Von Thomas Schmitt und Patrick Bernau
31. Januar 2007 Den Fonds von André Werner gibt es erst ein Jahr. Er investiert bloß in 25 Aktien aus der Euro-Zone. Dennoch schaffte er damit bereits 25 Prozentpunkte mehr als der Vergleichsindex, der Euro Stoxx 50. Das ist Spitze. Werners Erfolgsrezept: ein reines Computermodell (siehe auch: Fondsmanager bei Euroland-Aktien chancenlos).
Gewiss, der HSBC Trinkaus Laplace Euroland Equity ist ein Extrembeispiel. Doch er zeigt den Trend. Kein Fondsmanager kommt heute mehr daran vorbei, den Computer zumindest für quantitative Analysen zu nutzen. Allerdings verlassen sich bislang die wenigsten völlig auf ihre Rechnermodelle.
Hedge-Fonds investieren massiv
Solch herausragende Ergebnisse wie jene von Werner dürften jedoch das Umdenken beschleunigen - selbst in der Fondsbranche. Viel weiter sind schon viele Banken, Broker und vor allem die Börsen. Immer mehr Käufe und Verkäufe von Wertpapieren laufen vollkommen automatisch ab.
Bis zur Hälfte der Umsätze entfalle bereits auf automatisch generierte Wertpapieraufträge, heißt es an der Deutschen Börse. Experten wie Peter Gomber, Professor für elektronische Finanzmärkte an der Universität Frankfurt, erwarten in einigen Jahren noch mehr, zumal Hedge-Fonds massiv in automatische Systeme investieren.
Nur Nebenrollen für den Menschen
Um da mitzuhalten und künftig noch schneller Aufträge abzuwickeln, rüstet nicht nur die Frankfurter Börse technisch massiv auf. Es geht inzwischen um Millisekunden, also Zeiträume, die Menschen gar nicht mehr begreifen können. Die Rechner, die Informationen am schnellsten verarbeiten und in Aufträge umsetzen können, machen am meisten Gewinn.
Für die Menschen verbleiben in diesem Kampf der Systeme oft nur Nebenrollen - als Kontrolleur oder Programmierer zum Beispiel. Broker und Händler werden künftig auch noch gebraucht, wenn eine Order in einem sehr engen Markt plaziert werden muss oder sehr geschickt verschleiert werden soll. Doch beim Standard ist der Computer besser. Verständlich: Menschen machen eben Fehler, sie vertippen sich, reagieren zu langsam, und gelegentlich spielen ihnen Gefühle einen Streich.
Algo-Trading
Der nächste Schritt wird sein, dass Computer Nachrichten automatisch auswerten und in Handelsentscheidungen umsetzen. Die Nachrichtenagentur Reuters hat solch ein Programm entwickelt und bereits vorgestellt. Kommt eine Konjunkturmeldung, vergleicht der Rechner diese mit den Prognosen und reagiert bei einer deutlichen Abweichung in Bruchteilen einer Sekunde.
Algorithmischer Handel nennen die Börsianer das oder Algo-Trading. Das kommt von dem Wort Algorithmus, das eine Handlungsvorschrift beschreibt - zum Beispiel eine Handelsstrategie, die sich Menschen ausgedacht haben. Darauf werden die Rechner programmiert, fertig ist der automatische Handelsknecht.
Alle Anleger profitieren davon
Den Börsen ist dieser Trend ganz recht. Denn was Computer viel besser können als Menschen, ist: sehr oft handeln und so aus kleinen Kursunterschieden große Gewinne machen. Das treibt den Handel hoch - und das ist auch gut für andere Händler. Algo-Trading erhöht die Liquidität, der gesamte Markt und alle Anleger profitieren davon, sagt ein Sprecher der Deutschen Börse. Zum Beispiel werden die Sprünge zwischen den Kursen kleiner. Weil die Computerhändler für Börsen so attraktiv sind, erhalten sie oft besonders gute Preise.
Das ist noch nicht alles: Die Börsen bieten auch Computer-Stellplätze in der Nähe der Börsen-Rechner an. Denn beim algorithmischen Handel kommt es sogar auf die Zeit an, die die Daten für den Weg durch die Kabel brauchen. Je kürzer die Strecke, desto wertvoller die Anbindung.
Programmierfehler sind möglich
Auch wenn Computer die menschlichen Fehler vermeiden - solche Systeme haben ihre ganz eigenen Risiken. Computerprogramme sorgten zum Beispiel dafür, dass der Aktien-Crash 1987 so stark ausgefallen ist: Als bestimmte Schwellenkurse einmal unterschritten waren, verkauften die Maschinen automatisch und drückten so die Kurse weiter.
Das könnte so heute nicht mehr passieren, darin sind sich Experten einig. Denn die Systeme sind ausgefeilter geworden. Einige kaufen bei niedrigen Kursen auch automatisch zu.
