Lebensversicherungen

Besser verkaufen als der Versicherung andienen

Lebensversicherung: Nachrechnen lohnt sich

Lebensversicherung: Nachrechnen lohnt sich

06. Januar 2006 Deutschland ist ein besonderes Land, denn es ist ein „Lebensversicherungsland“. Im Lande wurden in den vergangenen Jahren mehr als 90 Millionen Kapitallebensversicherungen abgeschlossen. Das heißt, statistisch hat jeder, angefangen vom Kleinkind bis zum Greis, etwas mehr als einen derartigen Vertrag abgeschlossen.

Das ist viel. Auf diese Weise dürfte sich auch erklären lassen, wieso die Versicherungs- und vor allem auch die Vermittlerindustrie in den vergangenen Jahren prosperieren konnte. Auch heute noch scheinen die Aussichten nicht schlecht zu sein. Denn die staatliche, umlagefinanzierte Rentenversicherung läuft immer mehr in die Demographiefalle. Da immer mehr Beitragsempfängern immer weniger Beitragszahler gegenüberstehen werden, werden sich künftig wohl die Rentenzahlungen nicht mehr auf dem bisherigen Niveau halten lassen.

Belastungsfaktoren für die umlagefinanzierte Rentenversicherung

Schon in den vergangenen Jahren wurde immer wieder am System herumgeschraubt und wurden die entstehenden Ansprüche reduziert. Aber nicht genug. Denn nach wie vor sind die ausgezahlten Renten viel zu hoch im Vergleich mit dem, was die Empfänger vor Jahren eingezahlt haben. Das ist aber nicht alles. Denn das System wird immer noch mit Kosten belastet, für die es eigentlich nicht gedacht ist. So können Unternehmen immer noch Arbeitnehmer in die Frührente schicken, ohne daß sie dafür einen angemessenen Beitrag leisten müßten. Daneben gibt es weitere belastende Faktoren.

Das Resultat: Viele Arbeitnehmer werden in Zukunft mit einer geringeren Rente rechnen müssen, als sie auch heute noch vermittelt wird. Der jüngere Teil der Bevölkerung wird netto sogar mehr einzahlen, als was er später herausbekommen wird. Von den zwischenzeitlich entgangenen Erträgen gar nicht zu reden.

Aus diesem Grund werden viele privat vorsorgen müssen. Dafür gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Eine davon ist die Kapital-Lebensversicherung. Sie sie bei Deutschen wohl deswegen so beliebt, weil sie in Gefühl der Sicherheit vermittelt. Denn die Versicherungen müssen am Ende der Laufzeit in der Lage sein, das einbezahlte Geld zurückzuzahlen und noch eine Mindestverzinsung obendrein. Als Zückerchen wird beim Verkauf mit der Überschußbeteiligung geworden. Da die Portfoliomanager der Versicherungen in der Lage seien, mehr als die Mindestverzinsung an den Kapitalmärkten zu verdienen, seien sie am Ende in der Lage, eine interessante Rendite auszuschütten, heißt es da so schön.

Kapital-Lebensversicherungen haben Pferdefüße

Das Problem: Sie können, sie müssen aber nicht. Angesichts tiefer Zinsen weltweit und möglicher Börsenturbulenzen sollte man solche Versprechen kritisch betrachten. Andere Anlageformen, zum Beispiel Fonds, können unter Umständen mehr abwerfen. Das sind aber nicht alle Nachteile. Denn Lebensversicherungen sind ziemlich intransparent. So werden frisch abgeschlossene Verträge in der Regel sofort mit happigen Vertriebskosten belastet. Das heißt, es kann Jahre dauern, bis diese während der Laufzeit wieder hereingeholt werden.

Ein Kunde, der seinen Vertrag bis zum Ende der Laufzeit hält, wird das kaum merken. Anders sieht es jedoch aus, wenn er zwischenzeitlich plötzlich Geld braucht und den Vertrag aus diesem Grund kündigen will. Und das kommt statistisch betrachtet sehr oft vor. In diesem Fall stellen die Anleger plötzlich fest, daß ihre Kontrakte deutlich weniger wert sind, als sie gedacht haben. Manchmal erhalten sie sogar ein Angebot, bei dem sie weniger zurückerhalten, als sie in der Vergangenheit einbezahlt haben. Die Versicherungen ziehen sie über den Tisch, indem sie alle möglichen Kosten und sonstige Argumente ins Feld führen.

Ausweg: Verkaufen als stornieren

Es gibt allerdings einen Ausweg: Den Verkauf der Versicherungspolice an einen Fonds, meist über einen spezialisierten Broker. Sie übernehmen die Verträge, stehen weiter für sie ein und sind aus diesem Grund in der Lage, dem Kunden mehr zurückzuzahlen als das Versicherungsunternehmen willens ist. Sie teilen sich gewissermaßen die Differenz mit dem Anleger.

Immer mehr „Betroffene“ scheinen diesen Weg zu gehen, denn der Markt wächst. Nach Einschätzung mehrerer Anbieter erhöht sich das Potential des Zweitmarktes, das bereits jetzt auf über sechs Milliarden Euro jährlich geschätzt wird durch den Urteilsspruch aus Karlsruhe zusätzlich. Denn nun erfüllen auch jüngere Versicherungsverträge die Kriterien für den Ankauf.

Nicht nur beim Verkauf von Policen ist von einem Wachstum auszugehen. Der Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen rechnet für das laufende Jahr mit einer Verlagerung der Schwerpunkte bei Lebensversicherungsfonds vom amerikanischen Markt zugunsten deutscher und britischer Zweitmarkt-Policen. Erklären läßt sich diese Erwartung durch attraktive Renditen und einen hohen Sicherheitsfaktor.

Lebensversicherungsfonds selbst können für Anleger eine interessante Gelegenheit sein, um ihre Portfolios zu diversifizieren. Denn sie haben andere Risiko-Ertrags-Charakteristika als andere Anlageformen. Dabei dürften aber vor allem jene Fonds interessant sein, die schon länger auf dem Markt sind. Denn sie haben mehr ältere Verträge im Depot. Und die sind attraktiver als jüngere, weil sich weltweit sinkende Zinsen auch hier bemerkbar machen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri

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