Markttechnik

Dax im charttechnischen „Nirvana“

Welche Signale geben die Charts?

Welche Signale geben die Charts?

14. August 2007 Der Dax bewegt sich derzeit im charttechnischen Nirwana. Aktuell sehen drei von Dow Jones Newswires befragte Analysten weder zwingende Anzeichen für eine Fortsetzung der Korrektur, noch für eine sofortige Erholung. Für beide Fälle müssten erst wichtige Signalmarken über- oder unterschritten werden.

Ansgar Krekeler von der WGZ-Bank sagt dazu: “Um weiter bearisch zu bleiben, brauchen wir erst ein neues Verkaufssignal“. Zwar habe der Dax mit dem jüngsten Bruch der 7.800er- Marke seinen mittelfristigen Trend gebrochen, mit rund 400 Punkten Kursverlust sei dieses Signal jedoch abgearbeitet. Immerhin habe der Dax den Trend auch im März/April kurz verletzt, sei danach aber wieder in den Trendkanal zurückgestiegen. Ein neues Verkaufssignal würde der Dax erst geben, wenn er unter der Zone der Tiefs aus Mai und August zwischen 7.304 und 7.293 Punkten schließen würde. Dann hätte es der Markt mit einer abgeschlossenen Top-Bildung und Kurszielen unter 7.000 Punkten zu tun. Dies sei jedoch noch nicht der Fall.

Generation eines technischen Verkaufssignals bei einem Dax-Schluss unter 7.293 bis 7.304 Punkten

Hilfreich wäre nun, wenn sich der Markt vom jetzigen Niveau nach oben lösen könnte. “Am besten wäre, wenn der Dax nicht mehr durch die 7.360er-Marke fällt - möglichst nicht einmal Intraday“, sagt der Analyst. Aufgrund der stark überverkauften Lage könne es dann sogar zu einem Short-Squeeze kommen, der den Markt bis maximal 7.750 Punkte tragen könne. Verkaufswilligen Anlegern rät der Analyst, unbedingt das Verkaufssignal abzuwarten: “Es gibt keinen Grund, hier und jetzt zu geben“. Die Chance auf bessere Kurse sei da.

Auch Achim Matzke von Commerzbank Corporates & Markets favorisiert zunächst das Korrekturszenario. Nach 13 Monaten schönster Hausse und einem Kursanstieg von fast 3.000 Punkten müsse die aktuelle Bewegung erst einmal eingeordnet werden, sagt Matzke. Viele Indizes wie Dax, Euro-Stoxx-50 und S&P-500 hätten zuvor eine Phase der Aufwärtsbeschleunigung ausgebildet. Diese sei nun seitwärts verlassen worden, was typisch für den Beginn der Korrektur einer solchen Phase sei. Als Begleiterscheinungen des Übergangs gebe es immer einen Grund, wie die aktuelle Hypothekensituation, sowie erhöhte Volatilitäten.

Da aber gleichzeitig die Unternehmensgewinne im zweiten Quartals teils deutlich über Erwarten lagen und bereits sehr viele Short-Positionen eröffnet worden seien, sei “eine Art Zweikampf“ eingetreten: Die günstige Bewertung der Aktien stehe nun den Korrekturtendenzen und der schlechten Börsenstimmung gegenüber. Matzkes Resümee aus dieser Gegensätze lautet: Die Märkte brauchen vor allem “Zeit“, um die Situation zu bereinigen.

Technisch erwartet der Analyst erst dann negative Konsequenzen, wenn der Dax den Bereich um 7.000/7.100 Punkten nicht nachhaltig verteidigen könnte. Mit dem 200-Tage- Durchschnitt, dem beschleunigten Aufwärtstrend, sowie dem Kurs-Top aus dem Februar lägen dort nämlich gleich drei wichtige Marken. Kurse darunter würden auch die mittelfristige Technik des Dax eintrüben. Für bemerkenswert hält der Analyst die aktuelle Aufspaltung der einzelnen Branchen-Entwicklungen: Während Banken ihre Schwäche ausbauten und es kräftige Gewinnmitnahmen in den gut gelaufenen Basic Resources und Industriegütern gebe, falle der Telekom-Sektor leicht positiv auf. Hier sieht Matzke erste, defensiv orientierte Anlagekäufe. Aufgrund der hohen Dividendenrendite des Sektors sei das Chance-Risiko- Verhältnis ausgewogen.

Telekomsektor fällt leicht positiv auf

Auf die technisch interessante Situation der Telekoms macht auch Andreas Klähn von SEB Portfolio Management aufmerksam: Vor allem die spanische Telefonica zeige Stärke gegenüber dem Markt-Abwärtstrend. Bis zum nächsten Widerstand bei 17,24 Euro habe sie noch viel Luft. Ebenso sehe Deutsche Telekom aus technischer Sicht zukaufenswert aus. Die Unterstützung bei 12,46 Euro sei mehrfach angetestet worden, habe aber seit März immer gehalten. Da nun auch die Indikatoren nach oben zeigten, seien Kurse bis 14,00/14,50 Euro möglich.

Auch im Dax sieht Klähn bislang nur ein Korrekturszenario. In den Wochencharts habe sich bislang wenig getan, lediglich die Tagescharts seien angeschlagen. Kurzfristig habe sich nun ein Abwärtstrend gebildet; die Unterstützung um 7.366 Punkte dürfte im Wochenverlauf nochmals getestet werden. Aktuell sieht der Analyst das Abwärtsrisiko etwas höher als die Chance nach oben. “Dem Dax scheint es momentan an Kraft zu fehlen“, sagt Klähn. Auch die Trend-Indikatoren notierten im negativen Bereich. Per Saldo sei ein Kursabschlag noch bis 7.040 Punkte möglich. Entspannung gebe es jedoch erst, wenn der Dax zwei Tage hintereinander über der Marke von 7.527 Punkten schließt, sagt Klähn. Ein Tag allein wäre nicht signifikant, da der Dax dies bereits mehrfach in der Vergangenheit versucht habe. “Dann wäre das Abwärtsszenario aber hinfällig“, schließt der Analyst.

Text: Dow Jones Newswires
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET

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