FAZ.NET-Spezial

Mit Indexfonds kostengünstig zum Ertrag

26. Oktober 2006 „Geld alleine macht nicht glücklich“, lautet ein Sprichwort. Das gilt zumindest dann, wenn es um die Geldanlage geht. Banken, Fondsgesellschaften, Versicherungen und Heerscharen von Vermittlern versprechen zwar in Präsentationen, in schönen Broschüren oder auch im direkten Gespräch gerne das Blaue vom Himmel.

Meistens verschweigen sie jedoch, daß sowohl die Vermögensverwaltung und insbesondere auch der Vertrieb von Anlageprodukten Kosten verursacht, die der Anleger direkt oder indirekt zu tragen hat. Da die Honorarberatung, also die Anlageberatung gegen Entgelt, nicht sonderlich weit verbreitet ist, werden diese Kosten in der Regel auf die verkauften Produkte umgelegt. Sie zeigen sich bei Fondsanteilen in Form von zum Teil beachtlichen Ausgabeaufschlägen, jährlichen Verwaltungsgebühren oder auch in Form von Bestandsprovisionen. Kapitallebensversicherungen sind in diesem Punkt völlig intransparent.

„Aktive Vermögensverwalter schaffen keine Werte, sondern zunächst einmal Kosten“

Der einfache Anleger nimmt sie oft nicht richtig zur Kenntnis, obwohl sie zum Teil sehr hoch sind und obwohl sie die Rendite der erworbenen Anteile vor allem langfristig deutlich schmälern (siehe auch: Bezahlbare Rentenfonds und FAZ.NET-Spezial: Gebühren beim Fondskauf). „Aktive Vermögensverwalter schaffen keine Werte, sondern zunächst einmal Kosten von durchschnittlich rund einem Prozent pro Jahr. Da sie jedoch zusammen genommen den Markt bilden, muß ihre Performance alleine aufgrund dieser Kosten unterdurchschnittlich ausfallen. Die Konstellation ist vergleichbar mit einem Pokerspiel, in welchem der gute Spieler die Gewinne zu Lasten des Verlierers erzielt. Um eine Nettorendite von zwei Prozent erzielen zu können, muß sich auf der anderen Seite ein „Freiwilliger“ finden lassen, der vier Prozent verlieren möchte“, erläutert ein kritischer Experte die Konstellation.

Aber es gibt einen Ausweg: Indexfonds. Sie bilden ein Segment der Finanzmärkte einfach mechanisch nach und lassen sich aus diesem Grund kostengünstig anbieten. Das wichtigstes Argument für die Indexfonds sind denn auch die geringen Kosten. Sie bieten jedoch auch weiterer Vorteile. So gibt es keinen Ausgabeaufschlag, da die Anteile jederzeit wie eine Aktie an der Börse gehandelt werden können. Es sind lediglich die bei Wertpapieren üblichen Transaktionskosten zu berücksichtigen sowie die aus dem Marktgeschehen resultierende Spanne zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis.

Der Börsenhandel verbessert ebenfalls die Transparenz: Ein Blick auf eine Kurstafel genügt, um sich über den Wert seines Anteils zu informieren. Indexfonds bieten zudem den Vorteil, relativ breit gestreut und damit relativ „risikolos“ zu sein, zumindest im Vergleich mit einzelnen Aktien oder Anleihen. Für Absicherungsstrategien lassen sich sogar Stop-Loss-Aufträge plazieren.

Auswahl der richtigen Wertpapiermärkte entscheidend

Auch strategisch sind Indexfonds sinnvoll. Denn empirische Untersuchungen zeigen, daß die Auswahl der richtigen Wertpapiermärkte zum richtigen Zeitpunkt für die Performance eines Depots entscheidender ist als die Selektion von Einzeltiteln. Warum also nicht gleich in ganze Märkte investieren, läßt sich fragen? Anbieten würde sich beispielsweise eine so genannte „Core-Satellite-Strategie“: Man investiert den Hauptteil seines Vermögens über Indexfonds in jene Märkte oder Segmente, die man positiv bewertet und legt sich daneben noch einige vielversprechende Einzelwerte ins Depot. Sie können auf diese Weise das breit diversifizierte Portfolio aufpeppen, ohne es gleich massiv nach unten zu ziehen, wenn sich einer der gewählten Einzelwerte zum „Rohrkrepierer“ entwickeln sollte.

Der Blick auf die Entwicklung der in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Indexfonds macht deutlich, daß solche Strategien durchaus erfolgreich sein können. Denn wer in den vergangenen Monaten auf europäische Finanz- und Basisgüteranbieter oder chinesische Unternehmen setzte, konnte Kursgewinne von bis zu 62 Prozent verbuchen. Der Dax dagegen verzeichnete im gleichen Zeitraum bisher einen Gesamtertrag von 28,5 Prozent.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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