Von David Bogoslaw
15. Mai 2008 Wie praktisch alle Aktienfonds, so mussten auch die nach ethischen Richtlinien investierenden Investmentfonds im ersten Quartal Federn lassen. Nach Angaben des Fondsanalysehauses Morningstar fielen die Verluste der Ethikfonds in 9 von 13 Fondskategorien allerdings geringer aus als in der breiteren Kategorie.
Insbesondere wachstums- und substanzorientierte Ethikfonds mit Ausrichtung auf mittelgroße Aktien erzielten eine deutlich bessere Wertenwicklung als ihre übergeordneten Kategorien. Vor einen Jahr - ehe die Kreditkrise ihren Lauf nahm - war genau das Gegenteil der Fall: Die Performance der Ethikfonds in 10 von 13 Kategorien blieb hinter jener der breiteren Kategorien zurück.
Ethikfonds investieren in Unternehmen mit höheren Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsstandards, soliden Bilanzen und niedriger Verschuldung. Im zurückliegenden Jahr konnte man sich in einem turbulenten Marktumfeld mit zwei großen Themen recht gut behaupten: erneuerbare Energien und traditionelle Energieunternehmen mit Schwerpunkt auf fossile Energieträger. Fonds, die auf umweltfreundliche Energien setzten, konnten hohe Gewinne einstreichen, während solche, die Öl- und Erdgasproduzenten mieden oder untergewichteten, weniger erfolgreich waren.
Besser als der marktbreite S&P-500-Index
Die Manager dieser Fonds führen ihre Wertentwicklung auch auf ihre langfristige Anlagephilosophie zurück. Todd Ahlsten, Fondsverwalter des 1,04 Milliarden Dollar schweren Parnassus Equity Income Fund in San Francisco, schlug den Aktienindex S&P-500 nach eigenen Aussagen durch die Hereinnahme unterbewerteter Finanztitel und konsumnaher Werte sowie durch den Besitz von Aktien des Gesundheits- und Technologiesektors.
Im Energiebereich setzte Ahlsten weniger auf Aktien von Unternehmen im Bereich erneuerbarer Energien (die lediglich 2 Prozent seines Fonds ausmachen), sondern vor allem auf traditionelle Energieunternehmen, die sich einer fortschrittlicheren Technologie bedienen, etwa der Öl- und Erdgas-Servicedienstleister Smith International, der wasserbasierte Bohrflüssigkeiten herstellt, die weniger toxisch sind und sich leichter zurückgewinnen lassen.
Ahlsten zufolge reiche es nicht aus, sich ausschließlich auf nachhaltiges Gewinnwachstum zu konzentrieren. Vielmehr muss man auf Branchenebene die richtigen Unter- und Übergewichtungen vollziehen.
Ethik-Fonds standen vor kurzem noch im Abseits
Vor einem Jahr, als sich Anleger auf höher rentierliche Vermögenswerte stürzten, ohne sich weitere Gedanken um die damit verbundenen Risiken zu machen, ließ man Unternehmen mit verlässlichen Gewinnen und Dividendenzahlungen links liegen, sagt Richard England, Lead-Manager des 1,3 Milliarden Dollar schweren Calvert Social Investment Equity Fund.
Mit unserem Anlagestil waren wir seinerzeit dem Gegenwind ausgesetzt, im Zuge der Unsicherheit des vergangenen Jahres hat sich der Wind jedoch gedreht, so England. Er geht davon aus, dass sein Fokus auf nachhaltigeres Wachstum und die Vermeidung zyklischer Titel in den kommenden ein bis zwei Jahren für Rückenwind sorgen wird. Durch ein geringeres Engagement in Unternehmen, die zum Spielball kurzfristiger Stimmungsschwankungen werden können, verlor der Calvert Fund im ersten Quartal 8,5 Prozent an Wert, während der S&P-500 im gleichen Zeitraum 9,5 Prozent einbüßte.
Fonds, die im ersten Quartal an einer aggressiven wachstumsorientierten Anlagephilosophie festhielten, bekamen hierfür eine saftige Quittung. Der Winslow Green Growth Fund verzeichnete im ersten Quartal mit minus 26,6 Prozent die schlechteste Wertentwicklung der drei auf kleine Nebenwerte spezialisierten Ethikfonds, während die gesamte Kategorie der wachstumsorientierten Nebenwertefonds nach Angaben von Morningstar eine durchschnittliche Negativperformance von 14,51 Prozent aufwies.
