Fondsbericht

Favoritenwechsel in schwierigen Börsenzeiten

20. März 2008 Wenn an der Börse ein neues Kapitel aufgeschlagen wird, sehen die Gewinner der Vergangenheit rasch alt aus. Inzwischen hat die schon mehrere Monate andauernde Finanzkrise eine Dimension erreicht, die selbst eine alteingesessene Wall-Street-Bank wie Bear Stearns ins Wanken bringt. Die damit verbundenen starken Kursausschläge machen es Aktienfondsmanagern zunehmend unmöglich, Kurseinbrüche im Portfolio auf kurze Sicht zu vermeiden. Derzeit geht es weniger darum, Chancen zu erkennen, als vielmehr Risiko zu vermeiden.

Angesichts des herrschenden Marktumfelds gleicht unsere Rangliste mit Aktienfonds, die sich über die vergangenen drei Jahre durch eine überdurchschnittliche Verlustvermeidung bei einem gleichzeitig überdurchschnittlichen Wertzuwachs ausgezeichnet haben, derzeit eher einer Ahnengalerie.

Rasch welkende Lorbeeren

Die vor der Finanzkrise erworbenen Lorbeeren verwelken rasch. So leben beispielsweise die in der Tabelle vertretenen Deutschland- und Spanien-Spezialisten noch vom Spätstart in die Hausse nach dem Ende der Jahrtausendbaisse. Dieser Effekt läuft unweigerlich aus, wie ein Blick auf die Wertentwicklung über die vergangenen sechs Monate zeigt. Verluste sind kurzfristig betrachtet die Regel und nicht die Ausnahme.

Bemerkenswert ist jedoch das inzwischen gehäufte Auftreten börsengehandelter Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) in der Aufstellung. Der Marktführer Barclays Global Investors ist dabei mit seinen I-Shares-Fonds am häufigsten vertreten. "ETF sind immer zu 100 Prozent investiert und nehmen volle Fahrt auf, wenn Börsen steigen", hat das Fondsanalysehaus Morningstar beobachtet. Mit ihren niedrigen Verwaltungsgebühren haben sie zudem gegenüber klassischen Aktienfonds einen nicht zu unterschätzenden Kostenvorteil, der sich positiv in der Wertentwicklung niederschlägt.

Allerdings wird dieser Effekt wohl rasch auslaufen. Banken, Versicherer und Finanzdienstleister machen rund ein Drittel der Aktienmärkte aus. "Damit haben passive Anlageformen einen Bremsklotz am Bein, denn die meisten ETFs basieren auf marktkapitalisierungsgewichteten Indizes mit einem entsprechend hohen Gewicht von Citigroup, HSBC oder Société Générale", erwarten die Fondsanalysten. Im gegenwärtigen Marktumfeld schlage wieder die Stunde aktiver Fondsmanager, die sich nicht an Vergleichsindizes orientierten. Dieser Favoritenwechsel dürfte sich schon bald in unseren Aktienfonds-Ranglisten niederschlagen.

Fondsmanager erhöhen ihre Bargeldquoten

Die Welt, in der sich Fondsmanager derzeit bewegen, macht die am Mittwoch veröffentlichte monatliche Umfrage der Investmentbank Merrill Lynch deutlich. Um die Verluste zu begrenzen, schraubten die Portfoliokonstrukteure ihre Bargeldpositionen zuletzt in immer neue Höhen. Der durchschnittliche Kasseanteil lag in der Umfrage bei 4,9 Prozent. Vor zwei Monaten war es noch ein Prozentpunkt weniger. Und da die Umfrage vor der Beinahepleite der Investmentbank Bear Stearns stattfand, dürfte die Quote in den vergangenen Tagen eher noch gestiegen sein. "Nicht nur das Rezessionsrisiko nimmt zu - die Mehrheit der Investoren sieht auch eine Stagflation heraufziehen", hat die Investmentbank im Rahmen ihrer Umfrage festgestellt.

Wunschdenken ist für die befragten Fondsmanager keine Option mehr. Fast alle professionellen Vermögensverwalter richten sich nun auf schrumpfende Unternehmensgewinne ein. Nur noch eine verschwindend geringe Minderheit von 11 Prozent geht von einem zweistelligen Gewinnwachstum in den kommenden zwölf Monaten aus. Defensive Pharma-, Telekommunikations- und Energietitel werden in der Folge deutlich übergewichtet gehalten, Banken werden weiterhin gemieden.



Text: F.A.Z., 20.03.2008, Nr. 68 / Seite 27
Bildmaterial: FAZ.NET

 

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