Von Michael Englund
26. September 2007 Die jüngste Folge unausgegorener Inflationsberichte geht ihrem Ende zu. Der letzte wichtige Inflationsindikator für August, der Kettenpreisindex für private Konsumausgaben (PCE), der am 28. September veröffentlicht werden soll, wird das Ende der Reihe positiver Inflationskennzahlen für die Vereinigten Staaten markieren, die seit Beginn des freien Falls der Rohstoffpreise im August 2006 quasi eine Auszeit genommen hatten.
Kurs gesagt, werden alle maßgeblichen amerikanischen Inflationskennzahlen im Laufe der kommenden drei Monate nach oben ausschlagen, da sie im Jahresvergleich nicht durch die Auswirkungen eines Hurrikan Katrina verzerrt werden und da die Rohstoffpreise vor kurzem kräftig zugelegt haben.
Daten zum Vormerken: 12. Oktober, 17. Oktober
Was die Kennzahlen der amerikanischen Binnenwirtschaft anbelangt, wird der erste wichtige Ausschlag der Inflation in dem für den 12. Oktober erwarteten Bericht zum Erzeugerpreisindex (PPI) zur Sprache kommen. Hier wird die Inflationsrate im Vorjahresvergleich von einem Tiefstand von 2,2 Prozent im August auf 4,1 Prozent im September klettern und bis Oktober die Marke von 6,0 Prozent erreichen.
Mit dem so genannten Katrina-Peak bei 6,9 Prozent erreichte diese Kennzahl 2005 ihren höchsten Stand, als der durch den Hurrikan verursachte Zusammenbruch der Infrastruktur der Ölindustrie im Raum New Orleans und Houston - der durch den Hurrikan Rita noch weiter verschärft wurde - bei den meisten Energie- und energieabhängigen Preisen für kräftige Zuwächse sorgte. Es dürfte wohl so manchen überraschen, wenn sich das im Jahresvergleich betrachtete Inflationstempo für die Erzeugerpreise mit rasanten Schritten auf den Katrina-Peak zubewegt, ohne durch einen Hurrikan oder eine andere Katastrophe begünstigt worden zu sein.
Der Verbraucherpreisindex (CPI) wird dem gleichen Muster folgen. So wird der Bericht vom 17. Oktober im Jahresvergleich voraussichtlich einen Anstieg von 2,0 Prozent im August auf 2,8 Prozent im September verzeichnen. Im Oktober wird der Index in den Bereich von 3,6 Prozent vorstoßen und sich im November bei 3,9 Prozent ansiedeln. Der für diese Kennzahl zu erwartende Höhepunkt müsste sich unterhalb des durch Hurrikan Katrina bedingten Wertes von 4,7 Prozent einstellen, sofern es nicht zu einem weiteren nennenswerten Anstieg der Energiepreise kommt.
Schleichende Inflation wird offensichtlich
Nachdem der jährliche Kettenpreisindex PCE für August aller Voraussicht nach auf 1,9 Prozent sinken wird - was auf eine zu erwartende Abschwächung der Kerninflationsrate auf 1,8 Prozent (ausgenommen Nahrungsmittel- und Energiepreise) zurückzuführen wäre - wird diese Kennzahl bis November ebenfalls auf Drei-Monats-Basis einen Anstieg verzeichnen. Die Teuerungsrate wird dann bei 3,2 Prozent liegen. Im Vergleich hierzu betrug der durch Hurrikan Katrina bedingte Spitzenwert 3,9 Prozent.
Auch für diesen neuen Höchstwert bedarf es nicht etwa besonderer Versorgungsengpässe wie im Falle Katrina, sondern ist lediglich eine Folge der saftigen Preisanstiege in den Vereinigten Staaten im Lauf der vergangenen acht bis zehn Monate, die sich mit geballter Wucht bemerkbar machen. Den monatlichen Berichten zufolge scheinen diese Anstiege nicht allzu dramatisch ausgefallen zu sein, da sie im Vergleich zu den Vorjahreszahlen betrachtet wurden, die ganz im Zeichen von Katrina standen.