Möglich sind allerdings Programmierfehler. Und dass die Computer in Extremsituationen so viel handeln wollen, dass die Börsensysteme zusammenbrechen können. Dagegen hilft nur ein starkes Handelssystem - und weil die Volumen wachsen, werden die Börsen weiter in ihre Systeme investieren müssen.
Wie Investoren mit Computern Gewinne machen
Kursunterschiede nutzen
Seit je verdienen Investoren damit Geld, dass sie selbst kleinste Preisdifferenzen zwischen einzelnen Finanzmärkten oder Börsenplätzen ausnutzen. Diese Arbitrage ist durch Computer wesentlich professioneller, schneller und umfangreicher geworden. Experten sprechen von Algorithmic Trading - gemeint sind Rechenvorgänge, die immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Die Gruppe der Algo-Trader wächst stark. Der Eigenhandel der Banken begann damit. Es folgten die besonders gewinnorientierten Hedge-Fonds. Inzwischen gehörten auch die Fondsgesellschaften dazu, sagt Peter Gomber, Professor in Frankfurt. Im Aktienhandel sind die Systeme schon sehr stark verbreitet, doch auch im Rentenhandel nehmen sie stark zu.
Aktien auswählen
Viele erfolgreiche Fondsmanager stützen sich inzwischen stark auf Computer-Analysen, etwa Frank Lingohr aus Düsseldorf. Der Mensch spielt bei den meisten jedoch noch eine Rolle. Erst wenige setzen die Ergebnisse der Rechner so bedingungslos um wie der HSBC Trinkaus Laplace Euroland Equity (WKN A0HGMJ). Der Fonds sichtet seit einem Jahr 1800 Aktien und schichtet einmal im Monat um, dabei fallen von 25 Aktien in der Regel vier heraus. Damit lösen sich Fondsmanager André Werner und Kollege Christoph Singer vom kurzfristigen Handel. Ihr Programm nutzt nur drei Faktoren, die im Detail nicht verraten werden. Diese Beschränkung sei entscheidend für den großen Erfolg. Gute Modelle müssen einfach sein, sagt Werner.
Strategien umsetzen
Der Computer kann auch dazu genutzt werden, simple mechanische Börsenstrategien auszuführen. Das spart dem Menschen nicht nur Zeit, sondern ist auch sinnvoll. Denn Menschen halten sich gelegentlich nicht an die eigene Strategie - und das ist oft schlecht für die Rendite, vor allem bei Privatanlegern. Per Computer lässt sich zum Beispiel die MACD-Strategie umsetzen: Sie setzt die Durchschnittskurse eines Wertes aus unterschiedlichen Zeiträumen ins Verhältnis zueinander. So will sie feststellen, wann sich Käufe und Verkäufe lohnen. Diese Signale von Hand zu berechnen ist ein ordentlicher Aufwand. Auf der MACD-Strategie basiert beispielsweise das Best Strategy Timing Zertifikat der Dresdner Bank, WKN 788277.
Trends erkennen
Viel besser als Menschen können Computer Kurs-Trends erkennen und ihnen systematisch folgen. Die ersten Automaten wurden daher gerade hier entwickelt und eingesetzt, etwa für Rohstoffmärkte. Dort sind Trends mitunter sehr ausgeprägt. Seit Mitte der neunziger Jahre sind die österreichischen Quadriga-Fonds mit diesem Modell bekannt geworden, heute heißt die Gesellschaft Superfund. Sie verwaltet inzwischen mehr als eine Milliarde Euro. Ihr Flaggschiff-Fonds schaffte seit 1996 knapp 600 Prozent. Doch auch da waren immer Schwächephasen dabei, 2005 etwa ein Verlust. Das Problem: Wenn die Trends nicht besonders stark sind, steigt der Computer relativ spät ein und schnell wieder aus. Das kostet Gebühren und schmälert die Rendite.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: ddp, FAZ.NET
| Tops & Flop Fonds | Kurs | in % |
| NESTOR Australien Fonds | 250,02 € | +218,31% |
| Earth Exploration Fund UI | 43,46 € | +171,45% |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-P Cap-EUR | 43,46 € | +157,37% |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-R-EUR | 42,88 € | +155,62% |
| SEB Russia Fund | 8,80 € | +153,09% |
| HSBC Trinkaus LAPLACE Global Equity INKA | 31,60 € | −9,01% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner global | 6,91 € | −11,99% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner earth | 9,59 € | −13,66% |
| Robeco All Weather Global Equities (EUR) D | 83,32 € | −16,76% |
| Entrepreneur Opportunities Fund | 52,37 € | −18,70% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
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|---|---|---|---|
Aktien-Index22.12.2009 13:00 |
1400,97 | 1349,16 | 1295,46 |
Performance-Index22.12.2009 13:50 |
309,05 | 298,10 | 283,62 |
Euro-Aktien-Index22.12.2009 13:50 |
145,13 | 141,26 | 130,27 |
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