Energie & Rohstoffe

Nachfrage nach Biokraftstoffen treibt Preise bei Agrarprodukten

04. Juli 2007 Die wachsende Nachfrage nach Biokraftstoffen verursacht grundlegende Verschiebungen an den Weltagrarmärkten und dürfte die Weltmarktpreise für viele Agrarprodukte nach oben treiben. Das geht aus der diesjährigen Ausgabe des OECD-FAO Agricultural Outlook hervor, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Welternährungsorganisation (FAO) heute in Paris vorgestellt haben.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass temporäre Faktoren wie Dürren in Getreideanbaugebieten und geringe Lagerbestände im Großen und Ganzen die jüngsten Preissprünge bei Agrarerzeugnissen erklären. Auf lange Sicht vollziehen sich jedoch strukturelle Veränderungen, die für die kommende Dekade für anhaltend hohe Preise sorgen könnten.

Verringerte Ernteüberschüsse und ein Rückgang der Exportsubventionen

Verringerte Ernteüberschüsse und ein Rückgang der Exportsubventionen tragen zu diesen langfristigen Veränderungen an den Agrarmärkten bei. Weit bedeutender ist aber der zunehmende Anbau von Getreide, Zucker, Ölsaaten und Pflanzenölen für die Produktion von Ethanol und Biodiesel, mit der Absicht fossile Kraftstoffe zu ersetzen. Dies führt zu einem Anstieg der Preise im Ackerbau und indirekt über Preissteigerungen bei Futtermitteln auch zu höheren Preisen für tierische Produkte.

So dürfte sich in den Vereinigte Staaten die Jahresproduktion von Ethanol auf Maisbasis zwischen den Jahren 2006 und 2016 verdoppeln. Für die EU wird erwartet, dass sich die Produktion von Ölsaaten, vor allem Raps, im gleichen Zeitraum von zehn auf 21 Millionen Tonnen erhöhen wird. In Brasilen dürfte die jährliche Ethanolproduktion im Jahr 2016 rund 44 Milliarden Liter erreichen, gegenüber 21 Milliarden heute. In China könnte die Ethanolproduktion im gleichen Zeitraum um zwei Milliarden auf 3,8 Milliarden Liter im Jahr steigen.

Zum Börsenkurs

Der Bericht zeigt auf, dass höhere Preise für Agrarprodukte vor allem für Länder mit Nettolebensmittelimporten und für die arme Bevölkerung in den Städten zum Problem werden können. Während die durch Biokraftstoffproduktion ausgelösten höheren Futtermittelpreise die Einkommen für Futtermittelerzeuger erhöhen, bedeuten diese Preissteigerungen für Viehhalter höhere Kosten und geringe Einkommen, sofern diese nicht ebenfalls die Preise für ihre Güter anheben können.

Dem Bericht zufolge verändern sich auch die Handelsströme. Die Erzeugung und der Konsum von Agrarprodukten werde in Entwicklungsländern schneller wachsen als in den Industrieländern - dies gelte besonders für Rind- und Schweinefleisch, Butter, Magermilchpulver und Zucker. Die OECD-Länder dürften für alle diese Produkte auf den Exportmärkten an Anteilen verlieren. Dennoch könnten sie weiterhin die Exportmärkte für Weizen, Grobgetreide - das sind alle Getreidearten außer Weizen und Reis - und Milchprodukte dominieren.

Handel für die meisten Agrarprodukte dürfte zunehmen

Gemessen an den weltweiten Importen werde der Handel für die meisten Agrarprodukte bis im Jahr 2016 zunehmen. Allerdings dürfte das Handelsvolumen hier aufgrund noch immer bestehender Importbarrieren langsamer wachsen als bei Nichtagrarprodukten. Dennoch werde der Handel mit Rind- und Schweinefleisch sowie mit Milchpulver in den kommenden zehn Jahren um mehr als 50 Prozent zunehmen. Der Handel mit Grobgetreide werde um 13 Prozent steigen, Handel mit Weizen um 17 Prozent, der Handel mit Pflanzenölen könne sogar um fast 70 Prozent zunehmen.

Auf dieser Basis dürften Unternehmen, die in den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen tätig sind, interessante Wachstumschancen haben. Das gilt für die Hersteller von Landmaschinen ebenso, wie für die Pflanzgut- , Pflanzenschutz und -pflegehersteller, sowie für Verarbeitungs- und Handelsunternehmen. Ob Landwirtschaftsbetriebe davon profitieren, dürfte davon abhängen, ob die Kosten rascher steigen als die Erlöse.

Sehr wahrscheinlich wird die Erlösentwicklung volatiler als in der Vergangenheit. Das zeigt sich unter anderem daran, dass der Maispreis in den vergangenen Wochen auf hohem Niveau deutlich korrigiert hat. Hintergrund: Die Landwirte haben in der laufenden Saison die Anbaufläche für Mais aufgrund der hohen Preise stark zu lasten von Soja ausgedehnt. Folge: Der Maispreis gibt nach, während der Sojapreis weiter nach oben läuft. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, bei agrarischen Rohstoffen nicht auf stabile Preistrends zu setzen, da es bei Eingriffen von außen - zum Beispiel durch die Einführung oder Beschneidung von sozialistisch-planwirtschaftlichen Subentionen - immer wieder zu Folgeffekten dieser Art kommen kann. Absicherungsstrategien gegen solche Marktmanipulationen sind ratsam.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AAFC, Daten: USDA, Grafik: FAZ.NET, ERS, EU/OECD, FAZ.NET, FAZ.NET, Daten: FAO 2005, OECD, FAO, USDA

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