Strategie

„Normalisierte“ Liquiditätsversorgung - fallender Risikoappetit!

08. August 2007 Nach vierwöchigen Turbulenzen an den Finanzmärkten scheinen die Anleger neuerdings dazu zu tendieren, den Vergleich mit ähnlichen Entwicklungen im März des vergangenen Jahres und im Mai des Jahres 2005 zu ziehen und zur Tagesordnung übergehen zu wollen.

Tagesordnung in diesem Sinne heißt: Es hat sich nichts Grundlegendes verändert, das globale Wirtschaftswachstum ist robust, die Unternehmen verdienen gutes Geld und Aktien sind vernünftig bis sehr vernünftig bewertet. Nichts scheint Anlagestrategen näher zu liegen, als mit solchen Argumenten den Kauf von Aktien zu empfehlen. Interessant seien vor allem die Papiere international aufgestellter Unternehmen und viele Werte der in den Schwellenländern tätigen oder von ihrem Wachstum profitierenden Unternehmen.

Wiederholte Renaissance altbekannter Strategien

Angesichts der Erfahrungen der vergangenen Jahre dürfte es kaum verwundern, dass die Anleger sicht leicht überzeugen lassen. Denn bisher lagen sie damit richtig. Auch am Devisenmarkt scheinen die alt bekannten Strategien wieder ihre Renaissance zu erleben, die da heißen: Verkaufe Währungen, die niedrige Zinsen bieten und kaufe dagegen andere, die höhere bieten. Das führt dazu, dass sich der Yen nach einer deutlichen Zwischenerholung seit ein paar Tagen wieder in der Defensive befindet.

Allerdings lassen sich auch ohne größere Probleme Gegenargumente anführen. Immerhin haben in den vergangenen Wochen und Monaten nicht nur die Volatilitäten angezogen, sondern ist auf der Kreditseite die Risikobewertung deutlich restriktiver geworden. Das zeigt sich an der Ausweitung der so genannten Spreads ebenso, wie an der Tatsache, dass Kreditgeber bei der Kreditvergabe deutlich stärker als in der Vergangenheit auf fundamentale Kriterien achten.

Das zeigt sich am kriselnden amerikanischen Häusermarkt ebenso wie an vielen kreditfinanzierten Transaktionen, die zumindest aufgeschoben wurden. Auf diese Weise hat sich die Liquidität reduziert, die in der Vergangenheit die Hauspreise in weiten Teilen der Welt in unrealistische Höhen getrieben und viele Unternehmenstransaktionen möglich gemacht hat, die nicht ungedingt sinnvoll sein mögen. Das heißt, alleine schon aus der Tatsache, da die Liquiditätssituation weniger üppig geworden ist, lässt sich eine geringer werdende Dynamik ableiten.

Zum anderen sind viele Aktien zwar bei anhaltendem Wirtschaftswachstum zwar relativ günstig bewertet. Auf der anderen Seite waren und sind viele risikobehaftete Papiere überbewertet. Das gilt vor allem für den Rentenbereich, in welchem sich die Risiken in Form von Intransparenz und fehlender Liquidität erst in den vergangenen Wochen der sich zuspitzenden Subprime Krise zeigten. Das gilt jedoch auch für die Aktien vieler kleiner Unternehmen, die mit der Bugwelle der noch laufenden Hausse nach oben gespült werden, obwohl auch sie vielfach wenig Substanz zu bieten haben.

Reduzierte Liquiditätsversorgung dürfte spürbar werden

Das gilt jedoch auch für Währungen. Der Blick auf die Bewertung zeigt, dass die Devisen Neuseelands, Kanadas, Australiens und Großbritanniens deutlich überbewertet sind, während der Yen ebenso deutlich unterbewertet ist. Das dürfte ebenso für viele andere Währungen Asiens gelten, vor allem auch für den Yuan. Die extremen Fehlbewertungen der Währungen deuten ebenso auf inhärente, aber vom Markt völlig ignorierte Risiken hin, wie die bestehenden und immer größer werdenden Ungleichgewichte im Welthandel. Sie zeigen sich sowohl im amerikanischen Leistungsbilanzdefizit, als auch in den rasch wachsenden Währungsreserven in Staaten, deren Währungen nicht frei handelbar sind.

Die Folgen sind längerfristig unvermeidlich: Sie zeigen sich in Form der Inflation. Selbst China sieht inzwischen ein, dass es ein entsprechendes Problem hat und etwas dagegen tun muss. Das kann nur heißen, auch China muss restriktiver werden. Abnehmende oder weniger stark wachsende Liquidität führt jedoch mit einiger Wahrscheinlichkeit dazu, dass die Volatilität hoch bleibt. Steigende Volatilität wiederum zwingen Anleger zu einer Reduktion ihrer Risikopositionen, alleine schon über den Value-at-risk-Mechanismus.

Im Moment laufen die Märkte zwar einmal mehr zumindest kurzfristig in die andere Richtung, indem sie ihren Risikoappetit wieder ausweiten. Es dürften jedoch nur ein paar neue Meldungen über die internationalen Folgen der amerikanischen Subprime-Krise nötig sein, um dieser Bewegung die Dynamik zu nehmen. Insgesamt hat die Wahrscheinlichkeit zugenommen, dass sich die Märkte auf höheren Volatilitätsniveaus einpendeln werden. In diesem Umfeld dürfte es nicht mehr so einfach sein, „altbekannte“ Trends immer wieder neu zu beleben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Calyon/Bloomberg, Calyon/Reuters

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