Fonds

Börsengehandelte Indexfonds auf dem Vormarsch

19. September 2006 Die Vorteile börsengehandelter Indexfonds bleiben auch Privatanlegern nicht verborgen: Nach Beobachtungen des deutschen Marktführers Indexchange kommt bei den sogenannten Exchange Traded Funds (ETF) inzwischen jede zweite Order, die über die Deutsche Börse abgewickelt wird, aus dieser Richtung. Damit zeichnet sich allmählich auch in dieser Anlegergruppe ein Durchbruch ab, nachdem große institutionelle Investoren dieses Anlageinstrumente inzwischen schon rege nutzen. Das verwaltete Vermögen in den an der Deutschen Börse notierten Indexfonds lag Ende August bei rund 40 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es erst 21 Milliarden Euro. Damit setzt sich das rasante Wachstum dieser erst vor sechs Jahren in Deutschland aufgekommenen Anlageprodukte fort.

Nach vorsichtigen Schätzungen liegt der Anteil der Privatanleger am verwalteten Vermögen in börsengehandelten Indexfonds hierzulande bei 10 bis 15 Prozent. Der immer noch geringe Anteil ist paradoxerweise auf die günstige Kostenstruktur dieser Fonds zurückzuführen. Beim Kauf über die Börse wird im Gegensatz zu klassischen Investmentfonds kein Ausgabeaufschlag fällig, der für Aktienfonds im Normalfall bei 5 Prozent und für Rentenfonds bei 3 Prozent liegt. Die statt dessen anfallenden Transaktionskosten sollten deutlich darunter liegen.

Privatanleger setzen auf die Vorteile börsengehandelter Indexfonds

Zudem fällt die jährliche Verwaltungsgebühr mit selten mehr als 0,5 Prozent im Jahr deutlich geringer aus als bei klassischen Renten- und Aktienfonds, die normalerweise zwischen einem und 1,5 Prozent verlangen. Die niedrigen Gebührensätze erlauben keine Verkaufsanreize über Provisionen für Banken und Finanzvertriebe. Deshalb werden sie in einer Beratung auf Provisionsbasis auch nicht aktiv angeboten. Privatanleger müssen deshalb weitgehend selbst aktiv werden, was mit Blick auf die Ordergrößen bei der Deutschen Börse aber offenbar zunehmend der Fall ist.

Für sein Geld bekommt der Anleger einen Fonds in sein Depot, der nahezu identisch die Wertentwicklung eines von ihm ausgewählten Aktien-, Renten oder neuerdings auch Rohstoffindex abbildet. Zwar treten die börsengehandelten Indexfonds dabei in Konkurrenz zu Indexzertifikaten. Gegenüber diesen haben sie aber den Vorteil, daß hier kein Emittentenrisiko besteht und die Anlegergelder im Konkursfall als Sondervermögen geschützt sind. Dies ist ein wesentlicher Grund dafür, daß institutionelle Anleger die Indexfonds den Indexzertifikaten vorziehen.

Der Schub im Neugeschäft im laufenden Jahr ist unmittelbar mit einer deutlichen Ausweitung der Produktpalette verbunden. Europaweit wurden in diesem Jahr 86 neue Indexfonds gezählt. Die Zahl der über die Deutsche Börse erhältlichen Fonds verdoppelte sich im Jahresverlauf fast von 77 auf 147. Dadurch sind inzwischen auch so exotische Fonds wie der Easy-ETF GS Agriculture & Livestocks von Axa Investment Managers im Angebot, mit dem Anleger über den zugrundeliegenden Goldman-Sachs-Index einen Zugang zur Agrar- und Viehwirtschaft erhalten. Umsatzträger sind jedoch Fonds, die bedeutende Indizes wie den Euro Stoxx 50 oder den Deutschen Aktienindex Dax nachvollziehen. Bei diesen sehr großen und damit auch sehr liquiden Produkten schlägt sich der Wettbewerb auch im Preis nieder. So liegt die jährliche Verwaltungsgebühr für den Dax-Fonds von Indexchange nur noch bei 0,15 Prozent, ebenso für den Euro-Stoxx-50-Fonds.

Produkte werden immer mehr verfeinert

Obwohl der Wettbewerb inzwischen sehr intensiv ist - allein in Deutschland bieten zehn Gesellschaften börsengehandelte Indexfonds an -, haben sich in Europa drei große Anbieter herausgeschält: die amerikanische Gesellschaft Barclays Global Investors als europäischer Marktführer, die deutsche Hypo-Vereinsbank-Tochtergesellschaft Indexchange, die hierzulande die Marktführerschaft behauptet, sowie der französische Anbieter Lyxor aus dem Hause Société Générale. Etwa drei Viertel des europäischen Marktes liegen in ihrer Hand. Im Handel mit den Fondsanteilen hat sich wiederum die Deutsche Börse als mit Abstand größte Plattform in Europa etabliert.

Qualitätskriterien für einen börsengehandelten Indexfonds sind eine möglichst exakte Abbildung des zugrundeliegenden Marktbarometers nach Kosten sowie eine möglichst niedrige Spanne zwischen dem An- und Verkaufspreis über die Börse. Deshalb widmen sich die Anbieter nach einer Phase des Marktaufbaus zunehmend auch der Verbesserung ihrer Produkte und einer Verfeinerung ihrer Anlageprozesse. Zuletzt sorgte dabei Indexchange mit einer Swap-Konstruktion für Aufsehen in der Branche, die im Ausland anfallende Steuern verringert und dadurch eine noch genauere Abbildung der zugrundeliegenden Indizes ermöglicht. Positiv bemerkbar macht sich dies unter anderem bei Indizes mit einem hohen Anteil von britischen Aktien, weil in Großbritannien eine Handelssteuer von 0,5 Prozent je Wertpapiergeschäft fällig wird, die in einem Index jedoch keine Berücksichtigung findet. Erstmals genutzt wurde das Vorgehen in einer Produktfamilie aus 18 Fonds, die jeweils einen Stoxx-600-Branchenindex abbilden.

Text: sfu., F.A.Z., 20.09.2006, Nr. 219 / Seite 23
Bildmaterial: F.A.Z.

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