Aggressives Wachstum wurde Winslow zum Verhängnis
Ethan Berkwits, Marketingchef bei Winslow Management in Boston, sieht die Ursache hierfür nicht in den der ökologischen Nachhaltigkeit verpflichteten Anlagerichtlinien des Fonds, sondern in dessen aggressiver Wachstumsstrategie. Er räumt ein, dass diese Strategie zum Teil mit der Übergewichtung von Aktien umweltfreundlicher Energieunternehmen einherging, die im ersten Quartal kräftig unter die Räder kamen.
Berkwits war nach eigenen Aussagen angenehm überrascht, dass er nur wenige Anrufe von in Panik geratenden Anlegern erhielt, die sich Sorgen um die Fondsentwicklung während des Tiefs der Marktabschwächung machten. Dies zeigt uns, dass im Unterschied zu früheren Jahren, als wir nach einem schwierigen Quartal starke Mittelabflüsse verzeichneten, eine echte Verlagerung der Basis unserer Anteilseigner hin zu Anlegern eingetreten ist, die unsere langfristige umweltverantwortliche Anlageperspektive teilen, so Berkwits, weshalb in der Folge diesmal kaum Mittel abgezogen worden seien.
Solide Ergebnisse von Reynders
Beim Vermögensverwalter Reynders, McVeigh Capital Management aus Boston erzielten gesonderte Portfolios im Volumen von 240 Millionen Dollar von Jahresbeginn bis zum 7. Mai einen Gesamtertrag von etwas unter einem Prozent, während der S&P-500 im gleichen Zeitraum einen Verlust von 2,6 Prozent auswies. Chat Reynders, einer der Manager des Unternehmens, führt die Performance auf die sehr soliden Bilanzen und den geringen Fremdkapitalanteil der in unseren Portfolios vertretenen Unternehmen zurück.
Für das am 31. März beendete Jahr konnten die von ihm und seinem Partner Patrick McVeigh verwalteten Portfolios einen Wertanstieg von über 15 Prozent vermelden, derweil der Gesamtmarkt im gleichen Zeitraum nur etwas über 5 Prozent zulegen konnte.
Angesichts der Tatsache, dass viele Ethikfonds traditionell Unternehmen der Finanzbranche favorisieren, da diese in der Regel den Ethikkriterien entsprechen, ist es erstaunlich, dass viele Ethikfonds besser abschnitten als Fonds anderer Kategorien. Lange bevor der Markt die Subprime-Problematik erkannte, lösten sich Reynders und McVeigh von Finanzwerten, da ihnen deren Verständnis nachhaltiger Geschäftstätigkeit nicht weit genug ging.
Lob für Fannie Mae aus der Ethikbranche
Als etwa das Magazin Business Ethics die Hypothekenbank Fannie Mae im Jahr 2004 zum Unternehmen mit der größten sozialen Verantwortung ernannte, sandte McVeigh einen Brief an den Chefredakteur, in dem er dem staatlich geförderten Hypothekenfinanzierter vorwarf, sich im Zuge seiner Expansion in neue Märkte durch Aufnahme gewaltiger Fremdmittel zum größten Hedge-Fonds entwickelt zu haben.
Business Ethics schrieb, dass das Geschäft von Fannie Mae darin bestehe, Träume wahr werden zu lassen. Wir entgegneten, dass das Geschäft des Unternehmens Alpträume wahr werden lässt, indem Menschen Häuser erhalten, die sie sich nicht leisten können, so McVeigh.
Ethikfondsmanager rechnen nicht damit, dass der Marktabschwung zu einem nachlassenden Engagement der Anleger bei ethischen Kapitalanlagen führt. Geeta Aiyer, Portfoliomanagerin bei Boston Common Asset Management, ist der Ansicht, dass die vergangenen 5 Jahre das Engagement der Anleger weitaus stärker auf die Probe stellten. In diesem Zeitraum rangierten nämlich unethische Energie- und Rüstungsbranchen unter den Sektoren mit der besten Wertentwicklung. Seit Jahren widmen wir uns der Frage nach den Opportunitätskosten - worauf man verzichtet, wenn man ein ethisch handelnder Anleger wird, so Aiyer. Nun sehen wir, dass es sich auszahlt, ein verantwortungsvoller Anleger zu sein.