Wie sich die Talfahrt des Dollars auswirkt
Zu allem Übel wird sich der beschleunigte Abwärtstrend des amerikanischen Dollars im vergangenen Monat, der mit der Kehrtwende in der Strategie der Federal Reserve in Verbindung gebracht wird, besonders ungünstig auf die Anstiege der Rohstoffpreise auswirken.
Der Einbruch des Dollars wird die Rohstoffpreise bis Jahresende kräftig in die Höhe treiben. Auch das robuste Wachstum des Welt-Bruttoinlandsprodukts (BPI) wird für einen Anstieg sorgen. Unsere Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft zeigen, dass das Wachstum des BPI in den Entwicklungsländern kurzfristig jede Verlangsamung in den Vereinigten Staaten ausgleichen wird. Somit ist 2007 das vierte Jahr in Folge, in dem ein außerordentliches Wachstum des globalen BPI verzeichnet wird.
In der amerikanischen Wirtschaft wirken Import- und Exportpreisindizes üblicherweise als Inflationsbremse. Vom Ende der achtziger Jahre bis 2003 wurde für diese Kennzahlen im Großen und Ganzen eine Seitwärtsentwicklung beobachtet. Angesichts eines Dollars im freien Fall sowie eines in den vergangenen vier Jahren kräftig gestiegenen globalen BPI lassen die Handelspreisindizes jedoch einen deutlichen Aufwärtstrend erkennen.
Möglicherweise wird der Markt die maßgebliche Inflationswelle der Vereinigten Staaten im vierten Quartal als Abweichung bewerten, obgleich es wohl eher die einstweilige Ruhepause der vergangenen zwölf Monate war, die für die eigentliche Verzerrung verantwortlich ist.
Wie die Zinssenkung zu rechtfertigen ist
Insgesamt werden sich in den Vereinigten Staaten alle maßgeblichen jährlichen Inflationszahlen und viele nominale Absatzzahlen in den kommenden drei Monaten aus ihren derzeitigen Talsohlen erheben, an denen wir uns momentan in den verschiedenen Berichten vom August erfreuen dürfen.
Derweil verzeichnen die Bilanzen der Banken ein robustes Wachstum und damit verbunden einen Wachstumsboom bei Darlehen, Reserven und Geldvolumina. Die Fed lenkt das Augenmerk des Marktes derzeit auf einen potentiellen Wirtschaftsabschwung und lockert die Geldpolitik aufgrund der Befürchtung, dass das Risiko einer Konjunkturabschwächung jenes einer erhöhten Inflationsgefahr übersteigen könnte. Wird so das Restrisiko der Zentralbank am Jahresende aussehen, wenn es gar nicht zu dem kräftigen Einbruch im Ausgabeverhalten von Unternehmen und Verbrauchern kommt, den die Fed momentan abzuwenden sucht?
Man muss Folgendes bedenken: Die jüngste Anmerkung von Fed-Gouverneur Donald Kohn, dass die Zentralbank die Lockerung als Reaktion auf sinkende Vermögenswerte vornehme, dürfte die Fed noch eine Weile verfolgen, wenn sich nicht bald eine Wirtschaftsflaute einstellt, und insbesondere dann, wenn wir es mit einem unerwünschten Ansteigen der Kerninflationsrate zu tun bekommen.
Wie werden Ben Bernanke & Co. ihre neue, niedrigere Vorgabe für den Tagesgeldsatz der Fed rechtfertigen, wenn die Zinssenkungen in Wirklichkeit auf eine Stabilisierung der Häuserpreise abzielen - die Jahre in Anspruch nehmen könnte - statt auf einen möglichen Wirtschaftsabschwungs infolge der Kreditkrise?
Kommt es in der nächsten Zeit nicht zu einem Rückgang der maßgeblichen amerikanischen Wirtschaftskennzahlen, abgesehen von den Auswirkungen einiger kurzfristiger Störungen, so dürfte es den Strategen sogar schwer fallen, die aktuelle Vorgabe für den Tagesgeldsatz zu rechtfertigen, von einer möglichen niedrigeren Vorgabe zu Jahresende ganz zu schweigen.
Michael Englund ist Chefökonom bei Action Economics.
Text: Business Week Online
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET
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