02. Juni 2008 Bei fast drei Dutzend großen amerikanischen Unternehmen stehen die Dividenden auf dem Spiel. General Motors, Motorola, New York Times und andere Konzerne zahlten im vergangenen Jahr mehr für Dividenden als dass sie freien Cashflow generierten.
Der Cashflow ist eine wirtschaftliche Messgröße, die den Nettozufluss liquider Mittel aus Umsatz und sonstigen laufenden Tätigkeiten darstellt. Ohne die Konzerne aus den Bereichen Immobilien, Banken und Energieversorgung stehen im S&P 500 die Dividendenzahlungen bei 34 Unternehmen auf der Kippe. Das belegen Daten von Bloomberg (siehe Grafik).
Viele Dividenden sind größer als die Cash-Flows
Wenn Gewinne und Cashflow niedriger sind als die Dividendenzahlungen, machen die Unternehmen das nicht dauerhaft mit, sagt Phillip Davidson, Investmentchef für Substanzaktien bei American Century Investments in Kansas City. Einige Unternehmen werden die Dividende kürzen.
Das trifft die Investoren angesichts der aktuellen Börsenentwicklung besonders hart. Das amerikanische Börsenbarometer, der S&P 500 Index, verzeichnet in diesem Jahr erstmals seit 2002 Verluste, weil die amerikanische Wirtschaft an Fahrt verliert und die Unternehmensgewinne das vierte Quartal in Folge gesunken sind. In den vergangenen zwölf Monaten verlor der S&P 500 Index 8,8 Prozent. Die Dividenden fingen einen Teil der Verluste auf - bei Einrechnung der Dividenden reduziert sich das Minus im S&P 500 auf sieben Prozent.
Das Dividendenproblem betrifft Konzerne der unterschiedlichsten Branchen - von Autokonzernen über Telekom- Ausrüster bis hin zu Zeitungsverlagen. General Motors hatte die jährliche Dividende bereits 2006 auf einen Dollar je Aktie gesenkt. Im vergangenen Jahr erzielte General Motors einen Cashflow von 189 Millionen Dollar. Für eine Dividendenausschüttung von einem Dollar je Aktie wären aber 567 Dollar, also der dreifache Betrag, erforderlich. Mitte Mai teilte der Konzern mit, Kredite aufnehmen und die Kosten senken zu müssen, falls sich die amerikanische Wirtschaft weiter abkühle. Und vergangene Woche gab GM bekannt, dass 19.000 Beschäftigte mit Abfindungen das Unternehmen verlassen. Analyst Himanshu Patel von JP Morgan Chase & Co. schrieb schon Anfang Mai, die Dividende sei gefährdet.
Der Telekom-Ausrüster Motorola zahlt seit 2006 eine Quartalsdividende von fünf Cent je Aktie. Auf Jahresebene sind dies 20 Cent je Aktie und das Zweieinhalbfache der acht Cent, die das Unternehmen im operativen Geschäft nach Kapitalaufwendungen je Aktie erwirtschaftete. Motorola-Chef Paul Liska verkündete im April, das Unternehmen habe genügend Mittel, die bisherigen Dividendenleistungen aufrecht zu erhalten. Allerdings bietet die für nächstes Jahr geplante Aufspaltung des Konzerns eine bequeme Ausrede für eine Senkung der Nettodividende, so Analyst James Kelleher von Argus Research in einer Antwort auf eine E-Mail-Anfrage.
Positive Sondereffekte lassen sich in der Regel nicht wiederholen
Der amerikanische Verlag New York Times hatte im März 2007 die Dividende um 31 Prozent auf 23 Cent je Aktie erhöht - woraufhin die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's prompt das Kreditrating senkten. Dividendenanhebungen bildeten bei Zeitungsverlagen eine Kernstrategie, um Aktionäre zu binden, erklärt Analyst Ken Doctor von der Beratungsfirma Outsell in kalifornischen Burlingame. Aufs Jahr gerechnet beträgt die Dividende 92 Cent je Aktie. Daraus ergibt sich eine Ausschüttungssumme von insgesamt 125 Millionen Dollar. Allerdings lagen die Investitionen im vergangenen Geschäftsjahr bereits 270 Millionen Dollar über dem erwirtschafteten Cashflow. Die Zeitung reagiert: Sie setzt 100 Beschäftigte - 7,5 Prozent der Belegschaft - auf die Straße und will die Kapitalaufwendungen dieses Jahr auf maximal 165 Millionen Dollar drosseln.
Bei Konzernen wie Limited Brands, dem Betreiber der Ladenkette Victoria's Secret, und dem Einzelhandelskonzern Nordstrom kommt belastend hinzu, dass lediglich positive Sondereffekte die Höhe der letztjährigen Dividendenleistungen ermöglichten. Limited Brands hatte Immobilien verkauft, Nordstrom hatte Außenstände in die Bilanzen fließen lassen. Da die Konzerne im vergangenen Jahr keine derartigen Sondereffekte ausgewiesen hatten, rechnet Analyst Richard Jaffe von Stifel Nicolaus & Co. in Baltimore mit einer geringeren Dividende.
Dividendenzahlungen haben bei den Konzernen im S&P 500 zugenommen. Vor sechs Jahren schütteten 350 Unternehmen aus, im vergangenen Jahr waren es bereits 390 Konzerne. Schub hatte ein Steuererleichterungsgesetz aus dem Jahr 2003 gegeben. Dividendenzahlungen spielen besonders dann eine Rolle, wenn sich der Markt seitwärts bewegt, sagt Analyst David Darst von Morgan Stanley Global Wealth Management in New York.
Text: Bloomberg
Bildmaterial: FAZ.NET
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