden sind, in den Bilanzen. Nach aktuellen Marktpreisen wären diese Aktiva jedoch oft ein Vielfaches wert. Länder wie Serbien und Bosnien befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium der Konvergenz.

Zudem hat die Region zu den Liberalisierungskosten, Kosten des Systemwechsels von einer Planwirtschaft zur Marktwirtschaft, noch die Kriegskosten zu tragen. Da die Länder Ex-Jugoslawiens vor dem Bürgerkrieg ein höheres Pro-Kopf-Einkommen hatten als der osteuropäische Durchschnitt, bietet die Region den Anlegern eine zweifache Konvergenz.

Zuerst die wirtschaftliche Annäherung an Osteuropa und danach die wirtschaftliche Entwicklung in Richtung EU. Unter anderem deshalb konnte die Region in diesem Jahr im ersten Quartal ein Realwachstum von sieben Prozent in Kroatien, 7,2 Prozent in Slowenien und sogar 8,7 Prozent in Serbien erzielen. Deshalb hat die Region derzeit die aussichtsreichsten Wachstumsunternehmen, die bereits im Vorjahr zum Teil Gewinnsteigerungen von durchschnittlich über 150 Prozent, wie in Serbien, präsentierten.

Das Kosovo-Problem ist noch immer nicht gelöst. Wann könnte das Thema negativen auf die Börsen durchschlagen?

Von der Lösung des Kosovo-Problems hängt in hohem Maße die Stabilität im Westbalkanraum und somit das Investmentsentiment ab. Der politischen Elite in Serbien ist im Prinzip klar, dass der Kosovo verloren ist. Innenpolitisch ist es jedoch notwendig, klar Position für einen Verbleib des Kosovos bei Serbien zu beziehen, um den noch immer sehr wichtigen nationalistischen Flügel zu beruhigen. Politische Börsen sind kurzlebig und wir würden Irritationen wahrscheinlich als äußerst günstigen Einstiegszeitpunkt bewerten.

Die Aktienmärkte Ex-Jugoslawiens sind zuletzt auf Konsolidierungskurs eingeschwenkt. Was waren die Gründe dafür und wann kann es wieder aufwärts gehen?

Ausgelöst wurde die Korrektur durch einen ganz normalen Konsolidierungsbedarf und Gewinnmitnahmen nach den zuvor starken Gewinnen. Die deutlichen Mittelabflüsse des Hypo South Eastern European Opportunities nach meinem Abgang bei der Hypo Alpe-Adria-Bank haben die Märkte noch zusätzlich beeinflusst. Ich erwarte, dass wir in diesem Jahr noch im Herbst neue Hochs sehen werden.

Wie beurteilen Sie grundsätzlich die aktuellen Aussichten in Ihrer Zielregion?

Mit einem realen Wirtschaftswachstum von über sieben Prozent im ersten Quartal dürfte sich das rasante Tempo der Expansion in diesem Jahr eher beschleunigen und die Prognosen wieder einmal übertreffen. Zwar sind die Marktbewertungen nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen zwölf Monate nominell nicht mehr so günstig, dennoch bieten die Aktien in der Region weiterhin wie gesagt großes Potential, auch wenn die Anleger kaum mit einem solch rasanten Kursanstieg rechnen können. Eine breite Diversifizierung, wie sie mit einem Fonds erreicht werden kann, ist dabei sinnvoll.

Was sind die größten Risiken?

Der Meinl Balkan Fund verzeichnet ein etwas höheres Risiko als traditionelle Aktienfonds. Auf kurze Sicht könnten daher größere Ertragsschwankungen aufkommen. Vor allem die komplizierte und verworrene politische Situation könnten den EU-Beitrittsprozess kurzfristig zum Erliegen bringen. Die Handhabung der Verfolgung mutmaßlicher Kriegsverbrecher und das Kosovo-Problem werden sich in den Gesprächen mit der EU wieder finden. Politische Irritationen könnten auch wirtschaftlich zu einem Problem werden.

Klar ist jedoch auch: politische Börsen sind kurzlebig und würden zu günstigen Einstiegsgelegenheiten führen. Das Interesse an diesen Märkten hat sich in den letzten Jahren generell deutlich erhöht, was zu steigenden Handelsvolumina führte. Ausstehende Privatisierungen in den Sektoren Telekommunikation, Versicherungen und Energie sollte zusätzlich das Interesse internationaler Investoren wecken.

Was sind die ersten Investments, die Sie getätigt haben?

Wir sind bereits gemäß unserem Investmentprozess in regionale große, liquide Aktien in aussichtsreichen Branchen investiert. Dazu zählen Unternehmen von Sektoren, die im wirtschaftlichen Aufholprozess von steigenden Volkseinkommen und mit fortschreitender Konvergenz von sinkenden Zinsen profitieren - vor allem Konsumwerte wie Alfa Plam, Finanzinstitute wie Univerzal Banka, Telekommunikation und in Sektoren, die von EU-Infrastrukturbeihilfen zu Ankurbelung der regionalen wirtschaftlichen Entwicklung, wie Koncar Elektroindustrija, profitieren.

Wie lange wird es dauern, bis Sie voll investiert sind?

Es ist offensichtlich, dass diese jungen Märkte bezogen auf die Marktliquidität noch in den Kinderschuhen stecken. Dennoch haben wir in vielerlei Hinsicht dafür gesorgt, dass wir mit unseren Investitionen keine wesentlichen Einflüsse auf den Markt ausüben. Einmal mehr sehen wir eine größenmäßige Beschränkung unseres Fonds als eine der wesentlichen Säulen unserer Strategie an. Damit die Performance der Investoren der ersten Stunde dennoch nicht durch einen hohen Kassenbestand verwässert wird, schließen wir den Fonds bei rund 150 Millionen Euro. Es dürfte aber seine Zeit dauern, bis der Meinl Balkan Fund voll investiert sein wird.

Das Gespräch führte Jürgen Büttner



Text: @JüB
Bildmaterial: ©Paul J. Trummer, FAZ.NET, Meinl Investment

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