Den Ethik-Fonds fließen nun Mittel zu
Seit Jahresbeginn beobachten einige Ethikfondsmanager sogar Mittelzuflüsse. So berichtet etwa Joe Keefe, Chef von Pax World, dass alle 8 Ethikfonds der in Portsmouth (New Hampshire) ansässigen Fondsgesellschaft im bisherigen Jahresverlauf Nettomittelzuflüsse verzeichnen konnten, darunter 5 Fonds, die in den vergangenen 9 Monaten aufgelegt wurden. Eine erstaunliche Tatsache angesichts der infolge der Marktlage auftretenden Nettoabflüsse zahlreicher Fondsgesellschaften, sagt Keefe. Dies beweist, dass ethisches oder grünes Investment - wie auch immer man es nennen mag - derzeit hoch im Kurs steht.
Im bisherigen Jahresverlauf konnte der Pax World Balanced Fund neue Mittel im Volumen von mehr als 42 Millionen Dollar auf sich vereinen. Mehr als 9 Millionen Dollar flossen in den Hochzinsanleihenfonds von Pax World, während der kürzlich übernommene Women's Equity Fund laut Keefe um rund 5 Millionen Dollar anwuchs.
Kunden wollen mehr Nähe zu ihren Investments
Gestiegene Sorgen um die Wirtschaftslage, die Unternehmensgewinne und die Bewertungen könnten den Ethikfonds sogar noch mehr Anleger bescheren. Einer der Vorteile dieser Fonds ist ein aktives Engagement, mit dem Anteilseigner mit gezieltem Einsatz ihrer Kapitalanteile und Stimmrechte Unternehmen zu Änderungen ihrer Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsstandards bewegen können. Viele Kunden wünschen sich in sorgenvollen Zeiten wie diesen eine größere Nähe zu ihren Investments. Sie möchten mehr über die Managemententwicklung der Unternehmen erfahren, in die sie investiert sind, sagt Reynders.
Chris Brown, Chef-Investmentstratege von Pax World, beobachtet einen starken Mittelzufluss von betrieblichen Altersvorsorgeprogrammen verschiedener Bundesstaaten. Gemeindeangestellte verlangen einen bestimmten Anteil von Ethikfonds in ihrem Portfolio, so Brown. All die zutage getretenen Probleme im Zusammenhang mit Unternehmensführung und ökologischer Nachhaltigkeit haben zu einem starken Nachfrageschub nach unseren Produkten geführt.
Keefe von Pax World ist darüber hinaus überzeugt, dass die Kapitalanlage in ethisch verantwortungsvolle Unternehmen eine intelligentere Langfriststrategie darstellt, da Unternehmen, die höhere Ethikstandards erfüllen, in der Regel besser für eine langfristige Wertentwicklung aufgestellt sind und geringere Risiken aufweisen.
David Bogoslaw ist Reporter für den Business Week Investing Channel
Text: Business Week Online
Bildmaterial: ddp
| Anlage- schwerpunkt | Fond- anzahl | Mon. Performance | |
|---|---|---|---|
| Top % | Flop % | ||
| Aktien | 2.963 | +2,53 | -15,25 |
| Andere | 5.365 | +0,00 | -7,22 |
| Derivative | 46 | +0,00 | -1,19 |
| Geldmarkt-/nahe | 225 | +0,99 | -1,28 |
| Gemischte | 229 | +3,24 | -6,41 |
| Renten | 1.321 | +6,05 | -4,26 |
| Quelle: Morningstar | |||
| Tops & Flops | Prozent |
|---|---|
| Renten CZK | +6,05 |
| Renten Europa Emerging Market | +3,49 |
| Gemischte Fonds Türkei (neut) | +3,24 |
| Aktien Norwegen | -15,25 |
| Aktien Thailand | -15,19 |
| Aktien Indonesien | -14,50 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.469,60 | +0,45 |
| TecDax | 726,89 | +0,74 |
| DowJones | 11.424,27 | +0,66 |
| Nasdaq | 2.305,49 | +1,11 |
| STOXX 50 | 3.361,74 | +0,21 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,50 | -2,34 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,04 |
| Bund Future | 110,70 | -0,22 |
| Gold | 920,95 | -0,72 |
| Öl | 125,98 | +0,80 |
